Sie hiessen Silvio und Silvia und gaben in den 1980er-Jahren der pubertierenden Aarauer Jugend ein Zuhause fernab der schwierig gewordenen Eltern. Die beiden Jugendarbeiter führten in der Tuchlaube einen beliebten Jugendtreff. Wo heute Theater gespielt wird, wurde damals getanzt, mit Breakdance um Mädchen geworben und manchen Teenager traf hier Amors Pfeil.

All dies erlebte auch René Baumann, ein fussball- und tanzbegeisterter Halbwüchsiger aus Kölliken. Mehrmals pro Woche knatterte er mit dem Töffli nach Aarau zur Tuchlaube, wo er wie ein Verrückter tanzte, erste Versuche als DJ wagte und damit den Grundstein für eine Weltkarriere legte. Was früher für René Baumann die Aarauer Tuchlaube war, sind heute für DJ Bobo Konzerte in den grössten Hallen Europas.

«Früher war die Tuchlaube grösser»

Rund 30 Jahre später ist DJ Bobo nun dahin zurückgekehrt, wo die Karriere begann. Radio Argovia lud seine Hörer in die Tuchlaube zum Promi-Talk. Doch der Musiker fand sich zuerst nur schwer im heutigen Theater zurecht. «Irgendwie war früher alles grösser», wunderte er sich. «Vielleicht liegt das daran, dass wir damals kleiner waren.»

Im Talk mit «Argovia»-Musikchef Peter Stutz kam DJ Bobo dann schnell ins Plaudern: «Die Zeit in der Tuchlaube hat mich geprägt. Hier tanzten wir fast jeden Tag. Das war ein super Ventil für uns Jugendliche. Sonst hätten wir uns wohl anderswo herumgetrieben.»

Teenager DJ Bobo: Der Ausweis von René Baumann der Tuchlaube Aarau

Teenager DJ Bobo: Der Ausweis von René Baumann der Tuchlaube Aarau

Zu René Baumanns Clique gehörte ein halbes Dutzend Gleichaltriger, die begeistert auf der Breakdance-Welle ritten, die aus den USA nach Europa herüberschwappte. Die Tuchlaube mit Parkettboden und Musikanlage war perfekt, den Breakdance-Idolen nachzueifern.

«Silvio und Silvia erlaubten uns, hier zu tanzen», erinnert sich DJ Bobo. «Sie hatten wohl kaum damit gerechnet, dass wir es wirklich ernst meinen und ständig hier aufkreuzen würden.»

Dj Bobo ist nach 30 Jahren in die Tuchlaube, den ehemaligen Jugendtreff, zurückgekehrt.

Dj Bobo ist nach 30 Jahren in die Tuchlaube, den damaligen Jugendtreff, zurückgekehrt.

Plötzlich taucht Bobo Ausweis auf

Bei den Tanz-Sessions setzte sich René Baumann immer wieder hinter das DJ-Pult. Nicht, weil er das Handwerk verstand, sondern weil er als einziger wusste, wie man es einschaltet. So rutschte der Teenager in die DJ-Szene. Er studierte die Profis und deren Bewegungen am Plattenteller. Schliesslich legte René regelmässig bei den Jugenddiscos in der Tuchlaube auf. «Wenn Baltimoras ‹Tarzan Boy› lief, kochte der Saal», erinnert sich DJ Bobo.

Schnell gehörte er zum festen Tuchlaube-Team. Geld gab es nicht, dafür einen Toast und ein Getränk. Und einen Mitgliederausweis.

Dieser Ausweis ist am Promi-Talk zur Überraschung von DJ Bobo wieder aufgetaucht. Noch grösser war sein Erstaunen, wer ihm den Ausweis überreichte: Silvio Grosswiler, der
Jugendarbeiter von damals . Nach einer Umarmung war Grosswiler genauso gerührt wie DJ Bobo: «Unglaublich, wie oft ihr trainiert und den Kopf angeschlagen habt», sagte Silvio Grosswiler amüsiert.

Den Tuchlaube-Ausweis durfte DJ Bobo nach dem Promi-Talk mit nach Hause nehmen. Der Musiker verliess Aarau aber nicht, ohne einen anderen Lieblingsort seiner Jugend zu besuchen: Spätabends bestellte er beim Good-Food-Imbiss einen Hotdog.