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Handyhülle passt zum Kränzchen: Franziska Graf.

Handyhülle passt zum Kränzchen: Franziska Graf.

Bild: Britta Gut

Am Vorabend haben wir die vielleicht angefressenste Maienzüglerin überhaupt angetroffen: Ruth Hintermann aus dem Käfergrund. Für die Seniorin ist der Maienzug «viel besser als Geburtstag und Weihnachten»: «Als ich einmal mit einem gebrochenen Bein im Spital lag, musste mir mein Mann das weisse Kleidli aufs Zimmer bringen, und ich habe es angezogen. Ich konnte doch nicht auf meinen Maienzug verzichten!»

Auf ihrer privaten Maienzug-Führung zu den geschmückten Brunnen erfuhren sogar die Stadträte noch Neues: Etwa, dass Danièle Turkier – heute stadtbekannte Chefin von Aarau Standortmarketing – einst das allererste Mädchen war, das am Maienzug die Standarte tragen durfte. Und dass Aarau 1854 eine üble Choleraepidemie hatte (es starben auch zwei Stadträte), die die Stadt erst in den Griff bekam, als man ihr drohte, an ihrer Stelle Brugg zur Kantonshauptstadt zu ernennen.

Ganz ausnahmsweise trugen die Stadträtinnen gestern Blumenkränzli statt Hüte – die filigranen Gebinde hatte Stadträtin Franziska Graf besorgt. Ihre Kollegen erschienen ohne Frack, Hut und Krawatte im Tenue légère.

Bestens ausgeruht stand Stadträtin Suzanne Marclay-Merz am Morgen auf der Quartierstrasse im Gönhard, als vor dem Mini-Umzug Eltern und Kinder zusammenkamen. Die Aarauerinnen und Aarauer hatten sich an den Appell gehalten, doch am Vorabend vernünftigerweise daheim zu bleiben. «Der Vorabend war enorm ruhig, es hat eine friedliche, schöne Stimmung geherrscht in der Stadt», sagte sie.

Die Schaufensterpuppe vor dem «Gmüesrad» an der Vorderen Vorstadt steht in historischer Uniform da, die der Stadtmusik Aarau. Auf dem Bauch eine Spruch-Tafel: «Corona hin, Corona här, wer wott cha feste als obs Maiezug wär. Es gitt kei Marschmusig, kei Umzug und Tanz. Trotzdem mache mer euises Fest aber ned uf de Schanz.»

Der Brunnen im Schultheissenhöfli war mit tönernen Mohn-Blumen (hergestellt von der Kanti) geschmückt. Zur grossen Erleichterung aller überstand er den Vorabend ohne Schäden – was angesichts der Vandalenakte in anderen Jahren sehr erfreulich ist.

Nach dem Maienzug ist vor der Baustelle. An der Kasinostrasse steht neu der Kran für die 9 Millionen Franken teure Sanierung des «Mobiliar»-Gebäudes. Und am Montag wird der Kreuzplatz zur Staustelle. (nro/ksc)