Am Kinderspital Aarau erhalten krebskranke Kinder neu für jeden Behandlungsschritt eine kunstvolle Glasperle. Die so genannten Mutperlen belohnen die Kinder für ihre Strapazen und dokumentieren ihre Krankengeschichte. Das Projekt «Mutperlen» der Kinderkrebshilfe Schweiz wurde vor einer Woche am Kinderspital Aarau lanciert und soll in den nächsten Jahren auf weitere Regionen ausgedehnt werden.

«Diese Kette erzählt eine Geschichte», sagt Sonja Aytar, Leiterin der Elterngruppe Aarau der Kinderkrebshilfe Schweiz. «Sie hilft beim Verarbeiten der Strapazen und dient als Belohnung und Motivation.» Mutperlen sind jedoch keine Schweizer Erfindung. In englischsprachigen Ländern motivieren sie bereits seit vielen Jahren krebskranke Kinder für die langwierigen und belastenden Behandlungen.

Am Schluss ein Schutzengel

Beim Eintritt in die onkologische Station des Kinderspitals Aarau erhält ein Patient nun eine lange Schnur mit einer Ankerperle als Symbol der Hoffnung, einer Schnecke – das Signet der Kinderkrebshilfe – und den Buchstaben seines Vornamens. Danach folgen je nach Behandlung unterschiedliche Sujets, etwa eine durchsichtige Glasperle mit farbigem Innenleben für ein bildgebendes Verfahren, der Chemo-Kasper für den Beginn einer Chemotherapie, der Radio-Robby für den Beginn der Bestrahlungen oder ein Stück Patisserie fürs Nüchtern-Sein.

Am Ende der Behandlung schliesst ein Schutzengel die Kette ab. Eine solche Perlenkette kann mehrere Meter lang werden. «Die Kinder bekommen eine starke Beziehung zu ihrer Kette und sind stolz darauf», sagt Sandra Suter vom Vorstand der Kinderkrebshilfe Schweiz. «Auch für trauernde Eltern hat die Kette als Erinnerung eine wichtige Bedeutung.»

Idee aus Amerika

Initiiert wurde das Projekt von der Glasperlenkünstlerin Iris Hörler aus Au (SG). Sie las in amerikanischen Internet-Foren über Mutperlen für krebskranke Kinder und schlug der Kinderkrebshilfe Schweiz vor, auch in der Schweiz ein solches Projekt zu starten. Die Elterngruppe Aarau war aufgrund ihrer positiven Erfahrungen mit einfachen Mutperlen als Erste bereit, mitzumachen. Für das Basis-Set zuhanden des Kinderspitals Aarau hat Iris Hörler insgesamt 790 Perlen zusammen getragen, die mehr als fünfzig Glasperlenkünstler aus der Schweiz und aus Deutschland ehrenamtlich gestaltet haben.

«Zu Beginn lief es etwas harzig», erzählt Iris Hörler. «Aber in den letzten Wochen haben immer mehr mitgemacht.» Und die Arbeit geht nicht aus, denn die nächsten Interessenten haben bereits angeklopft: Die Kinderspitäler in Basel, in St. Gallen und Bern. (az)