Aarau
Mut zum Pelz: Jäger wollen sich nicht mehr verstecken

In den letzten Jahren haben sich die Jäger aus Angst vor Tierschützern zu sehr versteckt. Das soll sich ändern: Die Vereinigung Aargauischer Jagdaufseher im Aarauer «Schützen» betrieb am Pelzmarkt am Samstag Aufklärungsarbeit.

Isabelle Schwab
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Wenn der Kopf noch dran ist, handelt es sich um Schweizer Ware.
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Die Jäger wollen sich nicht mehr verstecken
Reger Betrieb beim Stand mit den bereits weiterverarbeiteten Fellen.

Wenn der Kopf noch dran ist, handelt es sich um Schweizer Ware.

Isabelle Schwab

Die Tiere sind unheimlich anzusehen: Die Schnauze weit aufgerissen, zahnlos, statt Augen nur zwei Löcher. Kein Einschussloch.

Auf den ersten Blick verrät nichts, wie Fuchs, Marder, Dachs und Reh ums Leben gekommen sind. Zu Dutzenden türmen sich ihre Felle auf Tischen oder hängen an Schnüren von Ständern. Es riecht leicht nach nassem Hund und totem Tier.

250 Pelze wurden an diesem Samstag am Pelzmarkt der Vereinigung Aargauischer Jagdaufseher (VAJ) im Restaurant Schützen verkauft.

Der Anblick von so viel Pelz löst dabei bei vielen ein mulmiges Gefühl aus. Zu präsent sind Bilder von gequälten Tieren, verängstigt, eingepfercht in kleine Drahtkäfige.

Man habe immer wieder Probleme mit Tierschützern, bestätigt Rolf Suter, Vize-Präsident der Vereinigung Aargauischer Jagdaufseher. «Vor der Herbstsaison wurden in meinem Jagdrevier, Gränichen Ost, vier Hochsitze mutwillig beschädigt», sagt er. Auch Pelzmärkten tauchten Tierschützer mit Plakaten auf.

Dabei hat die Schweizer Pelzproduktion so gar nichts mit den ausländischen Pelzfarmen zu tun, erklärt Rolf Suter. «Leider ist das zu wenig bekannt.» In den letzten Jahren hätten sich die Jäger aus Angst vor Tierschützern zu sehr versteckt. «Das soll sich jetzt ändern.» Man wolle nun mehr in der Öffentlichkeit auftreten.

In der Schweiz gibt es klare Regeln für die Jagd. Unter anderem darf nur eine bestimmte Anzahl Wildtiere abgeschossen werden. Zudem muss man sich an Schonzeiten halten, in denen nicht gejagt werden darf. «Wir Jäger gehen nicht einfach in den Wald und ballern drauf los, sagt Suter.

Die Anti-Pelz-Kampagnen hätten den Pelzpreis in den letzten Jahren ins Bodenlose gedrückt. «Eine Zeit lang bekam man für ein Fuchsfell nur fünf Franken», sagt Suter, «einige Jahre zuvor noch 60 Franken.» Dieses Jahr wurden wenig Füchse geschossen. Daher wurde am Samstag für ein schönes Fell 20 Franken geboten.

Gekauft werden die Felle von Pelzhändlern und Fellnäherinnen. Selten von Privatpersonen: «Es braucht Mut, mit Pelz auf die Strasse zu gehen», erklärt ein Kunde. Man müsste fast ein Schild daran anbringen, auf dem «Schweizer Pelz» stehe. Er persönlich habe kein Problem damit, einheimische Pelze zu tragen. «Ware aus China würde ich aber niemals kaufen.»