Aarau

Musikschule: Einwohnerrat genehmigt neues Reglement

An der Musikschule Aarau werden die Elternbeiträge aufs neue Schuljahr erhöht.

An der Musikschule Aarau werden die Elternbeiträge aufs neue Schuljahr erhöht.

Die Elternbeiträge an der Musikschule Aarau steigen um bis zu 45 Prozent. Das ist eine der Änderungen, die sich mit dem neuen Musikschulreglement ergeben, das der Einwohnerrat gestern abgesegnet hat.

Im Einwohnerrat werden bei Voten gerne mal Zitate grosser Dichter eingeflochten. Beispiel Musikschulreglement: Peter Roschi etwa (CVP) bemühte Molière («Nichts nützt dem Staat so wie die Musik») und Nietzsche.

Christoph Waldmeier (EVP) hingegen – und das dürfte ein Novum für den Parlamentsbetrieb sein – zitierte den Sänger Müslüm und seine «süpervitaminische Waishait»: «Wichtig isch nicht, was es isch, wichtig isch nur, dass es isch.»

Wie passend zur Zangengeburt Musikschulreglement, seit über 10 Jahren in der Pipeline. Nun ist es endlich beim Einwohnerrat an- und in der Schlussabstimmung mit 40 Ja zu 5 Nein durchgekommen.

Kosten sollen nicht so stark steigen

Wie erwartet war die Diskussion umfassend. Sechs Abänderungsanträge wurden gestellt, zwei davon von der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission. Erstens: Schulentlassene Jugendliche mit Wohnort Aarau sollen bei Bedarf weiterhin an der Musikschule Aarau unterrichtet werden können, auch wenn sie im letzten Jahr der Volksschule keinen Musikschulunterricht mehr hatten.

Der Antrag wurde mit einer Gegenstimme angenommen. Zweitens: Die maximale Erhöhung der Elternbeiträge solle für Primarschüler 700 Franken betragen (der Stadtrat schlägt 900 Franken vor), für Oberstufenschüler 700 Franken (statt 750 Franken). Die geplante Erhöhung sei zu viel auf einmal, zumal die Lektionsdauer ohnehin um 10 Prozent von 50 auf 45 Minuten gekürzt werde, sagte Kommissionspräsident Daniel Siegenthaler (SP). Dieser Abänderungsantrag scheiterte jedoch knapp: 22 Einwohnerräte sagten Ja, 23 Nein.

Änderung bei Zweitinstrumenten

Die Vorlage sieht vor, dass der Unterricht für Zweitinstrumente generell nicht mehr bezahlt wird. Im Reglement steht, die Belegung eines zweiten Instrumentes könne vom Leiter Musikschule bewilligt werden, wenn die Schülerin vom Kanton eine Hochbegabungsförderung erhält. Die SVP beantragte die Vorlage zu ergänzen: Auch Kinder, deren Eltern sich bereit erklären, die Kosten vollumfänglich selber zu übernehmen, sollen ein Zweitinstrument lernen dürfen.

Es sei für die Eltern einfacher, dies via Musikschule zu organisieren, statt privat einen Lehrer zu suchen, argumentiert die SVP. «Gleichzeitig muss klar sein, was dies kostet und dass die vollen Kosten ohne Subventionen oder Reduktionen durch die Eltern getragen werden müssen.» Der Antrag wurde mit 29 Ja zu 14 Nein angenommen.

SP, Grüne, Pro Aarau/EVP/GLP und CVP beantragten, dass neben einer ganzen Lektion (45 min) und einer halben (22,5 min) auch eine Zweidrittel-Lektion (30 min) angeboten werden soll. Diesen Antrag nahmen 28 Einwohnerräte an, 17 lehnten ihn ab.

Kinder sollen gefordert werden

Das neue Reglement sieht Musikunterricht schon ab der ersten Klasse vor. Bisher konnten die Kinder an der Musikschule Aarau erst ab der zweiten Klasse ein Instrument lernen. Wenn es nach den Freisinnigen ginge, bliebe das so. Sie stellten einen entsprechenden Änderungsantrag. «Der Übertritt vom Kindergarten in die Schule, das Erlernen von Buchstaben und Zahlen, stellen für ein Kind bei der Einschulung schon eine grosse Veränderung dar», sagte FDP-Einwohnerrat Silvano Ammann. Er begrüsse es zwar, begabte Kinder zu fördern, doch sollen diese nicht überfordert werden.

Und dann hat der Antrag auch finanzielle Gründe: «Die Änderung gegenüber dem alten Reglement stellt ausserdem eine Angebotserweiterung dar. Dank der Erhöhung der Elternbeiträge kann man zwar ein finanzielles Plus verbuchen – dieses aber gleich wieder durch etliche Erweiterungen zu schmälern, untergräbt die Absicht der Sparbemühungen», so Ammann. Der Rat lehnte den Antrag jedoch mit 18 Ja zu 27 Nein ab – einige Votanten hatten angemerkt, viele Kinder könnten in der 1. Klasse bereits rechnen, schreiben und lesen, deshalb komme das Lernen eines Instruments als Herausforderung gerade recht.

Sparen auf Buckel der Armen?

Einkommensschwache Eltern erhielten bisher bis zu 90 Prozent Reduktion auf die Musikschulkosten. Der Stadtrat will dies ändern und nur noch 80 Prozent Reduktion gewähren  – «Es sollen keine Beiträge unter 100 Franken pro Schuljahr respektive 50 Franken pro Semester in Rechnung gestellt werden», heisst es in der Vorlage. Die Grünen stellten jedoch einen Änderungsantrag, damit der Sozialtarif weiterhin eine Reduktion von bis zu 90 Prozent ermöglicht: «Auch wenn Instrumentalunterricht zu den freiwilligen Bildungsangeboten gehört, soll der Zugang weiterhin unabhängig von den materiellen Rahmenbedingungen der Eltern für alle Kinder möglich sein», heisst es in dem Antrag.

In der Debatte wurde Grünen-Einwohnerrat Markus Hutmacher deutlicher: «Ich finde die ganze Übung beschämend. Man geht hin und spart bei den Ärmsten. Dabei kostet es die Stadt höchstens 2300 Franken mehr, wenn wir den bisherigen Sozialtarif beibehalten.» Der Einwohnerrat stimmte dem Abänderungsantrag mit 27 Ja zu 17 Nein zu.

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