Am letzten August-Wochenende findet in Aarau das Festival «Musig i de Altstadt» statt. Zeitgleich rufen die jungen Anonymen von der «Kampagne für ein autonomes Zentrum» (KAZ) zu einem «dezentralen Aktionstag» auf – jene Gruppierung also, die sich aufgrund des Gebarens einiger Personen anlässlich der unbewilligten Tanzdemo Anfang Juni viele Sympathien verspielt hat (siehe Text rechts).

Nach dieser Ankündigung habe sie erst einmal leer geschluckt, sagt Rosi Luongo, Präsidentin des Organisationskomitees von «Musig i de Altstadt». Inzwischen blicke sie dem Aktionstag aber gelassener entgegen. «Im Grunde genommen ziehen wir alle am gleichen Strick», sagt sie. «Wir bringen mehr Kultur und mehr Musik in die Stadt; das ist ja genau das, was sich diese Leute wünschen.» Auch mit den Ideen und Plänen, die die Autonomen für den Aktionstag hegen – ein Fussballmatch zwischen dem Obertorturm und dem Rathaus, ein Breakdance-Battle im Citymärt, ein Guerilla-Konzert auf dem Schlossplatz, einen Kaffee- und Kuchenstand am Graben –, kann sich Luongo anfreunden.

Pfisterers Appell an Autonome

«Das tönt nach witzigen und innovativen Aktionen», sagt auch Lukas Pfisterer, FDP-Kandidat für das Stadtpräsidium. Aus seiner Sicht sei grundsätzlich nichts Verwerfliches daran, den öffentlichen Raum für sich zu beanspruchen – solange man sich an gewisse Regeln halte. Pfisterer appelliert daher an die Autonomen, sich an diese zu halten: «Die Aktionen dürfen nicht zulasten von ‹Musig i de Altstadt› gehen. Wenn es zu Konflikten mit den Veranstaltern kommen und der bewilligte Anlass beeinträchtigt würde, wäre das sehr schade.»

Jolanda Urech, Kandidatin der SP für das Aarauer Stadtpräsidium, begrüsst es grundsätzlich, «wenn sich junge Leute in die Gesellschaft einbringen und eigene Anliegen formulieren». Allerdings schätze sie es, wenn solche Ideen im direkten Kontakt diskutiert und gemeinsam Lösungen gesucht werden können. «Dass die beiden Veranstaltungen am selben Samstag stattfinden, muss nicht zu Problemen führen», sagt Urech. Zum jetzigen Zeitpunkt wisse man noch gar nicht, was am Aktionstag genau geplant ist. «Problematisch wird es erst, wenn die Aktionen andere Veranstaltungen beeinträchtigen und über den rechtlichen Rahmen hinaus gehen.»

An Konzept und Ablauf des Festivals «Musig i de Altstadt» werde nach Rücksprache mit der Stadtpolizei nichts geändert, sagt Rosi Luongo. «Wir hoffen, dass ein friedliches Nebeneinander entsteht und die Autonomen unseren Anlass nicht stören.» Bei allem Verständnis für das Bedürfnis nach Freiraum – verderben lassen will sich Luongo das Festival auf keinen Fall. «Sollten unsere Künstler bei ihren Auftritten gestört oder übertönt werden, würden wir uns das nicht gefallen lassen.»

Dass in Aarau zeitgleich zwei Grossanlässe stattfinden, fliesse in die Vorbereitungen der Kantonspolizei ein, sagt Mediensprecher Bernhard Graser. «Wir müssen uns überlegen, wo Probleme und Reibungspunkte sein könnten.» Zum Vorgehen und Aufgebot für den Aktionstag kann er zurzeit keine Angaben machen. Die Polizei gehe aber von einem ruhigen Anlass aus.

Die Frage nach der Bewilligung

Offen bleibt die Frage nach der Bewilligung: Ein Gesuch für die Veranstaltung haben die Initianten laut Toni von Däniken, Leiter Stabsdienst der Stadtpolizei Aarau, bis zum Dienstag nicht eingereicht – obwohl der Anlass bewilligungspflichtig wäre. Stadtrat Pfisterer betont: «Die Stadt ist nach wie vor zu Gesprächen mit den Initianten bereit.» Zum fehlenden Gesuch äussert sich auch der dritte Kandidat fürs Stadtpräsidium, der parteilose Martin Häfliger: «Sofern die Organisatoren bisher keine Bewilligung eingeholt haben, findet der Aktionstag eventuell auch gar nicht statt.»