Aarau

Musig i de Altstadt – geliebt und gelebt

Im Jojo heizt King Caruso im fetten Rock-’n’-Roll-Style ein.

Im Jojo heizt King Caruso im fetten Rock-’n’-Roll-Style ein.

Viel Volk schlendert trotz tropischen Regengüssen durch die Stadt und geniesst die Musik in den vielen Lokalen - eine Reportage mit persönlichen Eindrücken von «Musig i de Altstadt».

Aarau füllt sich mit Musik, eine Nacht, um sich die beste Freundin zu schnappen und mit ihr durch die Gassen zu ziehen. Eine friedliche Stimmung liegt am Freitagabend über den Gassen. Zum achten Mal findet «Musig i de Altstadt» statt und bleibt trotzdem für viele ein noch ein Geheimtipp.

Es findet sich zwar viel Publikum ein, welches aber in keinem Vergleich zu der schwitzenden Menschenmasse steht, die sich etwa am Beizlifest durch die Strassen zwängt. Mühelos lässt es sich von einem Ort zum nächsten schlendern. In zahlreichen Lokalen finden sich musikalische Perlen, und die hohe Qualität der Darbietungen ist ein Genuss. Deshalb nimmt man gerne musikalische Klänge auf, an denen man sonst vielleicht weniger interessiert ist.

Mitreissende Volksmusik

So mag es manche überraschen, wie wundervoll Volksmusik sein kann, wenn sie wie die «Roggehuse-Musig» vor dem Sevilla klingt. Jung und Alt klatscht und tanzt im Rhythmus der Schwyzerörgeli, wann immer der Regen etwas nachlässt.

Wer mag zieht über die vor Nässe schwarz glänzenden Pflastersteine ein Haus weiter, etwa, um sich im Liz & Chrege bei den Chansons der «Zéphir Combo» wie Gott in Frankreich zu fühlen. Der hatte höchstens etwas mehr Platz in seinem Palast: Das kleine Lokal platzt aus allen Nähten, aber für Fans findet sich dennoch immer ein Plätzchen. Feurig die Geige, getragen von Kontrabass und Percussion, dazu erzählt das Akkordeon schöne und auch traurige Geschichten. Verlässt man diese gemütliche Ecke, findet sich daneben schon der nächste Höhepunkt.

Guerilla-Troubadours heizen ein

In der Tuchlaube geben die drei Musiker von Tomazobi Vollgas. Die selbst ernannten Guerilla-Troubadouren sorgen für eine heiter-ausgelassene Stimmung. Viele Zuhörer stehen sogar hinter der Bühne auf der Strasse, um die witzigen Songs nicht zu verpassen. Die Band schwitzt, hampelt herum, singt aus voller Kehle von Bass bis Falsett und hat dabei einen Heidenspass. Nicht nur die Damenwelt ist hingerissen.

Doch sich losreissen kann belohnt werden: Wer auf Elvis-Posen, ordentlich öligen Rock’n’Roll und Caipirinha-Duft steht, schüttelt die Beine in der Jojo-Bar zu Füssen von King Caruso. Wer lieber sitzt, Galettes und frische Luft mag, der schwelgt in der Crêperie zur Bistromusik von Rappel.

So möchten viele Besucher immer weiter durch die Gassen streifen, doch kurz vor Mitternacht gehen alle Konzerte zu Ende. In einigen Wirtschaften werden noch Schlummertrünke ausgeschenkt.

Für Teenies mit dem Wunsch nach Partys ist das wohl definitiv keine Option. In kleinen Gruppen ziehen sie ein wenig verloren ihre Bahnen durch die Gassen, und am Schluss hilft ihnen nur noch ein iPod mit Lautsprechern, um die aufkommende Ruhe zu vertreiben. Der grösste Teil des Publikums begibt sich nach Hause, zufrieden nach einem Abend voll bester Musik.

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