Zuerst der Mann im Anzug und mit verschränkten Armen, dann die Frau mit Handtasche im Sommerkleid. Und jetzt schwebt die Mutter mit dem Kind im Tragtuch vor dem blauen Himmel hinüber zur Baustelle. So reiht sich momentan Mensch an Mensch auf der Fassade des neuen Annexbaus beim Schlössli.

Der St. Galler Künstler Josef Felix Müller hat die 134 Menschen von Zeitungsfotos abgeschaut und mit seiner Motorsäge in Holzplatten des gefällten Mammutbaumes vom Schlossplatz gefräst. Dann wurden die gesägten Skizzen mit Gummi ausgegossen und diese Gummimatten wiederum ergaben die Negative zum Giessen der Betonplatten.

Jede Ungenauigkeit fällt auf

So etwas hat die Firma Stüssi aus Dällikon noch nie gemacht. Zwar ist die Zürcher Firma spezialisiert auf vorfabrizierte Betonelemente, aber eine Menschengalerie war noch nie unter den Aufträgen. «Die Produktion und die Montage sind extrem aufwendig», sagt Alexander Stüssi, der Junior-Chef. «Die Fugen müssen perfekt sein, ein etwas grösserer oder kleinerer Abstand zwischen den Platten würde an der Fassade sofort auffallen.»

Bis jetzt sind keine Unregelmässigkeiten auszumachen. Die dicken Betonplatten sehen aus, als würden sie von Zauberhand gehalten die Fassade einkleiden. Die Montage dahinter ist der Aufhängung von normalen Bildern nicht unähnlich: An der Hinterseite der Platten befindet sich ein Anker, der mit einem zweiten Anker in der Betonwand hinter der Isolation am Schlössli verschraubt wird. Die Platten hängen also an der Wand.

Und dies in einer strengen Reihenfolge: Die Menschen sind nummeriert. Jener, der mit erhobener Hand protestiert, das Kind, das in den Armen seiner Mutter schläft und der Hund, der folgsam an der Leine geht, haben ihren Platz in der «Fassaden-Gesellschaft» nicht zufällig erhalten. Die Montage dauert noch rund zwei Wochen.