Die Medaille «Zofingia Studentenverbindung», geprägt 1907, kostet 85 Franken. Mitsamt Etui. Der Zweiräppler von 1925 ist hingegen für 5 Franken zu haben – fast schon ein Schnäppchen.

Wir sind beim «Münzen-Huber» an der Vorderen Vorstadt. Eine von nur etwa 30 Spezialhandlungen für Münzen in der ganzen Schweiz. Wer eintritt, weiss gar nicht, wohin der Blick gehen soll – so viele seltsame Geldstücke gibt es in den Vitrinen zu bewundern. Wer würde nicht gerne all den Geschichten lauschen, die sie zu erzählen hätten?

Genau 25 Jahre ist es her, seit sich Patrick Huber (heute 48) in Aarau als Münzhändler selbstständig machte. Blutjunge 22 Jahre alt. «Und ich bin immer noch hier», sagt er lachend. Dabei war Huber zuvor in der Unterhaltungselektronikbranche tätig. Und eine Ausbildung zum Münzenhändler – Numismatiker genannt – gibt es nicht. «Man kommt für gewöhnlich auf zwei Arten zu diesem Beruf», erklärt er. «Einige haben früher bei Banken als Münzenspezialisten gearbeitet. Andere haben, so wie ich, ihr Hobby zum Beruf gemacht.»

Ein Sammler war Patrick Huber schon immer. Erst Briefmarken. Dann, Huber war erst etwa zehn Jahre alt, kam das Schlüsselerlebnis: «Ich suchte im Wald Würmer fürs Fischen, als ich eine Münze fand. Einen Einräppler aus dem Jahr 1912. Ich war fasziniert.» Aus der Faszination wurde eine Leidenschaft – und eine Karriere.

Aarau war billiger als Luzern

Eigentlich in der Innerschweiz aufgewachsen, suchte Huber zu Beginn ein Ladenlokal in Luzern – und merkte schnell, dass das für ihn als Berufseinsteiger nicht bezahlbar war. An der Aarauer Rathausgasse fand er eins für einen Bruchteil dessen, was er in der Leuchtenstadt hätte zahlen müssen. Vor 15 Jahren zog «Münzen-Huber» an die Vordere Vorstadt um, hier läuft das Geschäft noch besser. Das hat auch damit zu tun, dass Banken heute kaum noch Münzenhandel tätigen, das Geschäft hat sich zu den kleinen Händlern verlagert. Und tatsächlich: An diesem ganz normalen Mittwochmorgen steht alle paar Minuten jemand neues im Laden und wird von Hubers Frau Sandra (46) bedient.

Auch «Münzen-Huber» spürt ein bisschen was vom Weihnachtsgeschäft. Das liege aber vor allem daran, dass die Leute ihren Dreizehnten oder Boni bekommen und sich etwas gönnen, sagt Patrick Huber. Münzen verschenken sei schwierig; man wisse ja nicht, was genau ein Sammler wolle. Die Ausnahme: das Goldvreneli oder der Münz-Jahrgangssatz, der zu Jubiläen oder Taufen immer noch gern verschenkt wird. «Als Wertanlage würde ich die Jahrgangssätze aber nicht sehen, eher als ideelles Geschenk.» Sowieso: «Wir sind keine Investmentberater. Wenn jemand einen Tipp will, wie er Geld machen kann, schicke ich ihn zur Bank.»

Hobby für Reiche?

Hubers Kunden lassen sich in zwei Kategorien aufteilen: Käufer und Verkäufer. Erstere sind meist Sammler, die bei ihm etwas Bestimmtes suchen. «Man muss nicht reich sein, um dieses Hobby ausüben zu können», beteuert Huber. «Römische Münzen in schöner Qualität gibt es zum Beispiel ab 30 Franken.» Das teuerste Stück in seinem Laden ist derzeit eine Münze aus der Merowinger-Zeit (um 630 n. Chr.), in Sitten geprägt. Rund 11 000 Franken kostet sie.

«Münzen-Huber» verkauft Geldstücke aus allen geografischen Gebieten und von der Antike bis zur Moderne – es existieren weltweit mehrere Millionen verschiedene Münzen. Patrick Hubers persönliches Steckenpferd sind keltische Münzen sowie diejenigen des Kantons Aargau. Denn dieser prägte von 1805 bis 1831 eigene «Batzen» und «Taler», wie jeder Kanton. Das ergab ein heilloses Durcheinander. «Gewicht- und Silbergehalt haben nicht übereingestimmt, die Leute mussten mit Waagen und Umrechnungstabellen herumlaufen. Einige Kantone begannen deshalb sich zu Münzkonkordaten zusammenzuschliessen.»

Die Verkäufer, die Hubers Laden aufsuchen, sind sehr oft Erben, welche beispielsweise die Münzsammlung des Grossvaters loswerden wollen. Oft mit einem Anflug schlechten Gewissens. «Ich sage dann immer: Man kann Ware vererben, aber eben nicht die Freude oder das Interesse daran», so Huber. Da sein Geschäft neben dem Münzen- und Notenhandel auch Edelmetall-Gegenstände ankauft, kommt es auch vor, dass jemand Schmuckstücke mitbringt, an denen viele Erinnerungen hängen. «Wenn ich merke, dass sich jemand nur schwer von einem Gegenstand trennen kann, schicke ich die Leute wieder nach Hause, damit sie noch einmal darüber schlafen.»

Bitcoins? «Ein Hype»

Als Huber 1992 sein Geschäft eröffnete, war «die verrückte Zeit schon vorbei», sagt er. «In den 60er- bis 80er-Jahren hat jede Familie etwas gesammelt, das hat sich gelegt.» Zwar sei das generelle Interesse an Münzen in den letzten Jahren weder gross gestiegen noch gesunken, aber es gibt Trends. «In den letzten fünf Jahren erlebten die asiatischen und russischen Münzen einen Aufschwung, ihr Wert hat sich teilweise vervielfacht.»

Und dann ist da der Bitcoin, dieses seltsame, digitale Geld, das plötzlich so viel Wert hat. «Geld ist, was gilt», sagt Huber dazu. Oder anders: Geld ist, was die Leute als solches akzeptieren. Die Menschheit habe schon Muscheln als Geld benutzt, und seit einigen Jahrzehnten sei es «ein Stück Papier oder Blech, von dem man glaubt, dass es einen bestimmten Wert hat». Von daher ist die Entwicklung hin zum Bitcoin für Huber zwar nicht überraschend, er hält es trotzdem für einen Hype, bei dem «die Fallhöhe entsprechend gross sein kann». Dann glaubt er eher an Gold: «Während 6000 Jahren hatte es noch nie einen Null-Wert, keinen Totalausfall. Und in den Köpfen der Asiaten ist noch heute Gold das eigentliche Geld.»