Jugendraum Wenk
Motorenlärm ist der Soundtrack zum Jugendtreff

Aarau Wenk ist der kaum beachtete Stiefbruder des Flösserplatzes – ein Ort für Subkultur-Musik mitten im Kreuzverkehr.

Sabine Kuster
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Es ist, als würde man nächstens von einem Auto überrollt. Es hupt und blinkt, nur stinken tuts nicht –zwischen uns und dem Feierabendverkehr auf dem Kreuzplatz in Aarau ist immerhin eine dünne Glaswand.

Aufs Sofa im Jugendraum Wenk haben sich gefläzt: Nicole Sommerhalder, 27, Jugendarbeiterin, Federic Salazar, 24, Elektroniker und Fachhochschulstudent, sowie Florian Wicki, 18, KV-Lehrling. Sie sollen erzählen, was hinter der Glaswand abgeht. Denn wer nicht um die 20 Jahre alt ist und Metal hört, weiss ziemlich sicher nicht, was das Wenk macht. Und dass der Flösserplatz nicht das einzige Jugendhaus der Stadt ist.

Musik für ein Nischenpublikum

«Bei uns läuft keine Mainstream-Musik», sagt Federic. «Alternative Musik halt», sagt Florian. «Für Subkulturen», sagt Nicole. Mit 150 Gästen ist das Haus voll. Wenk, das ist ein kleiner Saal mit Bühne und Bar plus ein Vorraum mit Sofas und Töggelikasten. Früher wurden hier Festartikel verkauft, das Blechschild der Wenk AG hing noch lange an der Hausmauer und so blieb der Name erhalten.

Die Stadt zahlt Miete, Infrastruktur und bei Konzerten einen Mann für die Sicherheit. Den Rest finanziert das Wenk selbst. Konzerttickets kosten maximal 15 Franken. «Die Bands kommen für ein Essen und 50 Franken Spesen hierher», sagt Nicole Sommerhalder. Sie spielen meist für ein Nischenpublikum, obwohl im Wenk heute auch anderes als Metal zu hören ist. «Mein Musikgeschmack wechselt schnell, heute habe ich eine Hip-Hop-Phase», sagt Florian. «Classic Rock und Heavy Metal», sagt Federic. «Stimmungsabhängig», sagt Nicole.

Es überrascht nicht: Drei Viertel der Gäste sind Männer. Das ist auch im «Aktivisten-Team» so: Von den 20 Jugendlichen, welche die Konzerte organisieren, sind 4 Frauen. Plus Nicole Sommerhalder.

Seit 2003 ein Provisorium

«Das Team hat viele Freiheiten», sagt sie, «sie entscheiden selbst, wer auftritt.» Zu den Freiheiten gehören auch die Pflichten: Putzen nach den Konzerten, Flyer verteilen. Daran muss Nicole Sommerhalder die Jugendlichen an der Teamsitzung jeden zweiten Montag jeweils erinnern. Oft, aber nicht immer, zeigen die Jugendlichen vollen Einsatz. Federic findet, ein Grund dafür sei,
dass das Wenk ein Provisorium ist: «Immer heisst es: ‹Noch ein Jahr, dann ist fertig, dann kommt das Torfeld Nord.› Es ist schwierig, Energie zu investieren, wenns immer auf der Kippe steht.» Auch die Jugendarbeiterin bekommt ihr 25-Prozent-Pensum jeweils nur für ein Jahr zugesichtert. Wann die Jugendlichen definitiv rausmüssen, kann die Stadt noch nicht sagen.

Honigwein für die Gothic-Szene

Im Wenk gibts an der Bar nichts Hochprozentiges, nur Bier, Wein und den Honigwein Met, ein Getränk aus der Gothic-Szene. Das Haus finden die drei okay, im Sommer nutzen sie die grosse Wiese hinter dem Haus zum Grillieren. «Der Saal könnte zwar grösser sein und eine bessere Akustik haben», sagt Federic, der für die Technik zuständig ist. Aber neues

Mobiliar liege sowieso nicht drin: «Wegen der Nieten und Stacheln an den Kleidern der Metal-Fans leiden die Polster und Türrahmen.» Aber selten gehe mutwillig etwas kaputt, beteuert Federic.

Warum sind Metal-Fans nett?

In der darauffolgenden Diskussion über Metal-Fans finden wir lange keine Erklärung, warum jene, welche die aggressivste Musik hören, selbst oft sehr brav sind. Schliesslich sagt Florian: «Metal-Fans haben einen Hang zum Düsteren, das heisst, sie denken auch mehr nach.» «Und sie lassen alles an den wilden Konzerten raus», sagt Federic. «Jugendgewalt ist bei uns tatsächlich kein Problem», sagt Nicole Sommerhalder, «Schlägereien gibt es nie.»

Der laute Verkehr draussen ist übrigens auch kein Problem. Nur Nicole Sommerhalder seufzt manchmal, wenn sie in ihrem Büro Papierkram erledigt. «Wenn draussen ein Lastwagen anfährt, habe ich das Gefühl, er stehe auf meinem Pult.» An Konzerten hingegen ist der Motoren-lärm das Intro für die Ankommenden und drinnen nicht mehr hörbar. «Obwohl», beeilen sich die drei zu sagen, «wir uns immer an die Schallschutzvorschriften halten.»

Nächstes Konzert: Am kommenden Samstag findet im Wenk die erste Drum-’n’-Bass-Party statt.