Obergericht
Mordfall Gränichen: 15 Jahre Haft für Zeljko J. – Wende bei Daniel G.

Das Aargauer Obergericht hat im Zeljko J. wegen Mordes zu 15 Jahren verurteilt. Es bestätigt damit das Urteil des Bezirksgerichts. Anders bei Daniel G.: Ihn spricht das Obergericht vom Mordvorwurf frei und verurteilt ihn einzig wegen Anstiftung zur Nötigung. Er erhält damit eine Geldstrafe statt 15 Jahre Gefängnis.

Fabian Hägler
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Mordfall Gränichen vor Obergericht
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Das Mordopfer David M. (†31): Er wird am 7. Oktober 2012 erschossen. Als die Polizei am Tatort eintrifft, liegt er schwer verletzt am Boden. Er verstirbt noch vor Ort.
Der Tatort: Eine Metallbearbeitungsfirma in Gränichen. David M. (†31) lebte zum Zeitpunkt seiner Ermordung seit einem Jahr getrennt von seiner Frau und den beiden Kindern.
Anwohner hören an jenem Sonntagabend Schüsse und alarmierten die Polizei.
Die Ermittler sind nach der Tat bis in die Nacht hinein an der Arbeit.
Ein Einschussloch am Tatort.
Ein Forensiker bei der Arbeit am Tag nach der Tat.
Ein Securitas-Mitarbeiter bewacht den Tatort am Tag danach.
Polizisten durchsuchen beim Tatort ein Auto.
Auch ein Spürhund kommt zum Einsatz.
Polizisten suchen auf einer Wiese nahe des Tatorts nach möglichen Spuren.
Der Mordprozess des Bezirksgerichts Aarau findet im Dezember 2014 in Schafisheim in den Räumen der Mobilen Einsatzpolizei statt.
Der mutmassliche Schütze Zeljko J. auf dem Weg zum Prozess.
Daniel G., einer der Angeklagten. Er soll gemäss Anklage der Auftraggeber des Mordes gewesen sein.
Hier wird Zeljko J., in die Räumlichkeiten des Bezirksgerichts Aarau geführt - gefilmt von zwei Medienschaffenden.
So sieht der az-Gerichtszeichner den Mordprozess von Gränichen (von rechts): Der Angeklagte Zeljko J., Gerichtsschreiberin Barbara Mathys, Gerichtspräsident Thomas Müller, der Angeklagte Daniel G. und dessen Anwalt.
Am 12. Dezember 2014 spricht das Bezirksgericht Aarau das Urteil – hier ist Daniel G. auf dem Weg ins Gericht.
Zeljko J. und Daniel G. werden beide wegen Mordes zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Weil sie das Urteil nicht akzeptieren, kommt es zum Prozess vor dem Aargauer Obergericht, der nächsthöheren Instanz.

Mordfall Gränichen vor Obergericht

Chris Iseli

«Ich werde seit vier Jahren wegen einer Tat beschuldigt, die ich nicht begangen habe, mir werden Dinge vorgeworfen und angedichtet. Es ist nicht einfach, damit zu leben», sagte Daniel G., bevor sich das Obergericht nach mehrstündiger Verhandlung zur Urteilsberatung zurückzog. Rückblende: Der heute 52-jährige Unternehmer soll im Oktober 2012 den Bosnier Zeljko J. damit beauftragt haben, David M. umzubringen, den damaligen Mann seiner Geliebten.

Dieser wurde in der Werkstatt von Daniel G. in Gränichen erschossen aufgefunden, bis heute fehlen allerdings ein Geständnis und die Tatwaffe. Dennoch sah das Bezirksgericht Aarau die Bluttat als erwiesen an und verurteilte Daniel G. und Zeljko J. wegen Mordes erstinstanzlich zu jeweils 15 Jahren Haft.

Geldstrafe statt Gefängnis

Das Obergericht kam am Donnerstagabend im Fall von Daniel G. zu einem massiv milderen Urteil. Zwar habe dieser Zeljko J. wirklich angestiftet – allerdings nicht zum Mord, sondern zur Nötigung. Der Bosnier hätte David M. klarmachen sollen, dass ihm Daniel G. kein Geld mehr gebe und sich nicht bedrohen lasse. Deshalb habe dieser Zeljko J. im Oktober 2012 den Auftrag gegeben, David M. eine Abreibung zu verpassen, sagte Gerichtspräsident Jann Six. Dies bedeute mehr als nur Worte und enthalte Gewalt, aber umfasse nicht automatisch eine Tötung.

Schütze sagt, er sei unschuldig

Zeljko J. bestritt indes sämtliche Vorwürfe gegen ihn. Wortreich erklärte er bei der Befragung, er habe mit der Tat nichts zu tun. Auf gar keinen Fall habe er selber geschossen, das Opfer sei schon tot gewesen, als er in die Werkstatt gekommen sei, und ein Wort wie «Siech» würde er nie benutzen. Derweil versuchte sein Anwalt das Gericht vergeblich zu überzeugen, nicht Zeljko J., sondern Daniel G. habe die tödlichen Schüsse abgefeuert.

Dieser schüttelte bei diesen Ausführungen den Kopf – ebenso, als die Staats-
anwältin von einer Liebesbeziehung zwischen ihm und Nadja M., der damaligen Frau des Mordopfers, sprach. Eine solche Beziehung habe es zur Tatzeit nicht gegeben, deshalb habe Daniel G. auch kein Motiv gehabt, David M. aus dem Weg zu räumen, um eine sorgenfreie Zukunft mit Nadja M. zu haben. Über die Frage, wie eng und intim ihr damaliges Verhältnis war – beide waren noch verheiratet, hatten aber auch andere Partner – gab es vor Gericht keine Einigkeit. Klar ist allerdings: Heute lebt Daniel G., der inzwischen von Gränichen weggezogen ist, mit Nadja M. und deren Kindern zusammen.
Zu seiner Familie durfte er nach der Verhandlung zurückkehren, während Zeljko J. wieder ins Gefängnis muss. Schon bei der Urteilsverkündung hatte der Bosnier leise vor sich hin gemurmelt, als er von zwei Polizisten aus dem Gerichtssaal geführt wurde, sagte er: «Es ist immer so, die Ausländer werden verurteilt. Aber ich bin unschuldig, ich habe nichts gemacht.» Angehörige von Zeljko J., welche den Prozess verfolgt hatten, kündigten an, das Mordurteil weiterzuziehen. Gut möglich, dass sich auch das Bundesgericht noch mit dem Fall Gränichen befassen muss.

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