«Ich werde seit vier Jahren wegen einer Tat beschuldigt, die ich nicht begangen habe, mir werden Dinge vorgeworfen und angedichtet. Es ist nicht einfach, damit zu leben», sagte Daniel G., bevor sich das Obergericht nach mehrstündiger Verhandlung zur Urteilsberatung zurückzog. Rückblende: Der heute 52-jährige Unternehmer soll im Oktober 2012 den Bosnier Zeljko J. damit beauftragt haben, David M. umzubringen, den damaligen Mann seiner Geliebten.

Dieser wurde in der Werkstatt von Daniel G. in Gränichen erschossen aufgefunden, bis heute fehlen allerdings ein Geständnis und die Tatwaffe. Dennoch sah das Bezirksgericht Aarau die Bluttat als erwiesen an und verurteilte Daniel G. und Zeljko J. wegen Mordes erstinstanzlich zu jeweils 15 Jahren Haft.

Geldstrafe statt Gefängnis

Das Obergericht kam am Donnerstagabend im Fall von Daniel G. zu einem massiv milderen Urteil. Zwar habe dieser Zeljko J. wirklich angestiftet – allerdings nicht zum Mord, sondern zur Nötigung. Der Bosnier hätte David M. klarmachen sollen, dass ihm Daniel G. kein Geld mehr gebe und sich nicht bedrohen lasse. Deshalb habe dieser Zeljko J. im Oktober 2012 den Auftrag gegeben, David M. eine Abreibung zu verpassen, sagte Gerichtspräsident Jann Six. Dies bedeute mehr als nur Worte und enthalte Gewalt, aber umfasse nicht automatisch eine Tötung.

15 Jahre für Mörder von Gränichen?

15 Jahre für Mörder von Gränichen?

«Tele M1»-Bericht vom Prozesstag. Das Urteil wurde bis Redaktionsschluss noch nicht gesprochen. (23.6.2016)



Daniel G. habe nach Ansicht des kantonalen Obergerichts nicht damit rechnen müssen, dass der Bosnier David M. gleich umbringen würde. Es sei indes bewiesen, dass Zeljko J. über den Auftrag hinausgegangen und das Ganze aus dem Ruder gelaufen sei, ohne dass Daniel G. dies gewollt oder auch nur in Kauf genommen hätte. Mord stehe unter diesen Umständen als Tatbestand nicht mehr zur Diskussion, sagte Oberrichter Six bei der Begründung des Urteils. Dieses lautet auf eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen – lässt sich Daniel G. künftig nichts zuschulden kommen, geht er praktisch straffrei aus.

Bestätigt hat das Obergericht hingegen das Mordurteil gegen Zeljko J. Obwohl der Tatablauf nicht in allen Details geklärt sei, stehe zweifellos fest, dass dieser David M. im Oktober 2012 in der Werkstatt in Gränichen erschossen habe. Die Tat sei eindeutig als Mord zu qualifizieren, das Leben von David M. sei besonders skrupellos ausgelöscht worden, befand das Gericht. Zeljko J. sei dem angeschossenen Opfer gefolgt und habe ihn mit einem zweiten Schuss regelrecht niedergestreckt. Dazu passt eine Aussage von Daniel G., der am Tatort auf Zeljko J. traf und diesen sagen hörte, «der Siech lebt ja noch». Zwar habe es auch der Auftraggeber bei den Befragungen mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen, aber eine derartige Aussage vergesse man nicht, deshalb sei G. in diesem Punkt glaubwürdig.

Schütze sagt, er sei unschuldig

Zeljko J. bestritt indes sämtliche Vorwürfe gegen ihn. Wortreich erklärte er bei der Befragung, er habe mit der Tat nichts zu tun. Auf gar keinen Fall habe er selber geschossen, das Opfer sei schon tot gewesen, als er in die Werkstatt gekommen sei, und ein Wort wie «Siech» würde er nie benutzen. Derweil versuchte sein Anwalt das Gericht vergeblich zu überzeugen, nicht Zeljko J., sondern Daniel G. habe die tödlichen Schüsse abgefeuert.

Dieser schüttelte bei diesen Ausführungen den Kopf – ebenso, als die Staats-
anwältin von einer Liebesbeziehung zwischen ihm und Nadja M., der damaligen Frau des Mordopfers, sprach. Eine solche Beziehung habe es zur Tatzeit nicht gegeben, deshalb habe Daniel G. auch kein Motiv gehabt, David M. aus dem Weg zu räumen, um eine sorgenfreie Zukunft mit Nadja M. zu haben. Über die Frage, wie eng und intim ihr damaliges Verhältnis war – beide waren noch verheiratet, hatten aber auch andere Partner – gab es vor Gericht keine Einigkeit. Klar ist allerdings: Heute lebt Daniel G., der inzwischen von Gränichen weggezogen ist, mit Nadja M. und deren Kindern zusammen.

Zu seiner Familie durfte er nach der Verhandlung zurückkehren, während Zeljko J. wieder ins Gefängnis muss. Schon bei der Urteilsverkündung hatte der Bosnier leise vor sich hin gemurmelt, als er von zwei Polizisten aus dem Gerichtssaal geführt wurde, sagte er: «Es ist immer so, die Ausländer werden verurteilt. Aber ich bin unschuldig, ich habe nichts gemacht.» Angehörige von Zeljko J., welche den Prozess verfolgt hatten, kündigten an, das Mordurteil weiterzuziehen. Gut möglich, dass sich auch das Bundesgericht noch mit dem Fall Gränichen befassen muss.

Mordfall Gränichen kommt vor Obergericht

Mordfall Gränichen kommt vor Obergericht (12. Mai 2016)

"Ich bin unschuldig", beteuert Zeljko J. nach wie vor.

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