Aarau
Möglich, dass der mutmassliche Mörder nicht ins Gefängnis müsste

Der mutmassliche Mörder der 81-Jährigen kommt für drei Monate in Untersuchungshaft. Nicht klar ist, ob der an Schizophrenie leidende Enkel überhaupt ins Gefängnis müsste. Andere Beispiele zeigen, dass Schizophrene für schuldunfähig erklärt wurden.

Fabian Muster und Janine Müller
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In diesem Haus wurde die 81-Jährige tot aufgefunden.

In diesem Haus wurde die 81-Jährige tot aufgefunden.

Peter Rippstein/Tele M1

Der 27-jährige Enkel, der seine Grossmutter in Aarau ermordet haben soll, ist seit Jahren schizophren. Weil er seine Grossmutter Ende November schon einmal attackiert hatte, kam er danach für zehn Tage in die Psychiatrische Klinik Köngisfelden in Windisch.

Sind nun die ein Prozent der Bevölkerung, die statistisch gesehen schizophren sind, eine Gefahr für die Gesellschaft? Nein, meint die renommierte Badener Psychiaterin Ursula Davatz. Es käme immer auch auf die sozialen Umstände an, sagt sie gegenüber «Radio Argovia».

Sie kritisiert dabei den zuständigen Arzt der Psychiatrischen Klinik Königsfelden, welcher die Warnungen der Mutter des mutmasslichen Täters in den Wind geschlagen hat: «Die Mutter hätte man ernst nehmen müssen.» Es sei falsch, einen Menschen, der an Schizophrenie leide, nur einzeln zu betrachten, ohne seine sozialen Umstände und seine Emotionen.

Über Entlassung entscheidet Institution

Ob es sich beim Aufenthalt des Enkels in der Psychiatrischen Klinik um eine fürsorgerische Unterbringung handelte, wollte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen. Fürsorgerisch untergebracht werden können Menschen, die «an psychischen Störungen, geistiger Behinderung oder starker Verwahrlosung leiden, sofern die nötige Behandlung oder Betreuung nicht anders möglich ist», sagt Nicole Payllier, Leiterin Kommunikation Gerichte Kanton Aargau. «Über die Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung entscheiden in der Praxis meistens die Amtsärzte, in dringenden Fällen auch andere Ärzte.» Ebenfalls möglich sei die Anordnung durch ein Familiengericht.

«Sowohl die Amtsärzte als auch andere Ärzte können die fürsorgerische Unterbringung nur für maximal sechs Wochen anordnen. In dieser Zeit entscheidet die Einrichtung, in der die Person untergebracht ist, über eine allfällige Entlassung», so Payllier. Für eine Verlängerung der fürsorgerischen Unterbringung sei das jeweilige Familiengericht zuständig. Die betroffene Person sowie ihr nahestehende Personen können jederzeit einen Antrag auf Entlassung stellen.

Schizophrene nicht schuldfähig?

Am 4. Dezember – nach zehn Tagen Aufenthalt – wurde der Enkel aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden wieder entlassen. Es gebe keine «akute Gefährdung», sagten die Ärzte. Auch eine kontrollierte Medikamentenabgabe wurde laut «Blick» nicht angeordnet. Dieser wirft denn auch die Frage auf, ob der Enkel womöglich während eines akuten Krankheitsschubs seine Grossmutter getötet hat.

Wie «Blick» berichtet, sind Täter von drei anderen Fällen wegen ihrer Krankheit als schuldunfähig erklärt worden. Sie mussten nicht ins Gefängnis, sondern wurden in der Psychiatrie behandelt. Davon sei auch die Mutter des 27-Jährigen Aarauers überzeugt. «Wenn er es tatsächlich getan hat, war es seine Krankheit», sagt sie gegenüber «Blick».

Die Psychiatrische Klinik Königsfelden will nach wie vor keine Stellungnahme zum Fall abgeben.

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