Aarau

Möbel zum Mitnehmen: «Unser Besitzer hat keine Lust, uns zu entsorgen»

Unter dem Haldentor in Aarau werden oft Gegenstände deponiert – vom alten Hausrat «zum Mitnehmen» bis hin zum Kehricht. Das freut nicht alle Anwohner.

Das Haldentor in Aarau gibt es im Kern schon seit Mitte des 14. Jahrhunderts; also seit die Halde ummauert wurde. Es dient heute als pittoresker Zugang zur Altstadt vom Schachen-Quartier her - und als Tauschbörse. Fast immer findet man dort, wettergeschüzt unter dem Torbogen, ein Sammelsurium an Gegenständen. Manchmal tragen sie einen "Zum Mitnehmen"-Vermerk: Gartenstühle und Laufgitter, Skateboard und Dekomaterial, die eine oder andere Kuriosität.

Es hat durchaus Brauchbares dabei, aber auch viel Schrott oder Kehricht. Die Anwohner haben deshalb offenbar nicht nur Freude am Gratis-Hausratsbuffet: Letzte Woche lupfte es einen Haldenbewohner den Hut. Auf eines der abgelegten Möbelstücke schrieb er mit fettem schwarzen Filzstift: "Unser Besitzer hat keine Lust, uns zu entsorgen. Für ihn sind wir hier unsichtbar und stören nur andere." Daneben hat der Schreiber hat eine blaue Sperrgutmarke auf das Möbelstück geklebt - mit dem ironischen Vermerk "Gesponsert, Halden 46".

Das wirft die Frage auf: Wie oft muss eigentlich der Werkhof Sperrgut vom Haldentor auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen? Seltener, als man meinen könnte. Leiterin Regina Wenk sagt auf Anfrage, bis zu zweimal im Monat müsse der Werkhof hier - vom Kehricht abgesehen -  Sperrgut ohne Marke abholen. Das klingt nicht nach viel. Aber das Haldentor sei aus Sicht des Werkhofs je nach Situation dennoch ein Problempunkt, sagt Wenk. Das gilt weniger, wenn nur einzelne kleine Gegenstände abgelegt werden und die Durchfahrt nicht behindert wird. Aber: "Negativ ist, dass Ablagerungen – auch wenn Sie eine Sperrgutmarke tragen – andere motivieren, selbst Sperrgut dort illegal abzulegen und so zu entsorgen." Der Werkhof lasse die Gegenstände in der Regel drei bis acht Tage liegen - ausser: " Werden sperrige Gegenstände dort abgelegt, dann müssen wir sie sofort entsorgen."

Das Haldentor ist übrigens nicht der einzige Ort, der oft genutzt wird, um alten Hausrat "Zum Mitnehmen" zu deponieren. Man beobachte das auch zwischen den Toren beim Kyburgerbrunnen, in der Pelzgasse oder aber in den Quartieren auf Privatareal, sagt Regina Wenk.

Die Grenze zwischen nachbarschaftlichem Verschenken und illegaler Entsorgung ist nicht immer so klar. Tatsache ist: Illegales Entsorgen kostet bis zu 500 Franken Busse. Etwa ein Dutzend Personen meldet der Werkhof jedes Jahr der Stadtpolizei. Es sei oft schwierig, die Verursacher zu ermitteln, sagte Regina Wenk schon Anfang 2019 gegenüber der AZ.

In Aarau gäbe es mehrere Brockenhäuser, die noch brauchbaren Hausrat annehmen; etwa am Ziegelrain ganz in der Nähe des Haldentors, in der Telli, an der Küttigerstrasse oder in Rohr. (nro/ksc)

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