Auf der Nordseite des 200 Meter langen Zentrallagers der Möbel Pfister AG in Suhr sind Mitte Februar die ersten Bagger aufgefahren. Für einen zweistelligen Millionenbetrag wird hier ein automatisches Kleinteillager mit über 75 000 Stellplätzen gebaut. «Ein Quantensprung» sei dies für das Unternehmen, sagt Logistikchef Thomas Zeder.

Quantensprünge dieser Art hat es in Suhr nicht viele gegeben, seit das aktuelle Möbellager 1974 in Betrieb genommen wurde. Hinsichtlich Automatisierung hat Möbel Pfister gar bewusst einen Schritt zurückgemacht.

Während anfangs noch fahrerlose Transportfahrzeuge durch die Lagerhallen gekurvt sind, wird die Szenerie heute wieder von Mitarbeitenden aus Fleisch und Blut auf Gabelstaplern beherrscht.

Der Grund: Die Möbel-Bausätze sind für eine automatisierte Lagerung schlecht geeignet, da zu uneinheitlich in Grösse und Form. «Für gewisse Warengruppen wäre eine Teilautomatisierung zwar möglich», sagt Zeder. «Wirtschaftlich würde es sich aber wohl nicht rechnen.»

Mit dem Erweiterungsbau kommen die Roboter nun trotzdem zurück, aber eben nur für die Ein- und Auslagerung des Boutique-Sortiments. Logistikchef Zeder verspricht sich davon eine effizientere Filialenbelieferung.

Heute, erklärt er, könne die Logistik auf die Eigenheiten der 20 Filialen keine Rücksicht nehmen. Das heisst: Die mit den Boutique-Artikeln gefüllten Gitterwagen werden überall in der gleichen Reihenfolge mehrheitlich unsortiert angeliefert, was beim Einräumen in die Regale Mehrarbeit verursacht.

Für die Roboter dagegen wird es ein Leichtes sein, den Warenturm «regalkonform» auf die jeweilige Filiale abgestimmt bereitzustellen.

30 Prozent mehr Online-Umsatz

Das automatisierte Kleinteillager ist aber auch Teil der Online-Strategie des Aargauer Möbelhändlers, der für sich in Anspruch nimmt, mit über 14 000 Produkten der grösste Online-Anbieter im Einrichtungsbereich in der Schweiz zu sein. Zwar liegt der Online-Anteil am Gesamtumsatz noch im einstelligen Prozentbereich, aber das könnte sich bald ändern.

Letztes Jahr habe man den Umsatz im Internet um 30 Prozent gesteigert, teilte das Unternehmen kürzlich mit. Für die Logistik in Suhr bedeutet dies eine Mehrbelastung, da die Lieferung an Einzelkunden aufwendiger ist als die Lieferung an die Filialen. Auch der Faktor Geschwindigkeit gewinne mit dem Onlinehandel an Bedeutung, so Zeder.

Über Schiene und Strasse

Im Frühjahr 2016 will Möbel Pfister das neue Kleinteillager in Betrieb nehmen. Der grösste Vorteil der Suhrer gegenüber vielen Konkurrenten wird wohl aber auch dannzumal das Know-how bei der Auslieferung von Grossmöbeln bleiben.

«Unternehmen, die ihre Produkte bisher ausschliesslich in den Filialen verkauft haben, brauchen für den Onlinehandel jetzt auch eine Endkundenlogistik», so Zeder. Eine solche aufzubauen, sei «sicher anspruchsvoll».

Möbel Pfister beschäftigt in der Logistik insgesamt 325 Mitarbeitende, 200 davon im Transportbereich. Ein Teil der Möbel wird von Suhr aus direkt über die Strasse geliefert. Zudem betreibt das Unternehmen in der Ost-, West- und Südschweiz drei Umschlags-Plattformen. Der Transport dorthin erfolgt per Bahn, der Weitertransport an die Endkunden dann wieder mit eigener Fahrzeugflotte und eigenem Liefer- und Montagepersonal.

Natürlich lässt sich die Logistik auch auslagern. Diese Strategie wählte zum Beispiel der 2009 gegründete Innerschweizer Online-Möbelhändler Beliani. Möbel Pfister werde aber sicher an der eigenen Logistik festhalten, sagt Zeder.

Denn die Qualität des Lieferservices sei im Möbelhandel sehr viel wichtiger als in anderen Bereichen: «Schliesslich laden unsere Mitarbeitenden nicht einfach ein Paket an der Haustüre ab. Sie gehen in die Häuser rein und machen dort auch die Endmontage.»

Lieferung mit Pistenfahrzeug

Es ist denn auch dieser Aspekt, der Zeder an seiner jetzigen Aufgabe besonders reizt. Bevor er vor fünf Jahren bei Möbel Pfister einstieg, organisierte er die Logistik für den Aargauer Papiergrosshändler Antalis mit einer überschaubaren Zahl an Businesskunden. «Jetzt ist jeder Haushalt in der Schweiz ein potenzieller Kunde», so Zeder.

Im Idealfall werde ein Sofa über den Sitzplatz ins Parterre gebracht. Komplizierter wirds, wenn die Wohnung in der Altstadt liegt. Und wirklich schwierig, wenn zur Lieferadresse keine Strasse führt — so zum Beispiel auf der Bettmeralp. «Wir haben das Möbel dann mit einem Pistenfahrzeug transportiert», erinnert sich Zeder. Menschlicher Einfallsreichtum ist also nach wie vor gefragt, auch wenn in Suhr bald Roboter einen kleinen Teil der Logistikarbeit übernehmen.