Kunstwerk

Mit «Stand!» hat Aarau seinen eigenen Hafenkran erhalten

Das Kunstwerk «Stand!» regt zu Diskussionen über Ästhetik und Kosten an.

Das Kunstwerk «Stand!» regt zu Diskussionen über Ästhetik und Kosten an.

Was für die Zürcher der Hafenkran war, ist für die Aarauer der „Stand!“: Die Holzsäule im Innenhof der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV). Kaum eine Woche steht das Kunstwerk – schon löst es rege Diskussionen aus.

Die Online-Kommentare zum Kunstwerk reichen von begeisternden Stimmen wie «passt super», «treffend und überzeugend» bis hin zu «so etwas ist eine absolute Frechheit» und «wenn diese Säule Kunst ist, dann ist mein Name Lieschen Meier, bin neun Jahre alt, habe blonde Zöpfe und ein rosa Kleid.»

Startschuss zur Debatte gaben SVP-Parteisekretär Pascal Furer und Hansjörg Knecht, SVP-Nationalrat und Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) Aargau, in einem TeleM1-Beitrag. Furer und Knecht sind unter anderem die Kosten von 160'000 Franken für das Kunstwerk ein Dorn im Auge.

Kritik an AGV Kunstwerk

«Das finde ich daneben»: Hansjörg Knecht, SVP-Nationalrat und Präsident des Hauseigentümerverbandes Aargau, hat kein Verständnis für das teure AGV-Kunstwerk.

«Der Grosse Rat hat mit dem Kulturgesetz den politischen Willen dargelegt, in die Kulturförderung zu investieren», entgegnet Christina Troglia, Generalsekretärin der AGV. Zudem habe das Kunstwerk der Aargauer Wirtschaft zu Aufträgen verholfen und sei eine Aufwertung von Aarau als Kunst- und Kulturstandort sowie Trägerin des Wakkerpreises 2014. Zum Vorwurf, dass Prämiengelder verschwendet wurden, sagt sie: «Die AGV hat ihren Versicherten für die Jahresprämie 2015 eine Überschussbeteiligung von 20 Prozent ausgerichtet, was einem Betrag von 20 Millionen Franken entspricht.»

Und was sagt der Künstler?

«Ich stehe hinter meinem Kunstwerk», betont Künstler Kilian Rüthemann. Es sei immer so, sagt der Ostschweizer, dass die SVP bei zeitgenössischer Kunst meine, es sei herausgeworfenes Geld. Mit der Realisierung von «Stand!» habe er das Maximum aus dem Budget herausgeholt und zudem auch die lokale Holzindustrie gefördert. Auf kritische Online-Kommentare lässt sich der Künstler nicht ein: «Darin sind selten produktive Argumente.»

Auch Max Matter, Künstler und Jury-Mitglied, will die Diskussion rund um «Stand!» nicht überbewerten. «Es ist nun mal die übliche Kritik, die ein Kunstwerk auslöst», sagt er. Es sei typisch, so Matter, dass bei Kunstobjekten für Einige das Geld im Fokus stehe und nicht die Inhalte. Im Übrigen gehe in diesem Fall der weitaus grösste Teil des Geldes in die aargauische Firma, welche die technische Umsetzung geleistet hat. «Damit wurden einheimische Arbeitsplätze unterstützt.»

Käfer richtete Schaden an

Doch was genau steckt hinter dem Kunstwerk? Am Anfang stand ein gefrässiger Käfer, welcher der AGV im Sommer 2010 Sorgen bereitete. Denn: Der Schädling hatte fast den gesamten Baumbestand im AGV-Innenhof befallen – irreversibel. Infolge mussten die Bäume gefällt werden. Da bei der Neugestaltung nicht mehr die gleiche Dichte an Bepflanzung möglich war, sollte der Innenhof mit einer Kunstinstallation zum Thema «Feuer und Wasser», was die Aufgaben der AGV sinnbildlich wiedergibt, aufgewertet werden. Für die Neugestaltung budgetierte die AGV insgesamt 400‘000 Franken.

18 Meter hoch und 13 Tonnen schwer: So fliegt «Stand!» an seinen Standplatz im Innenhof der Aargauischen Gebäudeversicherung.

18 Meter hoch und 13 Tonnen schwer: So fliegt «Stand!» an seinen Standplatz im Innenhof der Aargauischen Gebäudeversicherung.

Im Rahmen eines Wettbewerbs, der nach den Standards für Kunst am Bau im öffentlichen Raum durchgeführt wurde, hatte eine sieben köpfige Jury schlussendlich das Objekt «Stand!» als Sieger erkoren. Für Kilian Rüthemann’s Holzsäule wurden viele kurze Holzlamellen in einem Prozess der Holzverleimung verarbeitet, angefertigt von der Hüsser Holzleimbau AG in Bremgarten. 21 Kubikmeter einheimisches Fichtenholz wurden verwendet, vergangenen Donnerstag wurde das Kunstwerk mit einem Kran in den Innenhof der AGV gehievt. Nun ruht «Stand!», auf einer Metallkonstruktion fixiert, auf einem im Boden versenkten Betonfundament im Innenhof.

Werk widerspiegelt sinnbildlich die Aufgaben der AGV

Für die Aargauische Gebäudeversicherung ist das Objekt nicht nur - wie in Online-Kommentaren geschrieben - eine «Säule aus Holz und Punkt.» Holz sei ein Element, das Feuer und Wärme spenden kann, gleichzeitig sei es auch ein Wasserspeicher, sagt AGV-Generalsekretärin Christina Troglia. «‹Stand!› widerspiegelt sinnbildlich die Aufgaben und den Daseinszweck der AGV.»

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