Schon früh am Samstagmorgen herrschte auf der Aare bei der Kettenbrücke Hochbetrieb. «Zieh, zieh!» und «inehaa!» ertönte es vom Ufer aus und auf dem Wasser manövrierten Pontoniere ihre Boote um Brückenpfeiler herum oder zwischen zwei Stangen hindurch. Jogger mussten sich auf dem Uferweg ihren Weg durch eine Zuschauermenge bahnen und auf der Brücke hielten Fussgänger auf ihrem Weg in die Stadt an, um das Treiben auf dem Fluss zu beobachten.

360 Teams kämpften mit

Im Wechsel mit den Sektionen aus Bremgarten und Dietikon veranstaltet der Pontonier-Fahrverein Aarau ein jährlich stattfindendes Wettfahren. In Aarau heisst der Wettkampf Adlercup und fand am Samstag zum vierten Mal statt, 360 Zweierteams aus der ganzen Schweiz nahmen teil.

Gestartet wurde in drei Juniorenkategorien, in welchen Mädchen und Buben ab 14 Jahren teilnehmen durften. Erwachsene ab 20 Jahren starteten getrennt in Frauen- und Männerkategorien. Je zwei Pontoniere lenkten ein Boot, die Jugendlichen einen wendigen Weidling, Erwachsene das schwerere Übersetzboot. Das Wettfahren stellte verschiedene Anforderungen: Möglichst nahe an ein am Ufer gelegenes Podest heranfahren, zwischen zwei Stangen hindurch manövrieren, ohne diese zu berühren, ganz knapp um einen Brückenpfeiler herumkurven und zielgenau anhalten. Dies alles wechselnd mit Paddel und Stachel.

Auch Frauen üben den Pontoniersport aus, zum Beispiel Eliane Herrmann und Nadine Bussinger vom Pontonier-Fahrverein Wallbach. Nach dem Wettfahren waren sie ziemlich ausser Puste: «Es war sehr anstrengend, wir absolvieren ja den gleichen Parcours wie die Männer und man unterschätzt, wie schnell das Wasser hier fliesst.»

Jung-Pontoniere mit Ambitionen

Für den Pontonier-Fahrverein Aarau nahmen unter anderem Reto Bitterli aus Niedergösgen und Yannick Zürcher, Unterentfelden, teil, und zwar als Titelverteidiger. Vor drei Jahren, damals noch in der Kategorie I startend, hatten die unterdessen 16-Jährigen den Adlercup gewonnen und traten mit viel Ehrgeiz, nun in der Kategorie II, wieder an. Dabei konnten die beiden auf einen Heimvorteil hoffen, weil sie die Aare bei der Kettenbrücke sehr gut kennen.

«Am Rand ist das Wasser recht ruhig», erklärte Reto Bitterli. «Aber in der Mitte, wo man zwischen den Stangen hindurchfahren muss, zieht die Aare stark Richtung Ufer.» Deshalb dürfe man nicht direkt den Durchgang mit dem Schweizer Kreuz, wo es die Höchstpunktzahl gibt, anpeilen, sondern müsse sich links davon halten, um das richtige Tor zu erwischen.

Reto Bitterli und Yannick Zürcher sind seit sieben Jahren bei den Pontonieren und trainieren zwei- bis dreimal pro Woche. «Der Sport selbst gefällt uns gut, aber auch das Draussensein und die Kameradschaft untereinander», meinten die beiden. Zwar ist das Pontonier-Wettfahren für beide ein Hobby, doch ehrgeizig sind sie trotzdem.

So waren sie nach der Fahrt mit ihrer Leistung nicht ganz zufrieden und zogen ein kritisches Fazit. «Bei der Landung waren wir einen Punkt zu weit aussen», bemängelten sie und fügten hinzu: «Es folgen noch starke Konkurrenten.» Schliesslich reichte es den beiden Jung-Pontonieren aber doch zur Silbermedaille.