Wintersport in der Region
Mit nostalgischen Bügeln und einem Schubs den Hang hinauf

Die Skilifte in der Region sind eröffnet. Es herrscht reger Ansturm auf die Pisten vor unserer Haustüre. Sie sind die günstigsten – kein Wunder, wenn der Bügelmann gratis arbeitet.

Lee Ann Müller und Barbara Vogt
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In Asp/Densbüren kurven die Skifahrer den Hang hinunter.
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Skiliftwart René Arnet gibt den Skifahrern einen Schubs.
Peter Fricker leistet Nachhilfe.
Manchmal braucht es beim Skifahren ein kleine Stütze - zwei Mädchen am Skilift Bottenwil.
In Bottenwil stehen die Skifahrer vor dem Bügellift Schlange.
Im Stemmbogen und ohne Stöcke.
Die Skipisten in der Region Aarau
Ein Snowboarder fräst den Hügel in Bottenwil hinunter.
Die Gebrüder Ruedi (links) und Hans Deubelbeiss helfen freiwillig mit.
Daniela Gross übt mit ihrer Tochter Anna für die grossen Skiferien.
Beim Skilift Engi herrscht Betrieb.
Auf dem Bob gehts rasant den Hügel hinunter.
Auch die ganz Kleinen sind beim Skilift Bottenwil anzustreffen.
Um beim Bügellift in Bottenwil nicht rauszufallen, muss man sich tapfer festhalten.

In Asp/Densbüren kurven die Skifahrer den Hang hinunter.

Lee Ann Müller

«Pulverschnee, Piste gut.» Mit diesen Worten läutete am Dienstag der Skiclub Bottenwil auf seiner Internetseite die Skiliftsaison im neuen Jahr ein. Es ist nicht der einzige Bügellift in der Region, wo man an kleinen Hügeln für ein paar Franken hinuntersausen oder im Stemmbogen die ersten Versuche auf zwei Brettern machen kann. Auch in Asp und Holderbank gibt es sogenannte «Händschefrässer».

Vor dem Skilift in Bottenwil stehen die Skifahrer am Dienstagnachmittag Schlange. Nicht nur der angekündigte Pulverschnee lockt sie her, sondern auch die Preise. Für eine Kinder-Skikarte bezahlt man fünf Franken, ein Glas Rivella kriegt man im kleinen Haus hinter dem Skilift für gerade einmal einen Franken.

Doch noch praktischer als den Fünfliber pro Tageskarte finden die Eltern die Nähe zum Skilift. Eine Besucherin aus Uerkheim sagt: «Die Fahrt dauert fünf Minuten und man kann bei diesen Bedingungen die Skiferien gleich vor der Haustüre verlängern.»

Asp: Tiefschneefahren angesagt

In Asp ist der Skilift bereits seit Montagnachmittag wieder geöffnet. Hüttenwirtin Tanja Blattner kämpft sich als Erste mit grossem Rucksack auf den Schultern am Bügel des Skilifts durch den neu gefallenen Schnee, um oben in der kleinen Beiz Leckereien für die hungrigen Skifahrer bereit zu machen. Skiliftwart René Arnet poliert währenddessen unten am Skilift seine Fischer-Skis.

Nach wenigen Minuten tauchen bereits die ersten Skifahrer auf. Daniela Gross will mit Tochter Anna vor den grossen Skiferien am Hang üben – mit frisch gewachsten Brettern. «Leider konnten wir noch nicht richtig pisten», entschuldigt sich Skiliftbetreiber René Arnet. Gestern Abend hätten sie zwar eine Spur gezogen, diese sei aber von der Neuschneedecke der letzten Nacht bereits verdeckt. «Kein Problem», sagt Daniela Gross, «dann fahren wir eben Tiefschnee.»

Sie entfernt die «Stoggeln» von den Bindungen ihrer Tochter und dann geht es mit der Hilfe von René Arnet und dessen Zuruf «immer schön die Ski zusammen» zu zweit auf den Skilift. Von unten beobachtet Arnet die beiden. «Man muss immer aufpassen», sagt er. Kaum erreichen die zwei Skifahrerinnen oben die Anhöhe, stellt er den Lift ab.

Skiliftwart ist hier ein Hobby

Gemeinsam mit Kollege Hans Schneider betreibt er den Skilift in Asp. Seit 20 Jahren arbeitet er hier – in seiner Freizeit, normalerweise ist er auf dem Bau tätig. «Diese Woche habe ich Ferien», sagt er, «wenn der Schnee hält, nehme ich nächste Woche halt den Nachmittag frei.»

Der Himmel hinter den Bäumen hat sich verdunkelt, unzählige Flocken tanzen im diffusen Licht. Familie Häuptli aus Küttigen wagt sich trotzdem auf die Piste: Sie war letzte Woche bereits in den Skiferien in Tirol, doch die Buben bekämen nicht genug vom Skifahren, sagt die Mutter.

René Arnet verteilt unten am Skilift die Tageskarten und gibt noch etwas Rabatt, «da die Piste ja nicht im optimalen Zustand ist». Die beiden Jungs haben den Bügellift ohne Probleme unter Kontrolle – die kleine Anna will es nun auch alleine probieren. Skiliftwart René Arnet klemmt ihr den Bügel unter die Schulterblätter und sie fährt etwas verkrampft, aber tapfer, ohne den Bügel zu verlieren, den Hügel hinauf.

Mittlerweile sind weitere Familien mit ihren Kindern beim Skilift am Strihen angekommen. «Jetzt läuft etwas», sagt Arnet und blickt zufrieden in die Sonne, die langsam durch die Tannenbäume schimmert.

Holderbank: seit 1970 in Betrieb

Eine schöne Winterstimmung herrscht auch beim Skilift Engi Holderbank, oberhalb des Effingerhorts. Hin und wieder drückt die Sonne durch und taucht die Landschaft in ein blasses Blau. Weil jetzt Skiferien sind, ist der Skilift Engi nicht nur am Mittwoch und am Wochenende, sondern jeden Tag zwischen 13.30 und 16.30 Uhr (samstags und sonntags ab 10 Uhr) in Betrieb.

Peter Fricker steht am Skilift und hilft Kindern und Erwachsenen auf den Lift. Manchen führt er die kleinen Bügel ans Gesäss, andere schiebt er bloss leicht an, damit sie loskommen. Dann gibt es noch die Mutigen und Starken, die den Bügel in die Hand nehmen und sich so die 220 Meter lange Piste hochziehen lassen.

Die meisten gelangen problemlos an ihr Ziel, nur die junge Frau mit ihrem Kind im Bob scheitert: Mitten auf der Strecke lässt sie den Bügel los und kippt aus der Skiliftspur. Mit ihrem Arm mochte sie ihn nicht mehr halten. «Dieser wäre bis abends doppelt so lang gewesen», sagt sie lachend und fräst stiebend den Hügel hinunter.

Peter Fricker gehört zur unermüdlichen Skilift-Truppe. Eine Gruppe Männer, vorwiegend Senioren, baut den Skilift Jahr für Jahr auf und ab. Obs schneit oder nicht. Jedes letzte Wochenende im November und jeden März. Als Belohnung gibts einen Sack «Schoggichogele», erzählt Ruedi Deubelbeiss. An diesem Montagnachmittag ist er Küchen- und Heizungschef. Und Verkäufer von Skiliftkarten. Sein Reich ist eine Hütte neben dem Skilift. Drinnen ist es warm und gemütlich, Deubelbeiss heizt tüchtig in den Holzofen, in einem hohen Topf hält er Wienerli warm.

Einnahmen für Occasionsfahrzeug

Heisser Tee in Pappbechern und Brot mit Schoggi sind gefragt. Alkohol gibts keinen, sagt er. Schon wegen des Effingerhorts, einem Rehahaus für alkohol- und medikamentenabhängige Menschen. Dann kommt der Bruder von Ruedi Deubelbeiss, Hans, dick verpackt zur Tür herein. Der eben erstandene Pistentöff läuft wieder, schmunzelnd sagt er: «Dafür braucht es halt Benzin.» Die Einnahmen aus den schneereichen Weihnachtstagen hätten gerade gereicht, um sich das Occasionsgefährt zu leisten.

Seit Jahrzehnten helfen Ruedi und Hans Deubelbeiss beim Skilift Engi als Freiwillige mit. Als Knirpse fuhren sie bereits in den Hügeln Holderbanks Ski, doch damals gings nicht bequem mit dem Skilift hoch, sondern sie brettelten mühsam den Hügel hinauf.

Silvester 1970 bleibt den beiden in besonderer Erinnerung. Damals sei der Skilift in Betrieb genommen worden. In den ersten Jahren seien Skifahrer teilweise noch Schlange gestanden. Drei Männer aus dem Dorf kauften den Lift für 12 000 Franken, die Gemeinde schoss ihnen das Geld vor. Seither läuft er unermüdlich.

«Nostalgisch ist der Skilift schon», meint Peter Fricker, der immer noch in der Kälte steht und den Skifahrern unermüdlich einen Bügel nach dem anderen reicht. Doch Hauptsache, er läuft und das Geld reicht, um ihn zu unterhalten. Denn die Verantwortlichen wollen kein Geld mit dem Lift machen. Hauptsache, die Skifahrer haben ihren Spass.

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