Suhr
Mit Karacho kurven die Kutschen um die Töggel

Gemächliche Country-Musik und galoppierende Pferde: Am Fahrturnier auf dem Hof der Familie Schmid in Suhr gab es beides. 80 Kutschfahrer haben am Wochenende ihr Können bewiesen.

Isabelle Schwab
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So schnell wie möglich um die Kurve - sonst bringen auch die farblich auf die Kutsche abgestimmten Hufe nichts mehr
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Fahrturnier in Suhr
Die Pferde am Fahrturnier waren ausnahmslos chic herausgeputz - hier eine besonders edle Version
Den Wind in der Mähne und den Zucker in greifbarer Nähe hatten die Pferde sicherlich auch ihren Spass
Jedem seine Belohnung - Bier für die Fahrer Zucker für die Pferde
Auf keinen Fall durfte man die gelben Bälle von den Hindernissen stossen das gäbe nämlich drei Strafpunkte
Am wichtigsten bei einem Fahrturnier ist nicht die Kraft des Tiers sondern die Dressurkunst des Besitzers

So schnell wie möglich um die Kurve - sonst bringen auch die farblich auf die Kutsche abgestimmten Hufe nichts mehr

Isabelle Schwab

Gelber Hufschutz, gelbe Räder, geflochtene Mähne und das schöne Geschirr: Am Fahrturnier muss von oben bis unten und hinten bis vorne alles stimmen. Natürlich nicht nur optisch: Gewinnen kann nur, wer möglichst schnell und fehlerlos den Parkour absolviert. Und wenn es auch nicht viel zu holen gab: Gewinnen wollte man trotzdem.

So auch Benjamin Erni. Der Bursche ist 13 Jahre alt und liegt damit etwa im Durchschnittsalter – der am Fahrturnier teilnehmenden Pferde. Als jüngster Fahrer bekommt er vom Publikum speziell viel Aufmerksamkeit. Das scheint ihn nicht zu beirren.

Kutschfahren fürs Gehirn

Das Startsignal erklingt. Benjamin fährt mit vor Konzentration geblähten Backen durch die Lichtschranke am Start. Stute Lava holt weit aus, biegt mit Schwung in die erste Kurve. Der Boden ist nach den vielen Regentagen weich, fast matschig. «Nicht ideal, doch man rutscht nicht», versichert Daniel Schmid. Der OK-Präsident des Fahrvereins an der Aare ist froh über die guten Bedingungen. «Perfekt ist es nie.»

Aus über das Gelände verteilten Lautsprechern dringen Gitarrenmusik und Countrygesang. Die kleinen Hunde am Feldrand spitzen ihre Ohren, ihre Herrchen schauen gespannt aufs Feld. Schwatzen tut kaum einer. Hier steuert Benjamin seinen Einspänner problemlos zuerst durch das erste, dann das zweite, dritte, vierte Hindernis. Dann kommt Nummer fünf. Ein Marathonhindernis. Knapp eine Stunde lang hatten die Fahrer Zeit, es auswendig zu lernen. Es besteht aus sechs sternförmig verteilten Buchstaben, die man in der richtigen Reihenfolge abfahren muss.

Pony disqualifiziert – zu klein

Das Hindernis hat es in sich: Zwischen den eng angeordneten Pfosten ist es schwierig, das Pferd richtig zu lotsen und keine Abschrankung zu berühren. Nils Holgerson etwa hatte so seine Mühe. Wie die Figur im Kinderfilm hat auch das Pferd seinen eigenen Kopf. Es wollte nicht, wie seine Fahrerin und erschrak, als es plötzlich vor einer Abschrankung stand. Andere schafften es gar nicht erst bis zum Hindernis. Ein Pony und seine Fahrerin wurden sogar disqualifiziert: Das Pony war nur gerade halb so gross wie der Einspänner – zu klein, entschied die Jury, um Gewicht von Kutsche, Fahrerin und Beifahrerin zu ziehen.

Benjamin Erni hingegen schafft das Marathonhindernis fehlerlos – doch es hakt an einem anderen. Das gibt Strafsekunden. Jubeln darf der junge Kutscher aber trotzdem: Mutter Conny Erni kurvt innerhalb von weniger als drei Minuten durch den Parkour. Das ist Rekord. Zu klassischer Musik darf Benjamin nach der Preisverleihung eine Ehrenrunde fahren, gemeinsam mit Mami Conny. Diesmal mit vor Stolz geblähten Backen.