Aarau

Mit ihr kommt das Verbrechen: Autorin Ina Haller hat ihren siebten Regional-Krimi veröffentlicht

Am 15. 2. um 19.30 Uhr liest Ina Haller im Café littéraire in Aarau.

Am 15. 2. um 19.30 Uhr liest Ina Haller im Café littéraire in Aarau.

Die erfolgreiche Autorin Ina Haller hat ihren siebten Regional-Krimi herausgegeben. Im Interview mit der «Aargauer Zeitung» spricht sie darüber, wie sie nach Aarau gekommen ist, woher sie die Ideen für die Morde in ihren Büchern hat und wer ihr strengster Kritiker ist.

In der Fernsehserie «Der Bestatter» ermittelte Luc Conrad in Aarau. Ihre Krimiserie um die Hauptfigur Andrina Kaufmann spielt auch hier. Ist Aarau ein guter Ort für eine Krimigeschichte?

Ina Haller: Ja, ich denke schon. Die Stadt hat viele schöne Schauplätze und die Natur vor der Haustür. Man ist schnell im Jura oder am Hallwilersee.

Sie stammen ursprünglich aus Norddeutschland. Warum sind Sie nach Aarau gekommen?

Der Liebe wegen. Mein Mann stammt aus dem Aargau. Auf der Suche nach einem Wohnort, der eine gute Verbindung nach Zürich bot, sind wir auf Aarau gekommen und haben in Suhr etwas Passendes gefunden. Aarau hat mir von Anfang an gefallen, es ist sehr schön hier, ich liebe die Altstadt.

So schön, dass Sie sich entschieden haben, einen Aarau-Krimi zu schreiben?

Nicht direkt. Ich wollte den Krimi in die Region einbetten, in der ich wohne und wo ich mich auskenne. Jeder Krimi hat etwas Regionales, ob er in Aarau, Deutschland oder in Amerika spielt.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Per Zufall. Während der Aktion «Novemberschreiben» ging es darum, in einem Monat so viele Wörter wie möglich zu schreiben. Ich habe nie zuvor geschrieben und das spontan ausprobiert. Das Schreiben hat mir viel gegeben.

Was denn?

Ich hatte damals zwei kleine Kinder und mit dem Arbeiten aufgehört, um ganz für meine Töchter da sein zu können. Der Alltag war von körperlicher Anstrengung geprägt und ich war auf der Suche nach einer Herausforderung für den Kopf. Das Schreiben hat dafür gesorgt, dass das Geistige nicht auf der Strecke blieb.

Wie viele Bücher verkaufen Sie?

Ungefähr 2000 bis 3000 pro Band. Davon leben könnte ich nicht, es ist ein Hobby. Ich lege das Geld zur Seite für Ferien. Letztes Jahr bin ich damit mit meiner Familie nach Indien gereist.

Ihr neustes Buch «Aarauer Finsternis» ist der siebte Band mit der Hauptfigur Andrina Kaufmann. Wie lange dauert es, bis Sie einen Krimi fertig haben?

Das Schreiben dauert ungefähr ein Jahr. Mit dem Lektorat und der Recherche habe ich etwa zwei Jahre Arbeit für ein Buch. Ich habe mir angewöhnt, nach dem Mittag zu schreiben, weil meine Kinder dann schliefen.

Wie gehen Sie bei der Recherche vor?

Ich besuche alle meine Schauplätze. Viele kenne ich aus dem Alltag. Für manche Bücher war ich im ganzen Aargau unterwegs. Ich muss einen Ort spüren, damit ich ihn in die Geschichte aufnehmen kann. Wenn es bei meinem Besuch regnet, regnet es sehr wahrscheinlich auch im Buch.

Würden Ihre Krimis auch in einer fiktiven Stadt funktionieren?

Ich denke schon. Aber es würde den Reiz wegnehmen. Wenn es um reale Orte geht, entstehen eher Bilder im Kopf. Die Leser merken es auch, wenn ich etwas ändere. Als ich aus dem Quartierladen an der Herzogstrasse einen Coop gemacht hatte, weil ich einen grösseren Laden brauchte, gab es Reaktionen.

Die Hauptfigur der Aarau-Krimis, Andrina Kaufmann, ist keine Polizistin. Aber per Zufall oder durch ihre Männergeschichten findet sie sich immer im Mittelpunkt des Geschehens wieder. Was haben Sie für ein Verhältnis zu Andrina?

Ein gutes. Ich mag sie, aber manchmal denke ich, das hätte jetzt nicht sein müssen. Ich bin sehr chaotisch beim Schreiben, Andrina hat im Laufe der Jahre eine starke Eigendynamik entwickelt. Ich weiss beim Schreiben eines Buches jeweils nicht, was alles passieren wird.

Wie gehen Sie vor?

Ich gehe vom Täter und der Tat aus. Die weitere Handlung entwickelt sich beim Schreiben. Ein Buch zu schreiben ist für mich wie eines zu lesen, dass ich noch nicht kenne. Ich weiss auch nicht, wie es weitergeht oder wie lang die Geschichte wird. Per Zufall sind die meisten meiner Bücher ungefähr gleich lang.

Zurück zu Andrina. Im Laufe der Serie muss sie einige traumatische Erlebnisse über sich ergehen lassen. Mehrmals blickte sie dem Tod ins Auge und auch im Privatleben läuft es nicht immer rund. Nach einem schwierigen Beziehungsende ist ihr neuer Freund der Halbbruder des Ex und dieser erwartet ein Kind mit Andrinas ehemaliger bester Freundin. Sie muten ihr ja einiges zu.

Ja, da hat sich schon etwas angehäuft. Aber ich denke, das ist in Krimis eben so und muss auch nicht der Realität entsprechen. Allerdings schreibt das Leben oft sehr verrückte Geschichten. Beim Bestatter passiert auch viel in Aarau – und im Privatleben der Figuren. Die Leser interessieren sich auch dafür.

Wie merken Sie das?

Beim Ende von «Der Fluch von Aarau» gab es viele Rückmeldungen. Einige fanden es schade, dass Andrina sich von Feller getrennt hatte. Andere sagten, sie würden es verstehen. Die Leute fühlen mit.

Woher kommen die Ideen für die Morde?

Das geht jeweils recht schnell, ich bin da nicht angestrengt am Überlegen. Manchmal lese ich etwas in der Zeitung oder höre etwas, das mich berührt, woraus ein Tod im Buch entsteht. Ich schreibe nicht aus der Sicht des Mörders, das finde ich unheimlich. Das wäre mir zu nah. Aber ich überlege mir, wie jemand reagieren könnte, der zum Beispiel von Rache angetrieben ist.

Ihre Sprache ist sehr geradlinig, ohne Firlefanz und Umwege. Ist das Absicht?

Ich schreibe einfach und denke nicht gross darüber nach.

Sie sind studierte Geologin. Haben Sie je einen Schreibkurs oder ein Seminar besucht?

Nein. Mit den Jahren ist meine Sprache flüssiger geworden. Durch das Lektorat bin ich sensibler auf gewisse Dinge wie zum Beispiel Wortwiederholungen geworden. Aber ich schreibe einfach so, wie es aus mir rausfliesst.

Liest Ihre Familie Ihre Bücher?

Meine älteste Tochter ist 14 und sie stürmt schon länger. Bis jetzt fand ich, dass sie zu jung war. Mein Mann dagegen hilft mir beim Recherchieren und ist jeweils der Erste, der die Geschichten zu lesen bekommt. Er ist ein sehr strenger Kritiker.

Erträgt Ihre Beziehung das?

Ja. Manchmal muss ich ihm jedoch sagen, dass er mal etwas Gutes sagen soll. (lacht)

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