Aarau

Mit «Frieden» hat dieser Aargauer Regisseur eine Millionenserie gedreht

Seit dem Abschluss seines Studiums im Jahr 2000 hat Michael Scharer an jährlich fast zwei Filmen mitgewirkt.

Seit dem Abschluss seines Studiums im Jahr 2000 hat Michael Scharer an jährlich fast zwei Filmen mitgewirkt.

Die meisten Filme über die 40er-Jahre enden mit dem Zweiten Weltkrieg. Nicht so die sechsteilige Serie «Frieden», die ab dem 8. November ausgestrahlt wird. Der 45-jährige Aarauer Michael Schaerer (Regie) und die Suhrerin Petra Volpe (Drehbuch) fangen beim Kriegsende an und beleuchten das Leben in einem Land, das sich neu orientieren muss.

«Dank dem Bergier-Report wissen wir bereits sehr viel über diese Zeit», sagt Michael Schaerer. «An dem Projekt reizte mich gerade, dass die Ausgangslage erst einmal nicht spannend klingt, der Krieg ist schliesslich vorbei.» Doch auch die Nachkriegsschweiz war voller Konflikte. «Und viele zeigen Parallelen zu heutigen Fragen. Wenn etwa jugendliche KZ-Überlebende aus Polen zur Stärkung in die Schweiz reisten, weckte das eine Angst vor den fremden jungen Männern, wie wir sie an vielen Stellen auch heute antreffen.»

Das Ziel sei es gewesen, Figuren zu schaffen, die die Zuschauer auf ihrem Weg begleiten möchten, «Menschen, mit deren Träumen, Ängsten und Problemen sich die Zuschauer identifizieren können». So sei eine Serie entstanden, die auch heute aktuell ist und gleichzeitig etwas über die Vergangenheit der Schweiz erzählt. «Frieden soll das Leben zur damaligen Zeit erlebbar machen, zeigen, wie die Schweizer damals in einem spannenden wirtschaftlichen und politischen Spannungsfeld immer wieder schwierige persönliche und moralische Entscheidungen treffen mussten.»

Während das Publikum bis zum Sendestart noch etwas warten muss, hat Schaerer die Serie im Laufe der Produktion schon Hunderte Male gesehen, erzählt er. «Dabei muss man mit viel Übung immer wieder versuchen, gleichzeitig im Wald und auf dem Berg zu sein: Trotz aller Detailversessenheit immer den Überblick zu wahren: Funktioniert die Dramaturgie, bekommt der Zuschauer alle nötigen Informationen, klappt der Perspektivenwechsel?»

Kanti-Filmklub, dann Freier Film und New York City

Angefangen hat alles mit der Schulband von Michael Schaerer an der Alten Kanti Aarau. «Für sie habe ich meine ersten Videos gedreht», erinnert sich Schaerer. So wurde seine Faszination für das Metier Film geweckt. «Was mich begeistert, sind die unendlichen Möglichkeiten, die die Komposition von Bild und Ton bietet.» Und Aarau erwies sich als Glücksfall für den jungen Michael Schaerer. «Ich hatte das riesige Glück, dass Aarau den ‹Freien Film› hat.»

Dort konnte Schaerer in der Programmkommission mitarbeiten und so Einblicke in die damals weniger zugängliche Welt des Films bekommen. «Und dann war da auch die Begegnung mit ganz vielen tollen Menschen, die mich gefördert haben, etwa der Filmklub der Kanti und meine Zeichnungslehrerin.» Das trug Früchte: Nach der Kantonsschule zog Schaerer ins grosse New York City und absolvierte dort eine der renommiertesten Filmschulen.

Sein Abschlussfilm «Warmth» bescherte ihm zur Jahrtausendwende gleich den Studentenoscar und bald schnitt Schaerer Filme wie «Achtung, fertig, Charlie!», «Die Herbstzeitlosen» und «Breakout». Sein Regiedebut auf der Kinoleinwand gab Schaerer 2010 mit «Stationspiraten», «Di chli Häx» vor zwei Jahren war der vorläufige Höhepunkt. «An einem so grossen Film mit internationalem Anspruch mitzuwirken war natürlich sehr spannend.»

Eine NZZ-Beilage hat ihm für diese Arbeit gute Chancen für Hollywood eingeräumt. Reizt ihn das? «Hollywood und das Kino überhaupt befinden sich in einem riesigen Umbruch. Kleinere Projekte haben es dort aktuell schwierig. Und dann ist da noch der Umstand, dass anspruchsvolles Erzählen in Hollywood immer mehr verschwindet», analysiert Schaerer und erzählt etwa vom wachsenden Einfluss der Nutzungsanalysen von Streaming-Anbietern. So etwas wie das grosse Ziel sei Hollywood deshalb nicht. «Wo ich arbeite, spielt mir am Ende gar keine grosse Rolle. Wichtig ist mir, dass ich an schönen Projekten arbeiten kann – und die gibt es auch hier.» Und so lebt Michael Schaerer auch heute noch mit seiner Frau und den zwei Kindern in Aarau.

Seit dem Abschluss seines Studiums im Jahr 2000 hat er an jährlich fast zwei Filmen mitgewirkt. Dazu kommt noch das Dozieren für die Fachrichtung Film an der Zürcher Hochschule der Künste. Da stellt sich die Frage: Was macht Michael Schaerer eigentlich in seiner Freizeit, hat er Hobbys? «Hobbys?», fragt er erstaunt zurück und überlegt, als würde er sich fragen, was das ist. «Ich schaue meinen Kindern gerne beim Fussball spielen zu. Ich schätze, ansonsten habe ich das Glück, dass mein Beruf meine Leidenschaft ist.»

«Frieden» startet am 8.11. mit einer Doppelfolge auf SRF 1.

Max Hubacher über seine Hauptrolle in der SRF-Serie "Frieden"

Max Hubacher über seine Hauptrolle in der SRF-Serie "Frieden"

Beschreibung Die historische Dramaserie "Frieden" spielt in der Schweiz der Nachkriegszeit. Im Frühling 1945 herrscht Aufbruchstimmung. Drei junge Menschen stellen sich grossen Herausforderungen. Max Hubacher spielt den ambitionierten Jungunternehmer Johann Leutenegger, der seine Firma vor dem finanziellen Ruin retten muss. Im Interview mit Keystone-SDA spricht der Schauspieler über seinen Ehrgeiz im Job und seine Vorliebe für historische Filme. Die Serie startet am 8. November im SRF.

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