Aarau
Mit Fondue und Bürolämpli in die Wüste Afrikas – zum Rallye-Abenteuer

Wenn Schweizer eine Reise tun, können die Beduinen was erleben: Auf ihrem Rallye-Abenteuer durch die Sahara überlassen die sieben Freunde nichts dem Zufall – schon gar nicht bei der Menügestaltung

Katja Schlegel
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Sieben Freunde auf Rallye-Abenteuer
15 Bilder
Am 1. Februar müssen die Männer in Bamako ankommen.
Jörg Vogler verpackt die letzten Vorräte
Das Fondue darf nicht fehlen
Die Startnummern sind montiert
Im Nissan steckt die Werkstatt
Das Büro im Fond, man beachte das Bürolämpli
Was im Kofferraum keinen Platz hatte, wurde aufs Dach gezurrt
Keine Düne, aber immerhin
Über Stock und Stein
Es gilt, die Physik zu überlisten
Der Dichtetest im Wassergraben
Bis es raucht und spritzt
Auch Abschleppen will geübt sein
Auf der für den normalen Betrieb geschlossenen Piste konnten sich die Männer austoben

Sieben Freunde auf Rallye-Abenteuer

zvg

Reto hat sein Snowboard eingepackt. Für einen Dünenritt in der Sahara. Jörg will auf keinen Fall ohne ein Glas Nutella verreisen. Das kauft er sich aber erst in Budapest, da ist es günstiger. Das Fondue und der Weisse aus dem Wallis sind schon in der Vorratskiste. Die Rösti und die Kirschstängeli auch. Und die Dörrbohnen für die Berner Platte. Nicht zu vergessen die acht Pack Kaffee. Es wird eine lange, anstrengende Reise.

Mittwochabend auf einem Parkplatz in Bassersdorf, im Minutentakt donnern Flugzeuge im Landeanflug durch den Vorhang aus Wolken und Nieselregen. Sieben Unentwegte machen sich hier bereit für die Rallye Budapest–Bamako, «The Great Africa Run», die grösste Amateur-Rallye der Welt. Beni Mahler, Dani Richner, Martin Geissmann, Reto Trottmann, Jörg Vogler und die Brüder Dimce und Goran Iliev, im Alter zwischen 27 und 37. Die meisten kennen sich aus der Region Aarau, wo sie aufgewachsen sind und die Pfadi besucht haben. Drei von ihnen wohnen noch heute in Aarau, einer in Baden, der Rest in Zürich oder Bern.

Und jetzt brechen sie auf. Auf zum grossen Abenteuer, die Welt will entdeckt werden. 8460 Kilometer von Ungarn quer durch Europa nach Marokko, entlang der afrikanischen Westküste und quer durch Mauretanien bis nach Mali. Heute Freitag fällt in Budapest der Startschuss.

Mit jedem Sandhaufen vertraut

Spinnerideen brauchen gute Vorgeschichten: Es war Dani, der während eines Flugs nach Uganda gelangweilt das Bordheft aus der Sitztasche klaubte und auf einen Artikel über die Rallye stiess. Dani schlug die Teilnahme vor und die Dinge nahmen ihren Lauf. So sei das halt mit einem Haufen labiler Gemüter, frotzeln die Männer. «Einer geht mit einer verrückten Idee voraus, die anderen folgen wie die Schafe», sagt Jörg. Die anderen lachen lauthals. Ein schrilles, aufgeregtes Lachen, wie das vor Kindergeburtstagen.

Dass Schafe auch sehr gewissenhaft sein können, zeigt die penible Vorbereitung auf das Rennen: Die Männer kennen entlang der Strecke jeden Stand mit Kamel-Hamburgern, jede Tankstelle, jede Station, bei der die Trinkwasservorräte aufgefüllt werden müssen. Und dank Satellitenbildern kennen sie jeden Sandhaufen entlang ihrer Strecke. Diese können sie nämlich selber wählen. «Die Route ist nicht vorgegeben, es geht auch nicht um Zeit oder Punkte. Wir müssen einfach am 1. Februar in Bamako ankommen», sagt Beni, «notfalls mit dem Zug.» Damit sie nicht, vom Navi diktiert, auf offiziellen Strassen durch Afrika rollen, haben sie sich Offroadrouten herausgesucht. «Wann hat man sonst schon die Möglichkeit, einmal mit dem Auto durch die Sahara zu fahren?», sagt Dimce.

Um Erfahrungen für diese Extremsituation zu sammeln, haben die Freunde mit ihren Autos – einem Mitsubishi Pajero, einem Opel Frontera und einem Nissan Patrol – ein Wochenende lang eine Motocrossstrecke im Jura umgepflügt. Mitsamt Abschleppen, Reifenwechsel, Schlammbad und Zelten bei Temperaturen um den Nullpunkt. Dass in den afrikanischen Ländern durchaus noch andere Gefahren auf sie lauern könnten, beispielsweise Überfälle oder gar Entführungen, schreckt sie nicht. «Die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall, Durchfall oder einen Krach im Team sind viel grösser», sagt Beni. Die Camps in der Wüste würden durch den Veranstalter gut bewacht, ausserdem herrsche ein gutes Einvernehmen zwischen dem Rallye-Veranstalter und den Staaten, in denen es brenzlig werden könnte.

Blutte Frau mit dabei

Ihre drei Autos sind bis unters Dach und darüber hinaus vollgestopft – was im Wageninnern keinen Platz hatte, wurde einfach aufs Dach gezurrt. Im Opel haben die Männer ein Büro eingerichtet, mitsamt Bürolampe. Hier werden Wetterberichte studiert, Satellitenbilder gecheckt und den Zuhausegebliebenen berichtet. Im Nissan wurden ein Lastwagen-Kühlschrank und im Kofferraum eine kleine Werkstatt eingebaut. Und für eine echte Männerrunde zwingend fehlt auch die blutte Frau nicht: Die baumelt als Aufdruck auf dem Duftbäumchen am Rückspiegel.

Es dunkelt ein, es giesst wie aus Kübeln. Der Aufbruch nach Budapest drängt. «Ab in die Wärme», juchzt Jörg. 30 bis 35 Grad Celsius sei es in Mali, er habe heute noch geschaut. Ein letzter Check, alle haben den Pass dabei. Das wird grandios, ein Abenteuer sondergleichen. Da sind sich die Freunde sicher. Und sollten die Autos noch auf dem Weg durch Europa den Geist aufgeben, ist der Ersatzplan bereits geschmiedet: «Dann fliegen wir nach Ägypten und legen uns da in die Sonne.»

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