Das Frohdörfli, in den Fünfzigerjahren für die Arbeiter des Migros-Verteilzentrums gebaut, ist eine Knacknuss für den Gemeinderat. In den 170 Wohnungen leben heute über 300 Bewohner aus 33 Nationen, rund 40 davon sind arbeitslos, die Sozialhilfequote bei über zehn Prozent. Allein an Mietkosten berappt die Gemeinde jährlich 200 000 Franken.

Seit Jahren arbeitet der Gemeinderat an Ideen und Konzepten, das ökonomisch schwache Wohngebiet zu verändern und aufzuwerten und die sozial benachteiligten Bewohner zu fördern. Jetzt setzt der Gemeinderat eine der Massnahmen um: In einer Vierzimmerwohnung im Erdgeschoss soll eine Kindertagesstätte mit rund zehn Betreuungsplätzen untergebracht werden. Das entsprechende Umnutzungsgesuch liegt derzeit auf.

«Wir müssen handeln»

«Im Frohdörfli leben sehr viele Menschen, in Sachen Infrastruktur ist aber kaum etwas vorhanden», sagt Gemeinderat Daniel Rüetschi, zuständig fürs Ressort Soziales und Gesundheit. Damit das durch die Geleise schon rein physisch vom Dorfkern getrennte Quartier nicht auch noch bei der Gesamtentwicklung abgehängt und zum Problemquartier werde, müsse jetzt etwas passieren, sagt Daniel Rüetschi. «Wir können nicht nur jammern, wir müssen auch handeln. Und zwar direkt vor Ort.»

Die Eröffnung einer Kindertagesstätte im Quartier biete den Frohdörfli-Bewohnern eine bessere Chance zur Integration, sagt Daniel Rüetschi. «Die Kinder früh zu fördern und zu integrieren ist Teil einer gesamten Präventionsstrategie.» So würden beispielsweise Migrantenkinder schon vor der Einschulung Sprache, Sitten und Gebräuche kennenlernen und verhaltensauffällige Kinder frühzeitig optimal betreut werden.

Geführt werden soll die Kita durch eine Gesellschaft, der die Gemeinde die Räume untervermietet. Die Gemeinde bezahlt lediglich den Umbau. Das ist ein Novum. Eigentlich setzt die Gemeinde sonst auf die Eigeninitiative der Kita-Betreiber. Doch auf der einen Seite war der Gemeinde der Kita-Standort im Frohdörfli wichtig. «Ausserdem wollten die Eigentümer und die Verwaltung des Frohdörfli, dass die Gemeinde die Kita betreibt», sagt Gemeindepräsident Beat Rüetschi.

Die Kosten für den Umbau hofft Beat Rüetschi mit dem an der Sommergmeind 2012 gesprochenen Kredit für die familienergänzende Kinderbetreuung decken zu können. Viele der Familien im Frohdörfli werden aber für die externe Kinderbetreuung auf einen Zustupf der Gemeinde angewiesen sein. Dass die Kosten für die Gemeinde dadurch explodieren könnten, glaubt Beat Rüetschi nicht. «Es wird sicher einen Anstieg geben, langfristig sparen wir aber Kosten, die während der Schulzeit der Kinder für Förderangebote anfallen würden.» Des Weiteren macht der Suhrer Gemeinderat keinen Hehl daraus, dass er sich durch die Aufwertung des Quartiers auch höhere Steuererträge erhofft.

Doch wozu braucht ein Quartier eine eigene Kita, wo doch im Dorf verschiedene andere zur Verfügung stehen? «Mit der Kita direkt im Quartier senken wir die Hemmschwelle, damit die Quartierbewohner das Angebot auch nutzen», sagt Beat Rüetschi. Erstens sei dies eine Frage der räumlichen Distanz. Zweitens sei es auch einfacher für die Kinder in die Krippe zu gehen, wenn sie das eine oder andere Gspändli bereits kennen. Die Kita soll ausserdem nicht ausschliesslich für Kinder aus dem Quartier reserviert sein, sondern beispielsweise auch für die aus der Wynematte zur Verfügung stehen.

Erst Vorteil und Nutzen erklären

Die Frohdörfli-Bewohner dazu zu bewegen, das Angebot zu nutzen, wird laut Beat Rüetschi die wohl grösste Herausforderung: «Es ist schwierig, mit unserem Anliegen an sie heranzukommen.» In ihren Kulturkreisen lasse man die Kinder womöglich nicht fremdbetreuen; da müsse man ihnen erst den Vorteil und den Nutzen erklären. Deshalb würden jetzt sämtliche Bewohner persönlich angeschrieben und zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. «Wir können bei diesem Projekt keinen Erfolg garantieren», sagt Beat Rüetschi. «Aber wir probieren es einfach aus. Nichts zu tun ist die schlechtere Alternative.»