Es hatte sich abgezeichnet. In der «Energy Challenge», einem Projekt des Bundesamts für Energie, hatten die Aarauerinnen und Aarauer von Beginn an die Nase vorne. Sie sammelten auf einer App Punkte für ihre Stadt, indem sie sich zu Energiesparmassnahmen verpflichteten und so für Aarau Energie sparten. Am Ende liess die «Stadt der schönen Giebel» Metropolen wie Basel, Bern, Locarno, Luzern, Montreux, Neuenburg, Sion und Zürich hinter sich.

Der Stadtrat wusste: Mit dem Sieg kommt nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch ein ziemlich grosser Preis. Es handelt sich um eine mobile Wohnbox im Wert von 300 000 Franken, mit kompletter Infrastruktur, 30 Quadratmeter gross. Sie tourte mit der Roadshow der «Energy Challenge», die vom 10. bis 13. August auf dem Aarauer Bahnhofplatz Halt machte, durch die halbe Schweiz. Im orange-roten, autarken Minergie-Container haben sich zahlreiche Besucher (und Promis) über das Energiesparen informieren lassen. Und nun gehört er der Stadt Aarau.

Im Beisein von Miss Schweiz Lauriane Sallin nahm ein strahlender Stadtrat Werner Schib den Preis entgegen – in Bern, wo die Box zuletzt stand. Die Übergabe erfolgte allerdings symbolisch: «Ich bin danach direkt in die Ferien nach Grindelwald gereist und war froh, dass ich die Box nicht gleich mitnehmen musste», scherzt Schib. Für den Stadtrat ist klar, «dass ein Geschenk beim Beschenkten angeliefert wird», die aufwendige Lieferung nach Aarau also im Preis «inklusive» ist.

Stadtrat hat erste Ideen

Zwischengelagert wird die Wohnbox im Fricktal bei ihrem Erbauer: der Erne Holzbau AG mit Sitz in Laufenburg. Dort kann sie bleiben, bis die Stadt Aarau weiss, was mit der Box geschehen soll. Sie misst 10 × 3 Meter, lässt sich also nicht einfach im Rathaus in den Keller stellen. Je nachdem, wie lange sie an einem Ort bleiben soll, braucht es fürs Aufstellen eine Baubewilligung.

Im Gesamtstadtrat wurde zwar noch nicht darüber geredet, aber: «Wir haben erste Ideen», sagt Werner Schib. Es wäre denkbar, dass man gemeinsam mit der IBA die Box so nutze, wie sie während der Energy Challenge eingesetzt wurde: Als Anschauungsobjekt für energieeffizientes Bauen. «Es stehen einige Schul-Bauprojekte an. Vielleicht könnte man die Box als Provisorium brauchen, zum Beispiel für den Mittagstisch oder als Gruppenraum.» Denkbar wäre auch, sie an die Umwelt-Arena Spreitenbach auszuleihen. So oder so: Eine zumindest halböffentliche Nutzung stehe im Vordergrund.

Kleine Häuser sind im Trend

Das Haus verfügt über Solarpannels, Dusche, Küche, Strom, Wasser- und Abwasseranschlüsse. Aber: Ein WC hat es nicht. Schade, denn es wäre durchaus möglich, in so einem Container zu wohnen. Aus den USA ist das «Small House Movement» längst nach Europa geschwappt. Als Nebenprodukt der Immobilien- und Wirtschaftskrise Ende der Nullerjahre kam man davon ab, die Grösse eines Hauses als wichtigstes Kaufkriterium zu bewerten. Lieber klein und bezahlbar, hiess die Devise; gerne auch mobil, und: gemütlich. Kleine Räume, die einen wie ein Kokon einschliessen, wecken Erinnerungen an die Kindheit mit Baumhäusern und Kissenburgen. Längst gibt es zahlreiche Fernsehsendungen, seis über das Bauen der «Tiny Houses» (winzige Häuser, maximal 50 Quadratmeter), über die Suche nach dem geeigneten Objekt oder über das Leben darin. Die Amerikaner, und mittlerweile auch die Europäer, können nicht genug von den Winzighäusern kriegen. Und wer dann doch nicht dauerhaft darin leben möchte, findet auf Buchungsportalen unzählige Ferienhäuschen-Angebote.