Bus und Zug
Mit der Tageskarte der Gemeinde zum nächsten Ausflug: So viel bezahlen Sie an Ihrem Wohnort

Bei vielen Gemeinden der Region kostet die öV-Tageskarte mehr als noch vor einem Jahr. Sie ist dennoch ein Schnäppchen, wie die Übersicht der verschiedenen Angebote zeigt.

Nadja Rohner
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Der Einkaufspreis für die Gemeinden ist gestiegen: Derzeit kostet ein Tageskarten-Set mit 365 vordatierten Billetten 14'000 Franken. (Symbolbild)

Der Einkaufspreis für die Gemeinden ist gestiegen: Derzeit kostet ein Tageskarten-Set mit 365 vordatierten Billetten 14'000 Franken. (Symbolbild)

Hanspeter Bärtschi

«Zögern Sie nicht, auch in den etwas kälteren Monaten von den Vorzugspreisen der Tageskarte Gemeinde zu profitieren.» – So bewirbt die Gemeinde Holziken ihre SBB-Tageskarten im aktuellen Mitteilungsblatt. Damit man den heutigen Bestand von vier Karten-Sets halten könne, sei man auf eine hohe Auslastung angewiesen.

«In den Frühlings-, Sommer- und Herbstmonaten können immer hohe Auslastungsmargen erzielt werden», schreibt die Gemeinde weiter. «Leider fallen diese aber in den Monaten Januar, Februar, November und Dezember seit jeher um einiges tiefer aus.»

Dieses Problem haben auch andere Gemeinden in der Region, die die «Tageskarte Gemeinde» der Schweizerischen Bundesbahnen anbieten. Kommt hinzu, dass der Einkaufspreis gestiegen ist: Derzeit kostet ein Tageskarten-Set mit 365 vordatierten Billetten 14 000 Franken. Das sind 700 Franken mehr als im Vorjahr. Im Einkauf kostet eine Tageskarte also knapp 38.40 Franken. Im Schnitt stieg der Stückpreis jedes Jahr um ein bis zwei Franken an.

Seenger Karte nicht mehr billig

Etwa jede dritte Gemeinde hat die Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben. Seengen, das die Tageskarte eine Zeit lang sogar unter dem Einkaufspreis weiterverkauft hatte, verlangt nun 40 Franken – und gibt damit den Titel «Günstigste Tageskarte der Region» an Schöftland ab. Dort zahlt man derzeit 39 Franken pro Stück, erhältlich sind vier Tageskarten. Den höchsten Preis verlangt Teufenthal: 47 Franken kostet eine der beiden verfügbaren Tageskarten.

Ein Geschäft sind Tageskarten für die Gemeinde nicht, eher eine Dienstleistung am Bürger. Denn um den Einkaufspreis zu decken – vom administrativen Aufwand ganz zu schweigen – , muss beispielsweise Schöftland 98 Prozent der Tageskarten verkaufen, Teufenthal 82 Prozent.

Das ist gar nicht so einfach. Holziken, das 2016 eine Auslastung von 93,4 Prozent erreichte (Vorjahr: 94,5), hat sogar einen Last-Minute-Preis eingeführt: Nicht vorreservierte Karten, die spontan am Gültigkeitstag bezogen werden, erhält man für 20 Franken. Ein Schnäppchen, kostet doch bereits eine Retourfahrt von Holziken nach Zürich mindestens 36 Franken.

Abgabe an Auswärtige verboten

Um die Auslastung möglichst hoch zu halten, machen viele Gemeinden etwas, das sie eigentlich nicht dürften: Sie geben die Karten auch an Auswärtige ab. Das widerspricht den Geschäftsbedingungen der SBB. Diese besagen, dass Gemeinden die Billig-Billette nur an ihre eigenen Einwohner abgeben dürfen. Ausnahme: Wenn die Kunden in einer Nachbargemeinde mit weniger als 2000 Einwohnern wohnen, ist eine Abgabe in Ordnung.

Im September 2015 publizierte die az eine Übersicht über Kosten der «Tageskarte Gemeinde» in den einzelnen Dörfern und Städten der Region – inklusive der Information, ob die Gemeinden ihre Tageskarten auch an Auswärtige abgeben. Und prompt wurden diese Gemeinden von den SBB gemahnt.

Als die az die Gemeinden erneut kontaktierte, um die aktuellen Preise zu erfragen, zögerten einige. An ihrer Abgabepolitik hatten die meisten nichts geändert, doch sie wollten nicht schon wieder den Zorn der Bundesbahnen auf sich ziehen. Im schlimmsten Fall könnten die SBB die Tageskarten einziehen beziehungsweise die Gemeinde vom Kauf weiterer Tageskarten ausschliessen und Schadenersatzansprüche stellen.

Dennoch nehmen es viele Gemeinden nicht so genau mit dem Wohnort ihrer Tageskarten-Käufer. Aus gutem Grund: «Würden wir die Tageskarten nur an unsere eigenen Einwohner abgeben, wäre die Auslastung zu gering und wir könnten uns das Angebot gar nicht mehr leisten», heisst es aus einer Gemeindeverwaltung.

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