Küttigen
Mit dem Camion unterwegs in den «Wilden Osten»

Toni Lorenz (53) engagiert sich bei einem humanitären Hilfskonvoi in die Ukraine. Dafür nimmt er 2600 Kilometer unter die Räder. «Ich bin vor gut fünf Jahren durch einen Zeitungsartikel auf den Verein Help-Point Sumy aufmerksam geworden», sagt er.

Fabian Hägler
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Toni Lorenz fährt in die Ukraine. zvg

Toni Lorenz fährt in die Ukraine. zvg

Wenn am 13. April, morgens um 6 Uhr der Konvoi des Vereins Help-Point Sumy in Wohlen zur Fahrt in die Ukraine aufbricht, ist auch Toni Lorenz aus Küttigen mit dabei. Der 53-jährige Tankstellenbetreuer bringt mit 23 weiteren Chauffeuren rund 150 Tonnen Hilfsgüter, drei Polizeiautos und ein Kommandofahrzeug für die Feuerwehr in die Stadt und Region Sumy.

«Ich fahre gerne Lastwagen und bin überzeugt, dass der Hilfskonvoi eine gute Sache ist», sagt Toni Lorenz. Er freut sich auf die rund 2600 Kilometer lange Fahrt in den «Wilden Osten» von Europa. «Ich bin vor gut fünf Jahren durch einen Zeitungsartikel auf den Verein Help-Point Sumy aufmerksam geworden», sagt Lorenz.

Seither war der Küttiger vier Mal als Fahrer bei Hilfskonvois im Einsatz, zuletzt im September zusammen mit seinem Sohn Beni. «Es war einmal mehr ein Abenteuer der ganz speziellen Art: Zoll, Strassen, die Leute und die schöne Umgebung», erinnert sich Toni Lorenz. Und er schmunzelt: «Mein Sohn Beni sagte nach der Reise: Vater, wann gehen wir zum nächsten Mal nach Sumy?»

Fahrer müssen sich anpassen

Der 53-Jährige freut sich darauf, während der Fahrt neue Kameraden kennen zu lernen. «Hauptmotivation für mich ist aber, dass ich mit meinem Einsatz diesem Land unmittelbar helfen kann, indem wir der Bevölkerung in der Region Sumy gut erhaltene und brauchbare Güter bringen.»

Fast schon Routine sind die Fahrten für Beatrice Portmann und Hans Hächler von der Konvoileitung. «Wenn man in die Ukraine fährt, muss man sich mit den Verhältnissen dort abfinden», sagt Portmann.

Umso wichtiger ist für Hans Hächler, Inhaber einer Lastwagen-Garage in Othmarsingen, dass er auf ein gutes Fahrerteam und zuverlässiges Material zählen kann. «Toni Lorenz und die übrigen Chauffeure sind mit ihrem Einsatz sehr wertvoll für uns», sagt der Konvoileiter.

«Sie geben zehn Tage Ferien daran und bezahlen sogar die Kosten für Unterkunft und Verpflegung selber. Das ist nicht selbstverständlich», betont Portmann.

Trotzdem sind für den bevorstehenden Konvoi beträchtliche Finanzmittel nötig. «Der grösste Posten ist der Treibstoff, dazu kommen Kosten für Fahrzeugunterhalt, Gebühren für Bewilligungen, Ausgaben für Übersetzungen und vieles mehr», zählt Beatrice Portmann auf.

Und Hans Hächler ergänzt: «Ohne die grosszügige Unterstützung von Importeuren, Transportunternehmern und Lastwagengaragen, die unserem Verein die Zugmaschinen, Auflieger oder ganze Sattelzüge zur Verfügung stellen, wären die Transporte gar nicht möglich.»

Situation im Land ist nicht besser

«Wenn man sieht, wie dankbar die Menschen in Sumy die Hilfsgüter entgegennehmen, wird klar, wie wertvoll dieser Einsatz ist», sagt Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti. «Wir versuchen, die Verhältnisse in der Stadt und Region Sumy schrittweise zu verbessern.»

Piffaretti war im März zuletzt in der Ukraine und unterzeichnete die Verträge für den bevorstehenden Hilfskonvoi. «Obwohl das Land im vergangenen Jahr die Fussball-Europameisterschaft organisierte, hat sich die Situation in Sumy und der Ukraine nicht verbessert», berichtet sie.

Aufgrund der Wirtschaftskrise sei der Staat zum Sparen gezwungen. «Ausser den Hilfsgütern, die wir mit dem Konvoi bringen, erhalten die Spitäler, die Feuerwehr und die Schulen in Sumy nichts», sagt Marianne Piffaretti.

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