Aarau
Mit Blick auf den Zukunftsraum: Was Aarau aus der Fusion mit Rohr gelernt hat

Eine Einwohnerrats-Anfrage bewegt den Stadtrat dazu, ein Fazit zur acht Jahre zurückliegenden Fusion zwischen Aarau und Rohr zu ziehen.

Nadja Rohner
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Rohr gehört seit fünf Jahren zu Aarau.

Rohr gehört seit fünf Jahren zu Aarau.

az

Der Aarauer Stadtrat hat eine alte Pendenz erledigt: Am 26. Juli 2017 reichten die Einwohnerräte Silvano Ammann (FDP) und Michel Meyer (FDP) eine Anfrage zur Beurteilung der Gemeindefusion Aarau mit Rohr eingereicht.

Sie wollten unter anderem wissen, welche Lehren daraus gezogen wurden. Dies mit Blick auf den Zukunftsraum Aarau. Nun präsentiert der Stadtrat seine Antwort. Dass er sich damit verhältnismässig lange Zeit gelassen hat, liegt auch daran, dass er «die paritätische Kommission Aarau-Rohr einberufen» habe.

Insgesamt sieht der Stadtrat alle gezogenen Lehren aus der Fusion Aarau-Rohr in den Leitsätzen für den Zukunftsraum Aarau vertreten. Er hält, gestützt auf die paritätische Kommission, fest: «Der Fusionsprozess war gut gestaltet und durch eine gewisse Grosszügigkeit gekennzeichnet. Die hohe Zustimmung in beiden Gemeinden und die geringen Probleme bei der Umsetzung sind positiv zu werten.»

Ein Fusionsprozess brauche vor allem nach dem Vollzug Zeit, um ein Zusammenwachsen zu ermöglichen. «Mit Blick auf weitere mögliche Zusammenschlüsse ist ein Handeln auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt wesentlicher Erfolgsfaktor.»

Hervorgehoben wird die wichtige Funktion des Rohrer Stadtteilvereins bei der Pflege von Tradition und Eigenheit des Stadtteils. «Der Zukunftsraum bietet die Chance, Stadtteile und ihre Strukturen sowie Stadtteilvereine zu stärken», so der Stadtrat. Auch sei Rohr im Einwohnerrat gut vertreten.

Was die Verwaltung angeht, sei die Schliessung der Zweigstelle Rohr «ein auf der emotionalen Ebene schwieriges Signal» gewesen, heisst es in der Beantwortung. Mit Blick auf den Zukunftsraum hält der Stadtrat fest: «Wenn die Nachfrage und das Bedürfnis bestehen, ist es wichtig, dass motivierte und dienstleistungsorientierte Mitarbeitende in einer Zweigstelle arbeiten.»

Punkto Schule heisst es in dem Schreiben, der lange Prozess zur Klärung der Schulorganisation (Gründung der Kreisschule Aarau-Buchs) und die Verzögerungen bei der Realisierung der Tagesstrukturen seien vor allem für Eltern mit Kindern ein negativer Aspekt der Fusion. Als positiv beurteilt wird die hohe Zustimmung der Aarauer Stimmberechtigten zur Gründung der Kreisschule und zum neuen Tagesstrukturen-Gebäude in Rohr.

Bodenpreise gestiegen

Der Stadtrat hält fest, dass «bei der Zusammenführung von Reglementen bisher unterschiedliche Lösungsansätze angemessen zu berücksichtigen sind (z. B. Gebühren bei Abwasser), was bei der Fusion mit Rohr noch stärker hätte beachtet werden müssen». Er konstatiert auch, dass mit der Fusion die Bodenpreise im Stadtteil Rohr gestiegen seien, was für Eigentümer und Investoren positiv sei – Mieter im Stadtteil Rohr müssten hingegen mit höheren Mietpreisen rechnen.

Zum Thema Finanzen sagt der Stadtrat: «Die finanziellen Auswirkungen und die Entwicklung des Steuerfusses entsprechen den Erwartungen bei der Fusion.»

Comeback von Rohr?

Für eingefleischte Rohrer die wohl interessanteste Passage: Es wäre möglich, dass im Zusammenhang mit dem Zukunftsraum der Stadtteil-Name «Aarau Rohr» wieder zu «Rohr» mit dem Zusatz «(Stadt Aarau)» werden könnte.

«Die Namenswahl ‹Aarau Rohr› ist ein weicher Faktor, der besser hätte gelöst werden können und mit dem Zukunftsraum allenfalls korrigiert werden kann.» Denn im Zukunftsraum werden die heutigen Gemeinden ihre Namen, Strassennamen und Postleitzahlen, so steht es in den Leitsätzen, behalten können.