Zum ersten Mal seit dem WM-Final in Rio sass Beni Thurnheer nicht im Stadion und kommentierte ein wichtiges Fussball-Spiel fürs Schweizer Fernsehen. Stattdessen machte es sich der Winterthurer lieber in Aarau gemütlich, mischte sich unter die Leute und schaute sich mit einem Bier in der Hand das Spiel auf Grossleinwand an.

Schweiz gegen Albanien – das lang ersehnte Aufeinandertreffen zog einige Zuschauer ins KiFF. Vor dem Match diskutierten Beni Thurnheer, Schriftsteller und az-Kulturredaktor Pedro Lenz und Peter Moor-Trevisan, Präsident der SRG AG/SO, über das Thema Fussball. Mit ihrer Prognose fürs Spiel von 2:0 respektive 3:1 für die Schweiz lagen beide zwar ziemlich daneben (der Match endete 1:0). Doch von ihren Geschichten, etwa über das Leben als Sportreporter, konnte man viel Aufschlussreiches erfahren.

Thurnheer im KIFF

Beni Thurnheer im KIFF

Unter den Fans beim Public Viewing im Kiff im Aarau war auch Beni Thurnheer. Vom pensionierten Sportkommentator gibt es eine düstere Prognose.

Und unterhaltsam war es sowieso: etwa als Beni Thurnheer einen Abschnitt aus seinem Buch «Reden ist immerhin Silber» vorlas, in dem er beschrieb, wie er während eines Spiels, das er am Fernsehen kommentierte, unbedingt auf die Toilette musste – und der Match nach einem Ausgleichstor noch in die Verlängerung ging. Oder als er offenbarte, wie simpel man irgendwelche losen Wörter in Moderationen einbauen könne. So sei ihm vor dem Spiel Schweiz gegen Südkorea an der WM 2006 gebeten worden, das Wort «Handarbeitslehrer» einmal zu erwähnen. Zuerst sträubte er sich dagegen – so was dürfe man schliesslich nicht machen – aber als Verteidiger Philippe Senderos sich im Spiel verletzte und auf dem Spielfeld am Kopf genäht werden musste, da kam ihm das Wort wieder in den Sinn und konnte es sich dann nicht verkneifen, die Szene so zu kommentieren: «Hier würde ein Handarbeitslehrer nicht mehr reichen.»

Beni Thurnheer schlug dem Publikum im KiFF dann als Witz vor: «Ich habe hier die Handy-Nummer von Sascha Ruefer, der das Spiel heute am Fernsehen kommentiert. Bestimmen wir jetzt ein Wort, das er heute in seine Moderation einbauen muss.» Das Wort «KiFF» suchten sich die Zuschauer aus, worauf er dann sagte: «Ach, das ist einfach. Da kann man zum Beispiel sagen: Mehmedi sieht heute ja ganz schön bekifft aus.» Pedro Lenz hingegen versuchte die Gunst der Aarauer für sich zu gewinnen und schlug als Moderationsfloskel vor: «So etwas hat es am Fernsehen noch nie gegeben, das erlebt man höchstens im Brügglifeld.» Dem Stadion des FC Aarau widmete Pedro Lenz auch ein Kapitel seines Buchs «Plötzlech hets di am Füdle», das er den Zuschauern im KiFF vorlas.

Albanien – Schweiz: Die wichtigsten Momente

Albanien – Schweiz: Die wichtigsten Momente

Adler für Aarau und Albanien

Im vollen Saal im KiFF verfolgten fast ausschliesslich Schweizer-Fans die Gesprächsstunde und später das Spiel. Auf den ersten Blick sah es zwar noch danach aus, als seien auch ein paar Albanien-Fans unter den Zuschauern. Bei näherem Hinsehen aber wurde klar: Diese rot-schwarzen Trikots mit einem Adler auf der Brust – das sind nicht etwa Albanien-Shirts, sondern Trikots des FC Aarau. Trägt also jeder Albaner ein Stück Aarau auf der Brust, oder jeder Aarauer ein Stück Albanien?

Für den Match Schweiz–Albanien war klar: Heute sind beide Fanlager getrennt. Doch für die künftigen Spiele werden sicher viele Schweizer für Albanien – samt ihren Schweizer Spielern – jubeln, sowie Albaner die Schweiz und dessen albanischen Spielern künftig anfeuern werden. Pedro Lenz, der kürzlich in Pristina war, sagte: «Die wollen dort auch, das Shaqiri und die anderen Spieler mit kosovarischen Wurzeln weiterhin für die Schweiz antreten – denn sie wollen sie weiterhin an den grossen Turnieren spielen sehen.» Auch Beni Thurnheer fiebert mit den Super-League-Spielern mit, die etwa für Österreich oder Island spielen. «Nur für Deutschland ‹fänen› finde ich wenig originell, denn die gewinnen ja sowieso immer.»