Aarau

Mit 101 Jahren wartet sie auf den achten Urenkel

Margrit Ruckstuhl führt ihren Haushalt mithilfe der Spitex allein.  HHE

Margrit Ruckstuhl führt ihren Haushalt mithilfe der Spitex allein. HHE

Margrit Ruckstuhl feiert heute ihren 101. Geburtstag. Noch mehr als über den hohen Geburtstag freut sie sich die baldige Geburt des achten Urenkels. «Ich weiss es nicht», antwortet sie auf die Frage, wie sie es geschafft habe, so alt zu werden.

Um dann doch anzufügen: «Die anderen sagen, weil ich nie geraucht und nie getrunken habe.» Und auch, weil sie sich nie so «Zeug» – sie meint Make-up – angeschmiert habe. Einfach habe sie gelebt und sei immer zufrieden gewesen. Eine Tochter ist beim Gespräch dabei und nickt bestätigend: «Ja, auch mit uns Kindern warst du immer geduldig.»

Das Fest am Küchentisch

Margrit Ruckstuhl wird heute 101 Jahre alt. Am grossen Tisch in ihrer Küche an der Tannerstrasse wird sie mit ihren Kindern und deren Familien den hohen Geburtstag feiern. So hat sie es sich gewünscht. Sie wird dann, wie immer, sagen: «Jetzt ist es wie früher», und sich freuen, dass alle gekommen sind. Denn: «Die Familie ist das Wichtigste.»

Die alte Frau sitzt vor ihrem Haus auf einem Gartenstuhl, einen Gehstock griffbereit. Manchmal fragt sie nach, wenn sie eine Frage nicht verstanden hat. Ab und zu hilft ihr auch die Tochter weiter.

Zwar führt Margrit Ruckstuhl ihren Haushalt mit Unterstützung von Spitex weitgehend alleine, aber die Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne, besuchen sie regelmässig. «Sie helfen mir, wo sie können», sagt Ruckstuhl, «sie verwöhnen mich geradezu.» Ihre beiden Töchter kommen mehrmals pro Woche, ein Sohn wohnt mit seiner Familie im Nachbarhaus.

«Ich habe so gerne verkauft»

Geboren ist Ruckstuhl 1910 in Hornussen. Sie kann sich erinnern, wie ihre Mutter sie im Fricktal als kleines Mädchen im Arm gehalten hat und ihr die Soldaten zeigte, die auf einem Pferdewagen Richtung Elsass fuhren. Die Mutter soll gesagt haben: «Hoffentlich kommt der Johann wieder zurück.» Der Nachbar verteidigte im ersten Weltkrieg die Grenze – er sei, ergänzt Ruckstuhl, auch wieder heimgekehrt. Margrit Thürig staunt, woran sich die Mutter zu erinnern vermag.

Als junge Frau kam sie vom Fricktal nach Vevey, St. Gallen und Gösgen. Seit 1951 lebt sie in Aarau. Sie führte dort mit ihrem Mann an der Tannerstrasse zwanzig Jahre lang eine Bäckerei. Er arbeitete in der Backstube, sie im Laden: «Ich habe so gerne verkauft.» Die heitere Greisin gerät ins Schwärmen. Das ganze Quartier habe sich im Laden getroffen und sie habe alle gekannt.

Bald kommt der achte Urenkel

Ihr Alltag ist heute etwas ruhiger. Sie unternimmt kleine Spaziergänge, liest die Zeitung, schaut Fussballspiele am Fernsehen und freut sich auf die Geburt ihres achten Urenkels in einem Monat. «Ihn will ich noch sehen», habe sie sich vorgenommen.

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