Kantonspolitik

Mindestens vier Grossräte aus der Region Aargau West sagen Tschüss

40 der 140 Grossräte stammen aus der AZ-Region Aargau West.

40 der 140 Grossräte stammen aus der AZ-Region Aargau West.

Wer bei den Wahlen im Herbst nicht mehr antreten wird, wer noch unschlüssig ist und wer um die Gunst der Wähler buhlen wird.

Vier Grossräte haben sich bereits definitiv zu einem Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur entschieden. Darunter mit Renate Gautschy (FDP) die Präsidentin der kantonalen Gemeindeammänner-Vereinigung. Drei Grossräte ringen noch mit sich – und ihren ­Bezirksparteien. Darunter die Regierungskandidatin Jeanine Glarner (FDP). Geht ihre politsche Karriere auf Stufe Kanton bereits im Alter von 35 Jahren zu Ende? Jeanine Glarner gehört dem Kantonsparlament seit dem Frühling 2012 an. Sie ist daneben Gemeinderätin von Möriken-Wildegg. Sie sagt: «Die Vereinbarkeit von Politik und Beruf ist zunehmend herausfordernd.»

«Auch wenn ich auf einem Schleudersitz bin, trete ich an»

40 der 140 Grossräte stammen aus der AZ-Region Aargau West. Wer nicht abtritt, muss am 18. Oktober wiedergewählt werden. 10 der 40 Grossräte profitieren vom Bisherigen-Bonus, weil sie im Verlaufe der Legislatur nachrutschen konnten. Jacqueline Felder (SVP, Boniswil) ist noch nicht einmal in Pflicht genommen. Sie kann für den Neu-Nationalrat Alois Huber nachrutschen. Das gleiche Glück hatten die ­Aarauer Stadträtin Suzanne Marclay (FDP, für Maja Riniker) und Silvia Dell’Aquila (SP, für Gabriela Suter). Letztere weiss, dass sie zittern muss. Denn die SP hat 2016 im Bezirk Aarau überraschend ein viertes Mandat gewonnen. «Auch wenn ich auf einem Schleudersitz sitze, werde ich sicher zur Wiederwahl antreten», sagt Silvia Dell’Aquila. Wie alle anderen Bisherigen (siehe Tabelle) muss sie noch durch die Bezirkspartei nominiert werden.

Überdruck bei der CVP im Bezirk Lenzburg

Sehr speziell ist die Ausgangslage bei der CVP im Bezirk Lenzburg. Dort sind neu 13 Mandate zu vergeben – wegen des Bevölkerungswachstums eines mehr als 2016. Die CVP hatte bisher einen Sitz, denjenigen der wiederkandidierenden Sabine Sutter-Suter. Sie erklärt: «Ich trete hochmotiviert wieder an.»

Das tut auch Cécile Kohler, deren Mandat aus dem Bezirk Baden stammt (sie konnte für Neu-Nationalrätin Ma­rianne Binder nachrutschen). Doch wohnen tut sie mittlerweile in Lenzburg. Die 42-Jährige sagt: «Es wäre mir eine grosse Ehre, den Bezirk Lenzburg weiterhin im Kantonsparlament vertreten zu dürfen.» Und dann ist da noch die ambitionierte Christina Bachmann (35, «Bald kommen meine Tage»), die nach dem guten Ergebnis bei den Nationalratswahlen in den Grossen Rat möchte. Ob es der CVP im Bezirk Lenzburg zu drei Sitzen reichen wird?

Im Bezirk Lenzburg haben die Freisinnigen der SVP 2016 einen Sitz abgenommen. Zu den Aushängeschildern des Bezirks gehört die Grünliberale Barbara Portmann (sie ist 1. Ersatz auf der GLP-Nationalratsliste). Barbara Portmann tritt wieder an, sagt aber: «Ich werde voraussichtlich in ca. zwei bis drei Jahren zurücktreten, das heisst die Legislatur nicht beenden. Ich bin ja bereits seit 2009 im Rat und irgendwann wird es Zeit für neue Ideen.»

Barbara Borer-Mathys faktische Nachfolgerin von Karin Bertschi?

Im Bezirk Kulm standen die Wahlen 2016 ganz im Zeichen von Karin Bertschi, die nicht nur mit Abstand das allerbeste Ergebnis erzielte, sondern entscheiden dazu beitrug, dass die SVP auf Kosten der FDP einen Sitz gewinnen konnte. Ob die SVP das vierte Mandat ohne Bertschi wird verteidigen können? Viel wird davon abhängen, ob Bezirksparteipräsidentin Barbara Borer-Mathys (Holziken) wieder antreten wird. Sie könnte dafür sorgen, dass der Bezirk nicht eine reine Männerdelegation nach Aarau schicken wird. Denn mit Renate Gautschy tritt die aktuell einzige Kulmer Frau nicht mehr an – nach 15 Jahren im Rat.

Vorzeitiger Rücktritt für Ulrich Bürgi kein Thema

Von den nicht wieder Kandidierenden war Vreni Friker (SVP) 2013 Grossratspräsidentin. Interessant wird sein, mit was für Kandidaten die SVP im Bezirk Aarau ihren Sitz verteidigen wird: Mit einer «Karin Bertschi» oder mit Quereinsteigern, so wie das bei den Einwohnerratswahlen 2017 in Aarau mit Urs Winzenried und Max Suter gut geklappt hat.

Bei den Aarauer Freisinnigen hätte es Grossrat Ulrich Bürgi (FDP) fast in den Nationalrat geschafft (er war erster Ersatz). Der Chefarzt am Kantonsspital sagt: «Ich möchte, dass jüngere Kräfte nachkommen und keine Blockaden durch Sesselkleber entstehen.» Ein vorzeitiger Rücktritt vor dem Ende der Legislatur 2017/20(damit allenfalls Jürg Willi nachrutschen kann) ist für ihn kein Thema: «Als Präsident der Kommission Gesundheit und Sozialwesen wäre das politisch nicht vertretbar.»

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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