Es war das Diskussionsthema des Wochenendes: Der Aarauer Schlagzeuger Christian liess über seinen Freund, den Signer/Songwriter «Nick Mellow», erklären, er sei von seinem Kompaniekommandanten mit 150 Franken gebüsst worden, weil er beim Stück «Zapfenstreich» falsch gespielt habe. Konkret, den Soloeinsatz mit dem Becken verpasst habe. Am Schluss des Wiederholungskurses (WK) in Landquart GR (Schweiz am Wochenende vom Samstag).

Was sagt das Militär zum verpassten Einsatz?

Das sagt der Kommandant zum verpassten Einsatz

  

Verbreitetes Unverständnis

Die Armee büsst einen Musiker, weil ihm ein Fehler passiert ist? Das Kopfschütteln an den Stammtischen und die Empörung in den sozialen Medien waren gross. Doch wie war es wirklich? Der höchste Militärmusiker, Oberst Philipp Wagner, nahm am Montagabend Stellung. Laut seinen Aussagen hat sich Schlagzeuger Christian einen Scherz erlaubt. Wie zuvor bereits zwei andere Schlagzeuger von WK-Militärmusiken.

Für Oberst Wagner, den Leiter des in Aarau beheimateten Kompetenzzentrums Militärmusik, ist klar: «Bewusstes Falsch-Spielen wird weder im zivilen noch im militärischen Konzertbetrieb toleriert.» Die Massnahme der Disziplinarstrafe sei nicht aufgrund eines musikalischen Fehlers, sondern aufgrund eines nicht tolerierbaren Verhaltens ergriffen worden.

Oberst war am Konzert Zuhörer

Theoretisch hätte der Kommandant die Möglichkeit gehabt, eine Geldbusse von 500 Franken auszusprechen. «Die ausgesprochene Busse muss verhältnismässig sein, weshalb dieser Betrag im vorliegenden Fall kein Thema war», betont Wagner. Der Schlagzeuger wurde mit 150 Franken gebüsst.

Weshalb ist der Oberst so sicher, dass dem Wehrmann nicht doch ein Fehler passiert ist? «Die beiden Solo-Einsätze der Schlagzeuger am Ende des ‹Zapfenstreiches› sind aus musikalischen Gründen praktisch unmöglich zu verpassen», erklärt Wagner, der beim Konzert im Büdnerland zugegen war. «Alle unsere Musiker haben eine anspruchsvolle Fachprüfung absolviert, um die Militärmusik-RS antreten zu können. Sie haben ein sehr gutes musikalisches Niveau, speziell die Schlagzeuger.»

Gebüsster Militärmusikant von Spenden überhäuft

Gebüsster Militärmusikant von Spenden überhäuft

Die Sammelaktion wird wegen zu vielen Spenden abgebrochen.

Schon der dritte Fall

Vor dem Fall Christian hatten in diesem Frühling bereits die Schlagzeuger von zwei anderen WK-Militärspielen für die besagten Solo-Einsätze laut Wagner «nicht mit der grossen Trommel oder den Becken, sondern mit auffällig anders klingenden Perkussionsinstrumenten gespielt». Sie alle seien bestraft worden und das Spiel, in dem Christian Dienst tat, auf die Einhaltung der Regeln speziell aufmerksam gemacht worden.

Wagner weiter: «Der Schlagzeuger des in den Medien gebrachten Falles hatte den Solo-Einsatz mit dem Becken verpasst und ihn einen Takt später zusammen mit dem Einsatz eines Registerkameraden gespielt. Letzterer setzte allerdings auch ein anderes Perkussionsinstrument ein.»