1.-Mai-Feier in Aarau

Mikrofon frei für einen Revolutionsromantiker: Stiller-Has-Frontmann auf dem Aarauer Holzmarkt

Texter, Sänger und zunehmend auch Redner: Stiller-Haas-Frontmann Endo Anaconda gestern als 1.-Mai-Redner auf dem Aarauer Holzmarkt.

Texter, Sänger und zunehmend auch Redner: Stiller-Haas-Frontmann Endo Anaconda gestern als 1.-Mai-Redner auf dem Aarauer Holzmarkt.

Von der SP- Nationalrätin bis zum Texter und Sänger: Die Bandbreite der 1.-Mai-Reden 2019 im Westaargau war gross.

1.-Mai-Feiern gab es gestern im Westaargau in Aarau, Zofingen und Lenzburg. Nur in Aarau fand ein Umzug statt. Rund 250 Personen marschierten durch die Innenstadt und zurück zum Holzmarkt, wo das Fest mit drei Ansprachen eingeleitet wurde. Eingeladen worden waren Florian Vock (SP, Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes), Ruth Müri (Grüne, Grossrätin und Stadträtin Baden) und Endo Anaconda (Frontmann Stiller Has, Erlinsbach AG). Letzterer, nachdem er 2018 in Erlinsbach schon zu 1.-August-Redner-Ehren gekommen war.

Seine Zusage, auf dem Holzmarkt zu sprechen, begründete er damit, dass er «so etwas wie ein Revolutionsromantiker» sei. Als Jugendlicher habe er von der bewaffneten Revolution geträumt und an seiner ersten Mai-Demo ein Mao-Plakat herumgetragen. Von den Verbrechen der Kulturrevolution habe er noch nichts gewusst – und heute sei ihm klar, dass er nur seine Familie habe ärgern wollen. Von seinen sektiererischen Ansichten habe er sich verabschiedet, nicht aber von seinen Idealen, erklärte Endo Anaconda, der eigentlich Andreas Flückiger heisst.

Er arbeitete auf die unterhaltsam-sarkastische Tour ein linkes Anliegen nach dem andern ab, betonte: «Wir sind ja nicht gegen Reichtum, wir sind nur gegen Armut.» Und landete dann bei der Klimajugend, die ihm Hoffnung gibt, dass doch noch alles gut wird. «Ich würde mich gerne der Klimajugend als Interimspräsident zur Verfügung stellen, bis ihr wahlberechtigt seid», rief der 63-Jährige mit bebender Stimme.

Mehr zum Leben für Frauen

In Lenzburg betonte die Wettinger SP-Nationalrätin Yvonne Feri, das Tagesmotto «Mehr zum Leben» müsse im Speziellen für die Frauen gelten. Ihnen müsse mehr Zeit und mehr Geld zur Verfügung stehen für ihre Mehrfachaufgaben. Für sie persönlich bedeute «Mehr zum Leben», dass jede Person, die in einem Vollzeitpensum erwerbstätig sei, auch von ihrem Lohn leben könne. Es dürfe nicht sein, dass Steuern, Gebühren, Krankenkassenprämien, Mieten usw. alles auffrässen und nichts mehr zum Leben bleibe.

Beim Thema «Working Poor», sagte Feri, werde sie sauer. Wenn jemand nahezu 100 Prozent arbeite und trotzdem die Sozialhilfe einspringen müsse, um das Existenzminimum abzudecken, bedeute das, dass sich Geschäftsleute mit Steuergeldern bereicherten.

In Zofingen sagte die Aarauer SP-Grossrätin und Präsidentin der Aargauer SP Gabriela Suter unter anderem, der Schweizer Wirtschaft gehe es gut. Davon ausgehend, erklärte sie: «Wir fordern, dass die Arbeitnehmenden am Gewinn beteiligt werden.» Und für ein würdiges Leben im Alter sei mehr Rente nötig. Das Pensionskassensystem habe versagt.

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