Frauen haben ihr Handtäschli, Michael Gautschi seine Feuerwehrmontur. Ob im Kofferraum, auf dem Gepäckträger oder daheim, wo Gautschi ist, sind auch Stiefel, Hosen, Jacke und Helm. «Hätte ich die Sachen einmal nicht dabei, würde garantiert ein Alarm eingehen», sagt er.

Michael Gautschi aus Aarau Rohr ist frisch gewählter Feuerwehrkommandant der Stützpunktfeuerwehr Aarau. Per 1. Januar 2015 wird er die Nachfolge von Major Margrit Stüssi antreten. Der Stadtrat hat diese Woche seine Wahl bekannt gegeben und ihn per Amtsantritt vom Oberleutnant zum Major befördert. Ausserdem wurde er per sofort in die Feuerwehrkommission der Stadt gewählt.

Damit ist Gautschi nicht nur oberster Chef der Ortsfeuerwehr in Aarau Rohr und Biberstein, sondern leistet mit seinen 125 Mannen und Frauen auch im Stützpunktgebiet der Feuerwehr Aarau Einsätze, falls Hilfe angefordert wird. Dazu kommen 35 Autobahnkilometer auf der A1 und der T5 und die Strassen im Raum Aarau, auf denen die Stützpunktfeuerwehr Aarau für die Strassenrettung zuständig ist, sowie Einsätze im Bereich Umweltschutz, beispielsweise die Ölsperren Verschmutzungen und Unfällen auf sämtlichen Gewässern im westlichen Kantonsteil mitsamt dem Hallwilersee sowie dem östlichen Teil des Kantons Solothurn.

Viel Arbeit für jungen Vater

Als Kommandant wartet also viel Arbeit auf den jungen Vater, erst vor fünf Wochen ist sein Sohn zur Welt gekommen. Für Gautschi, der als diplomierter Elektroinstallateur bei der IBAarau im Bereich Betrieb und Technik arbeitet, und bisher in seiner Funktion als Zugsführer schon einige Stunden pro Woche in die Feuerwehr investiert hat, wird als Kommandant das Koordinieren und Delegieren wichtig.

Denn jeder Alarm landet automatisch auch beim Kommandanten. «Zur Unterstützung habe ich ein gutes Kader an meiner Seite, auf welches ich jederzeit zählen kann. Je nach Art des Alarms und Objekts bin ich froh um dessen Unterstützung.» Aber ja, es werde wohl nicht bei den zwei bis drei Feuerwehrabenden wöchentlich bleiben, sagt er. Und was sagt seine Partnerin dazu? «Sie weiss, wie das mit mir und der Feuerwehr läuft, und hat sich daran gewöhnt. Wir haben die neue Situation auch eingehend besprochen.»

20 Jahre Feuerwehr prägen

Seit 20 Jahren ist Michael Gautschi Feuerwehrmann, direkt mit 18 ist er eingetreten. Das prägt: Kommt er in ein Gebäude, checkt er automatisch, wo sich Treppenhäuser, Fluchtwege, mögliche Zugänge und grosse Menschenansammlungen befinden. «Feuerwehrblick», nennt er das. «Das kann man nicht abstellen, das passiert einfach. Das ist eine Berufskrankheit, da spreche ich für viele meiner Sorte», sagt er und lacht.

Das Amt des Kommandanten ist nun so etwas wie die logische Konsequenz – eine Familiensache quasi: Die aktuelle Kommandantin Margrit Stüssi ist die Lebenspartnerin seines Vaters, Dieter Gautschi. Und Dieter Gautschi wiederum war Stüssis Vorgänger. «Schon als Kind bin ich manchmal in Vaters Uniform herumgestiefelt», sagt Gautschi. Dass das Amt in der Familie bleibt, damit hat er kein Problem. «Jeder hat seine eigenen Vorstellungen davon, wie er das Amt ausüben will, da reden wir uns nicht rein.» Von Neidern, die ihm das Amt deshalb missgönnen, habe er nie gehört. «Natürlich werde ich deswegen angesprochen, aber damit kann ich gut leben.»

Knacknuss Altstadt

Die Stadt kennt der gebürtige Aarauer wie seinen eigenen Hosensack. «Ich weiss ganz genau, wie viele Minuten ich bis zum jeweiligen Einsatzort brauche», sagt er. Knacknüsse für einen Aarauer Feuerwehrmann seien die grossen Industriebetriebe, die weiten Quartiere und die verwinkelte Altstadt mit ihren Hinterhöfen und Ehgräben. «Ein Brand in der Altstadt ist das schlimmste Szenario für uns», sagt Gautschi denn auch.

Die Altstadt hat übrigens nicht nur bei Einsätzen ihre Tücken, auch bei der Beschaffung der Fahrzeuge: «Was ein Aarauer Feuerwehrauto werden will, muss erst einmal durch das Tor des Oberturms passen.»