Aarau

Meyerscher Grottenolm im Untergrund wieder entdeckt

Naturama-Mitarbeiter Rohner präsentiert stolz den Meyerschen Grottenolm. Auf der rechten Körperseite ist die Haut grün gefärbt. Das Tier wurde in einem Gemisch aus Alkohol und Formaldehyd konserviert. I. Sintic, A Rohner

Naturama-Mitarbeiter Rohner präsentiert stolz den Meyerschen Grottenolm. Auf der rechten Körperseite ist die Haut grün gefärbt. Das Tier wurde in einem Gemisch aus Alkohol und Formaldehyd konserviert. I. Sintic, A Rohner

Naturama-Mitarbeiter und Höhlenforscher Andreas Rohner stösst auf neue Spezies des Grottenolms. In einem Seitenstollen entdeckte Rohner den als ausgestorben geglaubten Meyerschen Grottenolm.

Am 23. März hat der Naturama-Mitarbeiter und Höhlenforscher Andreas Rohner während einer Erkundungstour durch die Meyerschen Stollen im Untergrund von Aarau einen sensationellen Fund gemacht.

In einem noch unbekannten Seitenstollen entdeckte Rohner den als ausgestorben geglaubten Meyerschen Grottenolm. Dieser wurde 1845 von dem bekannten Schweizer Naturforscher Louis Agassiz (1807–1873) während eines Besuchs der Meyerschen Stollen in Aarau erstmals entdeckt und zu Ehren von Johann Rudolf Meyer als Meyerscher Grottenolm oder in der Fachsprache als Proteus anguinus meyerii getauft.

«Mit 10 cm Länge ist der Meyersche Grottenolm klein von Wuchs, die Haut wirkt blass und anämisch. Die Augen sind von Haut überwachsen. Wunderlich sind die grünlich-blauen Punkte auf der Bauchseite, die ihn von allen bisher bekannten Arten unterscheidet. Seine Extremitäten scheinen dürr, seitlich des länglichen Kopfes stehen beidseitig je drei Paar Kiemenbüschel ab. Ein gar greuliches Höhlengewürm», so die zeitgenössische Beschreibung von Agassiz.

Das Höchstalter dieser wunderlichen Tiere wurde bisher auf rund 80 Jahre geschätzt. Nach Meinung der Experten könnte dieses aber durchaus auch deutlich höher sein. Vielleicht haben wir es in diesem Fall deshalb sogar mit einem überlebenden Exemplar aus dem 19. Jahrhundert zu tun.

Grüne Färbung ist speziell

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts, also rund 100 Jahre nach der Erstentdeckung, konnte das Rätsel um die grünen Punkte mithilfe eines alten Trockenpräparates aus der Sammlung des damaligen Natur- und Heimatmuseums Aarau gelüftet werden: Zur Zeit von J. R. Meyer wurden die Stollen regelmässig begangen. Durch das Licht und dem Kohlendioxid in der Ausatmungsluft der Arbeiter konnten an Wänden und auf dem Grund des unterirdischen Wasserlaufs zunächst Blaualgen, später einzellige Grünalgen gedeihen. Diese dienen dem M. Grottenolm als Ergänzung seines normalen Nahrungsspektrums, das aus kleinen Krebstieren, Würmern und Asseln besteht.

Die Algenzellen verdaut der Grottenolm allerdings nicht vollständig, sondern baut die grünen Farbkörperchen in die Zellen rund um den bauchseitigen Verdauungstrakt ein. Eine chemische Untersuchung des Sammlungspräparats bestätigte diese Vermutung. Von einer ähnlichen Beobachtung bei Meeresschnecke Elysia chlorotica berichteten Forscher der Universität Maine (USA) erst kürzlich.

Beleuchtung könnte Ursache sein

Nach Stilllegung der industriellen Tätigkeiten der Familie Meyer geriet ein Teil der Stollen in Vergessenheit. Der Aufschluss im Bahnhof Aarau, vermehrte Begehungen und die Beleuchtung des Stollensystems führten in diesem Teil zu einer neuen Algenblüte. Dies könnte der Grund sein, für das Wiederauftauchen des Meyerschen Grottenolms.

Unklar ist, ob der Einbau der grünen Farbkörperchen zu einer neuen Art führte oder ob der allgemein bekannte Grottenolm einfach nur sehr anpassungsfähig ist. Dies soll nun in Zusammenarbeit mit dem Molekularbiologischen Institut einer bekannten Hochschule der Vergleich der DNA des neu gefundenen Exemplars mit Referenzobjekten aus verschiedenen Naturmuseen zeigen.

*Peter Jann ist Direktor des Naturama Aargau in Aarau.

Liebe Leserinnen und Leser, bei diesem Text handelt es sich um einen Aprilscherz.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1