Bezirksgericht Aarau
Messerstecherei: Asylbewerber kassiert 12 Monate Freiheitsstrafe

Das Bezirksgericht Aarau verurteilt drei Eritreer wegen versuchten Raubes und weiterer Delikte zu bedingten Strafen. Am härtesten trifft es einen Mann, der zustach, weil sein Opfer sein iPhone nicht rausrücken wollte.

Janine Gloor
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Ein Asylbewerber forderte ein iPhone und zückte ein Messer. (Symbolbild)

Ein Asylbewerber forderte ein iPhone und zückte ein Messer. (Symbolbild)

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Vor zwei Jahren sind in der Aarauer Innenstadt mehrere eritreische Asylbewerber auf eine Gruppe Freunde mit sri-lankischen Wurzeln getroffen. Die Begegnung verlief nicht friedlich. Die Eritreer wollten ein iPhone rauben, steht in der Anklageschrift. Als das Opfer dieses nicht rausrücken wollte, zückten zwei Asylbewerber ein Messer. Einer riss das iPhone an sich und rannte davon. Sein Kollege und das Opfer hinterher. Der iPhone-Räuber warf das Smartphone nach wenigen hundert Metern weg. Genützt hatte ihm der Ballastabwurf nichts, wieder einige hundert Meter später konnten ihn die Verfolger überwältigen.

Währenddessen wiederholte sich die Szene am Tatort, aber mit anderen Akteuren. Wieder forderten die Asylbewerber Geld und Natel, wieder zückte einer ein Messer. Ein Eritreer zog den Gurt aus und schlug sein Gegenüber mehrere Male. Als dieser schützend die Hände über seinen Kopf hielt, stach Bereket (alle Namen geändert) zu. Er traf den Gegner unter der Achsel. Als dieser am Boden lag, traten und schlugen die Asylbewerber auf ihn ein. Inzwischen hatte auch ein Zweiter seinen Gurt zur Waffe umfunktioniert und schlug damit auf den am Boden Liegenden ein. Erst als die Freunde des Opfers ihm zur Hilfe eilten, liessen die Eritreer von ihm ab und rannten davon. Noch in der gleichen Nacht erstatteten die Opfer Anzeige und identifizierten die festgenommenen Eritreer. Das Opfer hatte Glück im Unglück, die Stichverletzung war ungefähr drei Zentimeter tief und blutete nicht.

Emotionslose Beschuldigte

Drei der Eritreer, denen vorgeworfen wird, an diesem Abend involviert gewesen zu sein, sitzen gemeinsam vor dem Bezirksgericht Aarau. Edom und die Jugendfreunde Dawit und Bereket, alle zwischen 20 und 21 Jahre alt. An ihren schmalen Gesichtern sind ihre Gefühle nicht abzulesen. Sie sprechen leise, oft passen ihre Antworten nicht zu den Fragen. Ob es an der Übersetzung, Renitenz oder schlicht am Unverständnis liegt, ist nicht feststellbar.

Am besagten Abend seien sie in einem eritreisch-orthodoxen Gottesdienst gewesen, sagen die Eritreer, die alle Halsketten mit Kreuzen tragen. Der Gottesdienst dauerte von 21 Uhr bis 2 Uhr morgens. Dawit und Bereket beteuern, dass sie in dieser Zeit die Kirche nicht verlassen haben, auch nicht, um etwas zu essen oder zu trinken. Gerichtspräsident Reto Leiser will herausfinden, was sich während dieser Stunden in der Kirche abspielte. Ausser «beten» können die Angeklagten keine Angaben machen. Die Beschuldigungen vom Kampf mit den Sri Lankern seien Falschaussagen, sie seien Opfer, sagen Dawit und Bereket. Nur Edom, der so leise spricht, dass man ihn kaum hört, gibt zu, in dieser Nacht die Kirche verlassen zu haben. «Der Alkohol ist schuld gewesen.» Er habe mit dem Gurt zugeschlagen, sodass die Schnalle auf das Opfer traf.

Zwei Angeklagte wissen von nichts, einer ist geständig. «Am Schluss der Nacht lag jemand am Boden», fasst der Gerichtspräsident zusammen. Alle drei Eritreer werden des versuchten Raubes schuldig gesprochen. Beim geständigen Gurt-Schläger sind es acht Monate Freiheitsstrafe. Am härtesten trifft es Bereket, der nun ein verurteilter Messerstecher ist: 12 Monate Freiheitsstrafe und eine Busse von 100 Franken. Zum Raub kommen einfache Körperverletzung und geringfügige Sachbeschädigung. Sein Kollege Dawit wird zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Alle Strafen sind bedingt und an eine Probezeit von zwei Jahren gekoppelt.