Bezirksgericht Aarau

Messerattacke vor Bar: Asylbewerber muss fünf Jahre in Haft

Vor einer Aarauer Bar kam es im Oktober 2019 zu einer Messerattacke. Am Donnerstag stand der Angreifer vor Gericht. (Symbolbild)

Vor einer Aarauer Bar kam es im Oktober 2019 zu einer Messerattacke. Am Donnerstag stand der Angreifer vor Gericht. (Symbolbild)

Nach einer Rangelei ging ein Mann auf einen anderen Mann los und verletzte ihn mit einem Messer am Hals. Der Angreifer streitet die Tat vor Gericht aber ab – mit unglaubwürdigen Erklärungen.

Die Liste seiner Vorstrafen ist lang. Elfmal wurden seine Taten in das Strafregister eingetragen. Mehdi (Name geändert) sei ein unbelehrbarer Wiederholungstäter, sagte der Staatsanwalt gegenüber den Aarauer Bezirksrichtern. Mehdi, der zum Prozess im grauen Trainingsanzug und in Fussfesseln von der Polizei eskortiert wurde, musste sich wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten. Im Oktober 2019 attackierte er in den frühen Morgenstunden auf der Treppe einer Aarauer Bar einen Mann. Mit einer Klinge stach er auf sein Opfer ein und verletzte es an Ohr und Hals.

Kurz zuvor war es zwischen den beiden Männern im Inneren des rappelvollen Pubs zu einer Rangelei gekommen. «Ich sagte, hau ab, du Arsch», erinnerte sich das Opfer bei der Befragung im Gerichtssaal. Danach seien die Fäuste geflogen. Mehdi habe die Bar verlassen, sein späteres Opfer lief ihm hinterher. «Als ich nach draussen kam, stand er unterhalb der Treppe», erzählte der grosse, volltätowierte Schweizer. Er habe keinen Streit gesucht, beteuerte er weiter. «Ich wollte nur schauen, was draussen los ist.» Zu diesem Zeitpunkt sei er selber alkoholisiert gewesen, gab er zu. Er habe an jenem Abend etwa acht Bier getrunken.

Angriff vor der Bar

Draussen setzte Mehdi zur Attacke an. Mit einer Klinge bewaffnet stürmte er die Treppen hoch und verletzte sein Opfer, ehe er die Flucht ergriff. Der verletzte Mann begab sich etwas später blutend ins Spital. Seine Wunde musste mit zahlreichen Stichen genäht werden. Beim Versuch, die Attacke abzuwehren, brach er sich ausserdem einen Knochen in der Hand. Mehdi, der sich bei der Verhandlung wenig kooperativ zeigte, behauptete, das Opfer nie zuvor gesehen zu haben. Alle anderen Anklagepunkte, zehn an der Zahl, stritt er nicht ab. So wurden ihm unter anderem Diebstahl, Hausfriedensbruch, Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Ausländergesetz vorgeworfen.

Der junge Ägypter ist Asylsuchender und seit fünf Jahren in der Schweiz. Davon, so der Staatsanwalt, habe Mehdi mehr Zeit im Strafvollzug verbracht als in Freiheit. Tatsächlich wurde gegen ihn bereits 2018 die Landesverweisung verfügt. Damals befand er sich wegen früherer Straftaten im Gefängnis in Lenzburg. Doch Mehdi beschaffte die nötigen Reisepapiere zum Landesverweis nicht. Im Juli 2019 wurde er aus der Haft entlassen und zog in die Asylunterkunft in Holderbank. Nur wenige Monate später ereignete sich die Attacke in Aarau.

Unglaubwürdige Erklärungen

Auf die Fragen des Aarauer Gerichts reagierte Mehdi mit unglaubwürdigen Aussagen. So erklärte er das Blut auf seinen Schuhen damit, dass ihm diese eine Nummer zu klein waren und er sich dadurch verletzt habe. Es müsse sich um eine Verwechslung handeln.

Der Beschuldigte gehöre zu den Personen, die sich nicht an die Rechtsordnung halten können, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Für die lange Liste von Taten forderte er eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und einen Landesverweis von 20 Jahren. Mehdis Verteidigerin hatte darauf plädiert, dass sich das Opfer bei den Polizeibefragungen nur zu 75 Prozent sicher gewesen sei, dass Mehdi tatsächlich der Täter war. Ausserdem finde man am Bahnhof in Aarau etliche Männer, auf welche die Beschreibung des Täters zutreffe.

Tötung musste in Kauf genommen werden

Das Bezirksgericht Aarau verurteilte den 26-jährigen Ägypter zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Jahren und 20 Jahren Landesverweis. «Der Beschuldigte wurde von verschiedenen Personen klar als Täter identifiziert», sagte Gerichtspräsidentin Karin von der Weid. Auch die Auswertung der Antennendaten habe gezeigt, dass sich Mehdi damals in Aarau aufgehalten habe. «Wer so auf jemanden losgeht, muss in Kauf nehmen, dass das Opfer getötet werden kann», begründete die Gerichtspräsidentin den Schuldspruch wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung. Das Urteil kann ans Obergericht weitergezogen werden.

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