Aarau

Messe-Chefin: «Ich könnte an der AMA problemlos 260 Stände haben»

Messeleiterin Suzanne Galliker (55) steht vor ihrer achten AMA.

Messeleiterin Suzanne Galliker (55) steht vor ihrer achten AMA.

Suzanne Galliker spricht im Interview über die Probleme von Messen und die Notwendigkeit einer neuen Bewilligung in Aarau.

Im Zusammenhang mit der Baselworld bezeichnet Nick Hayek Messen als «veraltetes Format». Warum gilt das für die AMA nicht?

Suzanne Galliker: Die Uhren- und Schmuckmesse ist eine Fachmesse primär für Händler. Organisatorin ist die Messe Schweiz, die ganz anders funktioniert als wir privaten Veranstalter. Wir sind eine Gewerbemesse: für die Besucher eine Erlebnisveranstaltung und für die Aussteller ein Marketing- und Verkaufsinstrument.

Aber Hayek liegt doch im Internetzeitalter nicht ganz falsch?

Eine Messe an und für sich ist kein veraltetes Format. Doch wir Veranstalter müssen uns ständig anpassen – jedes Jahr. Zum Beispiel bei der Preispolitik. Leider haben wir im Moment einen etwas schlechten Groove, etwa wegen der Ereignisse rund um die Baselworld.

Die Muba und die Züspa sind eben gestorben.

Das sind Veranstaltungen der Messe Schweiz, die eine andere Philosophie hat als wir. Sie hatten zudem im städtischen Raum mit einer viel grösseren Konkurrenz zu kämpfen.

Sie haben dieses Jahr noch 230 Aussteller. Es waren auch schon 250. Was sind die Gründe für den Rückgang?

Ich könnte problemlos 260 Aussteller haben. Aber dann habe ich viel mehr Verpflegungsstände, viel mehr Wein. Der Aussteller-Mix ist sehr wichtig: Wir wollen das Niveau mindestens halten. Das gelingt uns dank grosser Anstrengungen. Doch es ist nicht mehr so, dass wir, wie noch vor zwei Jahren, aus Platzmangel guten Ausstellern absagen müssen. Wir sind dieses Jahr praktisch ausgebucht.

Hätten Sie gerne mehr Aussteller aus der Region?

Natürlich – auch weil sie uns Besucher bringen. Bei der AMA sind wir zum Glück gut in der Region verankert.

Was ist besuchermässig Ihr Ziel?

40'000 Personen wären perfekt. Das hatten wir an der ersten Austragung im Schachen. Wir hätten insbesondere am Mittwoch und Donnerstag gerne etwas mehr Leute. Am Samstag und Sonntag sind die Frequenzen immer sehr hoch.

Letztes Jahr war der «Schützen» nicht mehr dabei. Ihr neues Gastrokonzept war ein viel diskutiertes Thema. Wie sieht es dieses Jahr aus?

An der AMA wirtet die AMA – ausser im Buureland. Das hat ökonomische Gründe. Wegen des grossen Aufwandes rechnet sich das für einen Wirt alleine nicht. Da muss der Veranstalter helfen.

Und wie ist es jetzt konkret?

Wir stellen den Küchenchef und das gesamte Personal an. Leute aus der Region. Gastronomieleiter ist dieses Jahr neu Dominik Müller vom Alterszentrum Lindenhof Oftringen, das schon einige Jahre dabei ist. Das «Chalet», das wir 2018 hatten, gibt es nicht mehr. Dieses Jahr bauen wir in der Halle 3 ein sehr schönes Restaurant, die «Brasserie».

Wer ein öV-Billett vorweisen kann, erhält 50 Prozent Rabatt auf das Eintrittsbillett. Wird das stark genutzt?

Hoffentlich. Denn wir haben einfach zu wenig Parkplätze. Das ist unser grosses Problem. Wir kommen mit den Behörden besser klar, wenn wir im Schachen weniger Autos haben. Darum investieren wir erhebliche Mittel in den öV, etwa den Gratis-Shuttle vom Bahnhof.

Letztes Jahr sagten Sie an der Eröffnung: «Die AMA gehört nach Aarau.» Jetzt haben Sie Ihr Engagement beim Verein Aarauer Standortmarketing (nur noch Partner statt Mitglied) zurückgefahren. Ist da etwas im Busch?

In der Vergangenheit war es so, dass ich dem Verein einen Mitgliederbeitrag zahlte und «aarau info» an der AMA einen Stand mietete. Praktisch ein Nullsummengeschäft. Jetzt haben wir eine Partnerschaft. «aarau info» macht nun unsere Infostelle – eine bessere Lösung kann es gar nicht geben.

Die AMA Messe+Kongress AG gehört der Wigra Gruppe, die landesweit acht Messen organisiert. Ist die AMA ein gutes Geschäft?

Es ist nicht super, aber wir können leben davon. Nicht gehen würde es, wenn wir nur die AMA hätten. Es ist ein grosser Vorteil, dass der Wigra-Chef aus der Region stammt und ihm die AMA eine Herzensangelegenheit ist.

Mit der Durchführung der diesjährigen Messe läuft die fünfjährige Bewilligung für die Nutzung des Areals im Schachen ab. Haben Sie beim Stadtrat bereits ein Gesuch um Verlängerung gestellt?

Ja, Anfang Februar.

Was passiert, wenn der Stadtrat die Bewilligung nicht verlängert?

Dann sind wir gestorben. Das ist ganz klar. Ich gehe nicht mehr auf die Suche nach einem anderen Gelände – weil es in der Region Aarau keines gibt.

Und?

Aarau würde dann auch zu den Städten gehören, die keine Publikumsmesse mehr haben. Das lokale Gewerbe würde Aufträge verlieren und die beiden Vereine, die Betreiber der Reithalle und der Pferderennbahn, regelmässige Mieteinnahmen. Es gibt im Raum Aarau wirklich keinen besseren Platz als den Schachen – auch wenn man uns da relativ viele Auflagen macht. Wir haben sie in der Vergangenheit stets eingehalten und gaben zu keinen Reklamationen Anlass. Ich wiederhole die Aussage vom letzten Jahr: Die AMA gehört nach Aarau.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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