Menziken
«Gastrobetriebe sofort zu öffnen, macht wirtschaftlich keinen Sinn»

Felix Matthias vom beliebten Lokal «Huus 74» spricht Klartext: «Hetzdiskussionen sind völlig deplatziert», sagt er zur Positionierung und Wortwahl rechtsbürgerlicher Kreise. Er unterstützt den Bundesrat bei der schrittweisen Rückkehr zur Normalität.

Daniel Vizentini
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Das Führungsteam des Menziker Gastrobetriebs Huus 74 (von links): Ursi und Felix Matthias, Coni und Max Härri.

Das Führungsteam des Menziker Gastrobetriebs Huus 74 (von links): Ursi und Felix Matthias, Coni und Max Härri.

Huus74.ch

Felix Matthias ist in Menziken aktiv wie kaum ein anderer: Sei es bei seinem Einsatz als OK-Präsident des 975-Jahre-Dorffests oder zuvor der Tour-de-Suisse-Etappe, als früherer Mitarbeiter beim IV-Sekretariat oder als engagierter Redner an den Gemeindeversammlungen packt der 66-Jährige dort mit an, wo es wenig Ruhm und Ehre gibt, dafür spürbare Auswirkungen im Alltagsleben der Gemeinschaft. Dafür wird er derart geschätzt, dass er bei den letzten Gemeinderatswahlen spontan 78 Stimmen erhielt – obwohl er gar nicht kandidiert hatte.

Seit 2016 ist er, mit seiner Ehefrau Ursi und dem Ehepaar Coni und Max Härri, Eigentümer vom Hotel und Beiz Huus 74 an der Menziker Hauptstrasse. Die Gastrostätte lief vor dem Lockdown gut, «auf stabiler, mittlerer Flughöhe», wie er sagt. Anfang 2022 wird sie einem neuen Pächterpaar übergeben.

Öffnung schafft nur Ausgaben, denn die Gäste kommen nur zögerlich

Klar haben die Massnahmen des Bundes zur Eindämmung der Pandemie auch das «Huus 74» getroffen. Doch Felix Matthias warnt: Eine sofortige Öffnung der Beizen, wie es gewisse Kreise fordern, könnte als Schuss nach hinten losgehen – und zwar wirtschaftlich. Er sagt:

«Es ist finanziell viel aufwendiger, wenn ich offen haben muss, aber keine Gäste habe.»

So war es nach der ersten Welle: Die meisten Menschen meiden das Ansteckungsrisiko. «Wir hatten Anlässe, bei dem 80 Personen angemeldet waren und am Schluss etwas mehr als 20 kamen», sagt er. «Jetzt kommt es niemanden in den Sinn, ein Fest zu planen.»

Die Beiz drei oder vier Wochen länger zuzuhalten, darauf käme es jetzt auch nicht an. Wichtiger sei vielmehr, gerade die heikle Phase der Wiederöffnungen intelligent zu überbrücken, um eine dritte Welle zu vermeiden. «In Österreich steigen die Ansteckungszahlen wieder. Das ist für mich eine Referenz», sagt Felix Matthias. Als Wirt stehe es deshalb klar für eine pragmatische, schrittweise Rückkehr zur neuen Normalität.

«Was bringt es, wenn wir nochmals einen Lockdown riskieren?»

Zumal auf die «grandiose wirtschaftliche Hilfe» durch den Staat gezählt werden könne. Sie koste zwar sehr viel, «aber eine Krise kostet immer», sagt er.

«Extrem erstaunt» über die Positionierung der Rechtsbürgerlichen

«Den behutsamen Weg des Bundesrats» unterstützt Felix Matthias deshalb ganz. Und er ist «extrem erstaunt» über die Positionierung der Rechtsbürgerlichen samt derer angriffigen Wortwahl. Bundesrat Alain Berset, der den Kollegialentscheid nach aussen kommuniziert, als Diktator zu beschimpfen, sei «verrückt». Felix Matthias:

«Man verunsichert so nur die Bevölkerung in einer Zeit, in der das Vertrauen in die Entscheidungsträger gestärkt werden sollte.»

«Hetzdiskussionen und persönliche Profilierungen mit Sensationsauftritten sind deplatziert.» Dass dann Coronaskeptiker demonstrieren, sei nur die logische Konsequenz.

Felix Matthias, der politisch «ganz klar bürgerlich positioniert» ist, wünscht sich, dass die aktuelle Lage differenzierter betrachtet und «mit mehr Weitsicht über alle Parteien» unterstützt werde.

«Wir müssen jetzt halt da durch, bis wir einen gewissen Impfstatus erreicht haben.»

Als früherer Arbeiter der Gesundheitsbranche – er war mehrere Jahre lang Physiotherapeut am Spital Sursee – ist er sensibilisiert von den Langzeitfolgen der Covid-Erkrankungen, die er in seinem Bekanntenkreis sieht.