Menstruation
Gibt es an der Kreisschule Aarau-Buchs bald gratis Binden und Tampons?

Um die Menstruation zu enttabuisieren und um Schülerinnen mit knappem Budget zu helfen, fordert eine SP-Kreisschulrätin gratis Periodenhygieneprodukte an allen Schulen in Aarau und Buchs.

Nadja Rohner
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Tampons sind an wenigen Schweizer Schulen bereits gratis.

Tampons sind an wenigen Schweizer Schulen bereits gratis.

Alexandra Wey

Eine Diskussion kommt nun auch in Aarau und Buchs an: Sollen an Schulen gratis Hygieneprodukte für die Menstruation abgegeben werden, so wie WC-Papier auch? Ja, findet Kreisschulrätin Andrea Dörig (SP, Aarau). In einer Motion bittet sie die Kreisschulpflege (künftig Schulvorstand), den Bedarf an den einzelnen Schulstandorten zu eruieren und dem Kreisschulrat ein Budget für «Monatshygieneprodukte» vorzulegen. Sie spezifiziert dabei nicht, welche Produkte sie meint – es gibt ja mittlerweile eine Vielfalt davon –, aber es dürfte auf Binden und Tampons hinauslaufen. «Die Produkte der Monatshygiene sind Güter des Grundbedarfs und sollen daher für die heranwachsenden Frauen in der Schule kostenlos zur Verfügung gestellt werden», schreibt Dörig. «Durch das Bereitstellen von Hygieneartikeln kann den Schülerinnen, die ihre Periode während der Schulzeit haben, ein Gefühl der Sicherheit und Normalität vermittelt werden. Unangenehme Situationen für Schülerinnen und kurzfristige Absenzen können damit vermieden werden.»

Andrea Dörig, SP Aarau.

Andrea Dörig, SP Aarau.

Zvg

Die Massnahme trage ausserdem zur Enttabuisierung bei und unterstütze die Gesundheitsförderung. Die wiederkehrenden Kosten für Menstruationsartikel können zudem gerade für Schülerinnen aus Familien mit geringem Einkommen eine spürbare finanzielle Belastung darstellen.

In Schottland hat das Parlament 2020 entschieden, dass Tampons und Binden nicht nur in Schulen, sondern auch in anderen öffentlichen Gebäuden auf den Damen-WCs gratis angeboten werden sollen. Das kostet die öffentliche Hand voraussichtlich rund 30 Millionen Franken (umgerechnet) pro Jahr. In einer schottischen Studie mit mehr als 2000 Frauen im Jahr 2018 hatte jede Fünfte angegeben, Probleme mit der Finanzierung von Hygieneartikeln zu haben.

Grossstädte wie Paris und New York kennen Gratis-Hygieneprodukte schon seit fünf Jahren, zumindest an Uni-Toiletten. In mehreren Schweizer Städten gab es schon Vorstösse dazu. In der Waadt wird ein Pilotprojekt mit Gratis-Produkten gestartet, an dem ab 2022 über 50 Schulen teilnehmen sollen.

Auch National- und Ständerat beschäftigen sich mit diesen Fragen

Die Waadtländer Grünen-Nationalrätin Léonore Porchet fordert in einem Postulat vom Bundesrat einen Bericht über Periodenarmut und Massnahmen, um kostenlosen Zugang zu Menstruationshygieneprodukte für alle menstruierenden Personen (Frauen, aber beispielsweise auch Transmänner) zu ermöglichen. Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulats. Er schreibt: «Für verschiedene Bevölkerungsgruppen sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse je spezifische Hygieneartikel unverzichtbar. Die Einführung eines kostenlosen oder öffentlich subventionierten Zugangs zu einigen dieser Artikel würde neue Ungleichheiten schaffen und entspricht nicht marktwirtschaftlichen Prinzipien.»

Noch nicht entschieden ist auf Ebene Bundesparlament, ob der Mehrwertsteuersatz für Binden, Tampons und Slip-Einlagen von 7,7 Prozent auf 2,5 Prozent gesenkt werden soll, wie das für lebensnotwendige Güter üblich ist. Der Nationalrat hat eine entsprechende Motion von Jacques-André Maire (SP, Neuchâtel) angenommen, auch der Bundesrat ist dafür. Im Ständerat wurde sie noch nicht behandelt.