«Blumen für die Kunst»
Meisterfloristin Angela Kaspar hat ein Geheimnis – sie lüftet es am Montag in Aarau

Am Montag feiert «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus Vernissage. Mit dabei ist die Aargauer Meisterfloristin Angela Kaspar (34). Wir haben Sie besucht.

Katja Schlegel
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«Die Auswahl ist eine enorme Wertschätzung», sagt Angela Kaspar. Die Meisterfloristin stammt ursprünglich aus dem Wynental.
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«Die Auswahl ist eine enorme Wertschätzung», sagt Angela Kaspar. Die Meisterfloristin stammt ursprünglich aus dem Wynental.
«Die Auswahl ist eine enorme Wertschätzung», sagt Angela Kaspar. Die Meisterfloristin stammt ursprünglich aus dem Wynental.
Angela Kaspar

«Die Auswahl ist eine enorme Wertschätzung», sagt Angela Kaspar. Die Meisterfloristin stammt ursprünglich aus dem Wynental.

Chris Iseli

Manchmal reicht ein Tannzäpfchen. Ein kleines, feines Tannzäpfchen, in seiner ganzen schönen Einfachheit – und Angela Kaspar ringt um Fassung. «Das tönt verrückt, nicht wahr», sagt sie und lacht. Aber genau so ist es. Und es ist das, was sie zu einer Meisterin ihres Fachs macht, zu einer Meisterfloristin. Diese Liebe zum Natürlichen. Das Auge, in der Einfachheit die Schönheit zu sehen – und sie für Dritte sichtbar zu machen.

Jetzt wird ihr aufgrund ihres Talents eine ganz spezielle Ehre zuteil: Angela Kaspar (34) ist eine der 14 Floristinnen und Floristen, die ab Montag im Aargauer Kunsthaus am Publikumsmagneten «Blumen für die Kunst» ausstellen.

Nägeli auf dem Pfaffenberg

Heute wohnt Angela Kaspar in Zürich, in Olten leitet sie die Filiale von Meisterflorist Philipp von Arx, Mitorganisator von «Blumen für die Kunst» . Ursprünglich aber stammt Kaspar aus dem Wynental. Aufgewachsen ist sie in Oberkulm, in einem alten Bauernhaus auf dem Pfaffenberg, umgeben von einem riesigen Blumengarten. «Ein ganzer Garten voller Bartnägeli, wunderschön.» Und ja, eigentlich sei immer klar gewesen, dass Blumen auch ihre Berufung sein würden. «Es gab für mich nichts anderes, als Floristin zu lernen», sagt sie.

Meister und Talente: «Floristik ist mehr als nur Blumen binden»

Wer an «Blumen für die Kunst» mitwirken und ein ausgesuchtes Kunstwerk floral interpretieren darf, der erlangt damit einen Ritterschlag. Rund 17'000 Besucherinnen und Besucher werden am Event im Aargauer Kunsthaus erwartet, national wie international wird in Magazinen, Zeitungen und Fernsehbeiträgen über die Ausstellung berichtet. Zuteil wird diese Ehre jedes Jahr nur gerade einem illustren Kreis von 14 Schweizer Meisterfloristinnen und -floristen sowie Jungtalenten. Die Auswahl trifft der Verein «Flowers to Arts» aus Zürich, der die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Aarauer Kunsthaus organisiert.

Mediensprecherin Julia Antoniou: «Die Auswahl wird nicht aufgrund von Bewerbungen, sondern von Empfehlungen getroffen.» Dazu stehe das Projektteam, bestehend aus Meisterfloristen, Dozenten sowie Fachleuten aus dem kunsthistorischen und kulturellen Bereich, in ständigem Austausch mit den Ausbildungsstätten für Floristen. «Die Floristen-Szene ist klein, da kennt man sich sehr gut», sagt Antoniou.

Dass dieses Jahr der international gefragte Floral Designer und Doktor der Philosophie Solomon Leong aus Hongkong an «Blumen für die Kunst» teilnimmt, ist für die Organisatoren wie ein Sechser im Lotto. «Leong nimmt aktuell an der Weltmeisterschaft der Floristen in Philadelphia teil und kommt quasi auf dem Heimweg zu uns nach Aarau», sagt Julia Antoniou. Zusammen mit dem Schweizer Meisterfloristen Philipp von Arx aus Olten werde Leong an einer Live-Demo Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Blumenverwendung, -gestaltung und -symbolik erlebbar machen.

Weiter wirken folgende Floristinnen und Floristen an der Ausstellung mit: Luzia Blessner aus Bronschhofen (SG), Franziska Bürgi Rey aus Kreuzlingen (TG), Sonja Egli aus Schwyz, Rémy Jaggi aus Trélex (VD), Doris Haller aus Baden, Christoph Klein aus Zürich, Katrin Keller aus Appenzell, Larissa Kopp aus Sursee, Peter Hintermann aus Zürich, Peter Schwitter aus Buochs (NW), Simone Serra-Helbling aus Gommiswald (SG), Gianni Stefanini aus Zürich und Marcus Forster aus Winterthur. Letzterer sagt über seine Teilnahme an «Blumen für die Kunst»: «Wir Floristen setzen uns eingehend mit Formen, Farben und der Natur auseinander. Ich möchte den Leuten zeigen, dass Floristik mehr ist als Blumen binden.» (ksc)

Ihre Lehre machte sie in Gränichen, im «Blatt & Blüte». Danach zog es sie in die Höhe, ins Fünf-Sterne-Haus «Parkhotel Gstaad». «Mich reizte die Vorstellung, ein ganzes Haus mit Blumen mitzugestalten», sagt sie. Also nicht einfach nur Sträusse binden, sondern Arrangements auf den architektonischen Stil, auf die Einrichtung abzustimmen. «So werden Blumen Teil eines grossen Ganzen, das gefällt mir.»

Eine Herangehensweise, die ihrer aktuellen Vorbereitung für die Ausstellung im Kunsthaus nicht unähnlich ist. Auch hier geht es um den perfekten Dialog zwischen Blumen und Kunst. Wobei die Herausforderung für «Blumen für die Kunst» noch etwas grösser sei. «Auch wenn es kein Wettbewerb ist, so will man doch sein Bestes zeigen», sagt sie. Nie bekommen so viele Leute eine floristische Interpretation zu Gesicht, rund 17 000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet, viele davon vom Fach. Dazu sei alles auf die Kunst und die Blumen reduziert. Da lenkt kein Teppich, kein Vorhang, kein Tischtuch ab, da gibt es nur das Bild und die Blumen vor weissen Wänden.

Mottenfreie Federn

Es ist nicht das erste Mal, dass Angela Kaspar bei «Blumen für die Kunst» dabei sein darf. 2017 stellte sie gemeinsam mit Philipp von Arx aus. Aber jetzt tritt sie das erste Mal allein an. Ausgewählt worden zu sein, empfindet sie als Wertschätzung. «Dann weiss man, dass sich all die Arbeit gelohnt hat.» Doch mit der Auswahl fängt auch eine anstrengende Zeit an. Immer hatte sie ihren Skizzenblock im Rucksack, um Ideen zu notieren. «Man hirnt ständig daran herum», sagt sie. Die spezielle Herausforderung: Die Regeln für die Arrangements sind streng, sie müssen museumstauglich sein. Alte Hölzer beispielsweise sind tabu, allfälligen Pilzen und Schwämmen wegen. Ebenso grosse Vasen mit viel Wasser, die Besucher umstossen könnten. Und Federn oder Samen müssen erst behandelt werden, damit keine Keime oder Motten ins Museum geschleppt werden, die die Werke befallen könnten.

«Blumen für die Kunst» 2017:

Florale Interpretation von Philipp von Arx und Angela Kaspar, Olten zum Werk von John M. Armleder, Staz, 2012
15 Bilder
Blumen für die Kunst 2017
Florale Interpretation von Andreas Geissmann, Untervaz zum Werk von Otto Wyler, Dame im Kimono, 1912
Florale Interpretation von Myrta Frohofer, Unterengstringen zum Werk von Hans Richter, Cello, 1914
Florale Interpretation von Heidi Bisang und Anna Heuer, Solothurn zum Werk von Thomas Flechtner, Higashi-Mokoto, 2004
Florale Interpretation von Sonja Egli, Schwyz zum Werk von Silvia Bächli, Floréal Nr. 9, 1999
Work in Progress im Innenhof Urs P. Twellmann, Bildhauer, Schlosswil tête à tête, zwei Fichten, 700-teilig
Florale Interpretation von Urs Iten, Wettingen zum Werk von Annelies Štrba, Sonja mit Wasserglas, 1991
Florale Interpretation von Martin Grossenbacher und Team, Zürich zum Werk von Karim Noureldin, Play, 2014
Florale Interpretation von Sabrina Hegner, Näfels zum Werk von Cuno Amiet, Bauernfrau, 1906
Florale Interpretation von Otto Mattmann und Ursi Leisibach-Bucher, Hünenberg zum Werk von Paul Camenisch, Das Brautpaar (Oblomow und Oljga), 1928
Florale Interpretation von Ondrej Vystrcil, Bremgarten zum Werk von Dieter Roth, Angefangenes Bild, 1977
Florale Interpretation von Ueli Signer und Florian Seyd, Amsterdam zum Werk von Franz Gertsch, Schwarzwasser, 1990/91
Florale Interpretation von René Mutti, Zürich und Tokyo zum Werk von Olivier Mosset, Ohne Titel, 1980/81
Florale Interpretation von Remy Jaggi, Trélex zum Werk von Andrea Heller, Ohne Titel, 2014

Florale Interpretation von Philipp von Arx und Angela Kaspar, Olten zum Werk von John M. Armleder, Staz, 2012

David Aebi

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die blauen Flecken auf ihren Händen stammen von der Farbe, mit der Angela Kaspar am Morgen noch im Kunsthaus einen Sockel bemalt hat. Morgen Samstag wird sie die Blumen bestellen, noch ist sie nicht ganz schlüssig, welche es sein sollen. Und dann am Montagmorgen wird sie als allererste ins Museum gelassen, um ihre Komposition zu arrangieren. Ein bis zwei Mal wird sie die Blumen in der nächsten Woche austauschen, je nach dem, wie rasch sie welken.

Wie ihr Arrangement ausschauen wird, darüber will Angela Kaspar nicht allzu viel erzählen. Ihr Bild ist von Leo Leuppi, ein konstruktivistisches Werk aus den Fünfzigerjahren mit dem Namen «Renversement». «Das Werk lässt mir viel Spielraum», sagt sie. Sie liebe es, mit schönen, ausgereiften Farben zu spielen, den Kontrast zwischen geometrischen Formen und Organischem. Diesen Bruch schafft sie mithilfe von Holzelementen. Die dem Gemälde entnommenen Farben werden von der organischen Substanz der Blumen getroffen, durchdrungen.

Noch hat ihren Entwurf nur einer gesehen, ihr Mann. Selbst ihren Chef Philipp von Arx hat sie nicht in das Geheimnis eingeweiht. «Das wird für alle eine Überraschung.»

«Blumen für die Kunst» vom 5. bis 10. März, Vernissage am 4. März. Infos zum Programm auf aargauerkunsthaus.ch

Bilder vom Aufbau für die Ausstellung «Blumen für die Kunst» 2018:

Bilder vom Aufbau der Ausstellung «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus in Aarau
23 Bilder
Florale Interpretation von Susan Rüsch, Meisterfloristin, Uitikon und Sabine Rüsch, Teufen, (nicht im Bild) zum Werk von Renée Levi, Viola, 2014, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Susan Rüsch, Meisterfloristin, Uitikon und Sabine Rüsch, Teufen, (nicht im Bild) zum Werk von Renée Levi, Viola, 2014, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Susan Rüsch, Meisterfloristin, Uitikon und Sabine Rüsch, Teufen, zum Werk von Renée Levi, Viola, 2014, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Susan Rüsch, Meisterfloristin, Uitikon und Sabine Rüsch, Teufen, (nicht im Bild) zum Werk von Renée Levi, Viola, 2014, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Isabelle Becker, Zug zum Werk von Hannah Villiger, Block I, 1988, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Isabelle Becker, Zug zum Werk von Hannah Villiger, Block I, 1988, (nicht im Bild) in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Isabelle Becker, Zug zum Werk von Hannah Villiger, Block I, 1988, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Isabelle Becker, Zug zum Werk von Hannah Villiger, Block I, 1988, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer und Annina Ruch (im Bild), St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer und Annina Ruch, St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer, rechts, und Annina Ruch, links, St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer und Annina Ruch, St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Claudia Lischer und Annina Ruch, St. Moritz, zum Werk von Ugo Rondinone, siebteraprilneunzehnhundertzweiundneunzig, 1992, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Im oberen Stockwerk des Kunsthauses werden die Besucher durch das Arrangement der St. Galler Floristin Sandra Diener begrüsst. Sie interpretiert «Through the Bamboo Grove» von Mireille Gros.
Florale Interpretation von Sandra Diener, St. Gallen, zum Werk der Künstlerin Mireille Gros, Trough the Bamboo Grove, 2010, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Lisa Pellanda, Losone TI, zum Werk von Patrick Rohner, Ohne Titel, 1999, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.
Florale Interpretation von Sandra Diener, St. Gallen, zum Werk der Künstlerin Mireille Gros, Through the Bamboo Grove, 2010, in der Ausstellung „Blumen für Kunst“ am 5. März 2018 im Aargauer Kunsthaus in Aarau.

Bilder vom Aufbau der Ausstellung «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus in Aarau

Severin Bigler