Manchmal reicht ein Tannzäpfchen. Ein kleines, feines Tannzäpfchen, in seiner ganzen schönen Einfachheit – und Angela Kaspar ringt um Fassung. «Das tönt verrückt, nicht wahr», sagt sie und lacht. Aber genau so ist es. Und es ist das, was sie zu einer Meisterin ihres Fachs macht, zu einer Meisterfloristin. Diese Liebe zum Natürlichen. Das Auge, in der Einfachheit die Schönheit zu sehen – und sie für Dritte sichtbar zu machen.

Jetzt wird ihr aufgrund ihres Talents eine ganz spezielle Ehre zuteil: Angela Kaspar (34) ist eine der 14 Floristinnen und Floristen, die ab Montag im Aargauer Kunsthaus am Publikumsmagneten «Blumen für die Kunst» ausstellen.

Nägeli auf dem Pfaffenberg

Heute wohnt Angela Kaspar in Zürich, in Olten leitet sie die Filiale von Meisterflorist Philipp von Arx, Mitorganisator von «Blumen für die Kunst» . Ursprünglich aber stammt Kaspar aus dem Wynental. Aufgewachsen ist sie in Oberkulm, in einem alten Bauernhaus auf dem Pfaffenberg, umgeben von einem riesigen Blumengarten. «Ein ganzer Garten voller Bartnägeli, wunderschön.» Und ja, eigentlich sei immer klar gewesen, dass Blumen auch ihre Berufung sein würden. «Es gab für mich nichts anderes, als Floristin zu lernen», sagt sie.

Ihre Lehre machte sie in Gränichen, im «Blatt & Blüte». Danach zog es sie in die Höhe, ins Fünf-Sterne-Haus «Parkhotel Gstaad». «Mich reizte die Vorstellung, ein ganzes Haus mit Blumen mitzugestalten», sagt sie. Also nicht einfach nur Sträusse binden, sondern Arrangements auf den architektonischen Stil, auf die Einrichtung abzustimmen. «So werden Blumen Teil eines grossen Ganzen, das gefällt mir.»

Eine Herangehensweise, die ihrer aktuellen Vorbereitung für die Ausstellung im Kunsthaus nicht unähnlich ist. Auch hier geht es um den perfekten Dialog zwischen Blumen und Kunst. Wobei die Herausforderung für «Blumen für die Kunst» noch etwas grösser sei. «Auch wenn es kein Wettbewerb ist, so will man doch sein Bestes zeigen», sagt sie. Nie bekommen so viele Leute eine floristische Interpretation zu Gesicht, rund 17 000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet, viele davon vom Fach. Dazu sei alles auf die Kunst und die Blumen reduziert. Da lenkt kein Teppich, kein Vorhang, kein Tischtuch ab, da gibt es nur das Bild und die Blumen vor weissen Wänden.

Mottenfreie Federn

Es ist nicht das erste Mal, dass Angela Kaspar bei «Blumen für die Kunst» dabei sein darf. 2017 stellte sie gemeinsam mit Philipp von Arx aus. Aber jetzt tritt sie das erste Mal allein an. Ausgewählt worden zu sein, empfindet sie als Wertschätzung. «Dann weiss man, dass sich all die Arbeit gelohnt hat.» Doch mit der Auswahl fängt auch eine anstrengende Zeit an. Immer hatte sie ihren Skizzenblock im Rucksack, um Ideen zu notieren. «Man hirnt ständig daran herum», sagt sie. Die spezielle Herausforderung: Die Regeln für die Arrangements sind streng, sie müssen museumstauglich sein. Alte Hölzer beispielsweise sind tabu, allfälligen Pilzen und Schwämmen wegen. Ebenso grosse Vasen mit viel Wasser, die Besucher umstossen könnten. Und Federn oder Samen müssen erst behandelt werden, damit keine Keime oder Motten ins Museum geschleppt werden, die die Werke befallen könnten.

«Blumen für die Kunst» 2017:

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die blauen Flecken auf ihren Händen stammen von der Farbe, mit der Angela Kaspar am Morgen noch im Kunsthaus einen Sockel bemalt hat. Morgen Samstag wird sie die Blumen bestellen, noch ist sie nicht ganz schlüssig, welche es sein sollen. Und dann am Montagmorgen wird sie als allererste ins Museum gelassen, um ihre Komposition zu arrangieren. Ein bis zwei Mal wird sie die Blumen in der nächsten Woche austauschen, je nach dem, wie rasch sie welken.

Wie ihr Arrangement ausschauen wird, darüber will Angela Kaspar nicht allzu viel erzählen. Ihr Bild ist von Leo Leuppi, ein konstruktivistisches Werk aus den Fünfzigerjahren mit dem Namen «Renversement». «Das Werk lässt mir viel Spielraum», sagt sie. Sie liebe es, mit schönen, ausgereiften Farben zu spielen, den Kontrast zwischen geometrischen Formen und Organischem. Diesen Bruch schafft sie mithilfe von Holzelementen. Die dem Gemälde entnommenen Farben werden von der organischen Substanz der Blumen getroffen, durchdrungen.

Noch hat ihren Entwurf nur einer gesehen, ihr Mann. Selbst ihren Chef Philipp von Arx hat sie nicht in das Geheimnis eingeweiht. «Das wird für alle eine Überraschung.»

Bilder vom Aufbau für die Ausstellung «Blumen für die Kunst» 2018: