Aarau
Meinungen zu den Energiezielen: Strom sparen soll am liebsten die Stadt

Die Auswertung der Vernehmlassung zum Energie-Aktionsplan 2016–2022 zeigt: Die Einwohner der Stadt Aarau finden jene Energieziele am besten, die sie nicht direkt betreffen.

Sabine Kuster
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Der künftige Anteil des Solarstroms am Gesamtverbrauch der Stadt Aarau ist im Massnahmenplan nicht mehr vorgegeben –im Bild die Solar-Blume vor dem Gebäude der IBAarau.

Der künftige Anteil des Solarstroms am Gesamtverbrauch der Stadt Aarau ist im Massnahmenplan nicht mehr vorgegeben –im Bild die Solar-Blume vor dem Gebäude der IBAarau.

Mario Heller

Die Stadt Aarau soll ihre Liegenschaften energieeffizienter beleuchten. Da gibt es niemanden, der dagegen ist. Einer findet es nicht so gut, einer stimmte neutral und der ganze Rest der 48 Aarauer oder Gruppierungen, die ihre Meinung geäussert haben, ist dafür.

Der Fonds

Energieeffizienz wird künftig mit einem Spezialfonds der Stadt finanziert. Dieser wird gespeist mit einer Abgabe auf den Stromverbrauch: Die Kilowattstunde wird um 0,25 Franken teurer. Für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3500 kWh/Jahr entspricht dies jährlich Fr. 8.75 Mehrkosten. Ein Unternehmen mit einem Verbrauch von 250 000 kWh/Jahr bezahlt ein Plus von 625 Franken. Das genaue Reglement soll bis im Juli ausgearbeitet und Ende Jahr dem Einwohnerrat vorgelegt werden.

Es ist kein Wunder, dass die Aarauerinnen und Aarauer die einfachsten Ziele zum Energiesparen am besten finden – und speziell jene, die sie nicht betreffen. Das zeigt die Auswertung der Vernehmlassung zum Energie-Aktionsplan 2016–2022.

Doch die städtischen Bauten und Fahrzeuge machen nur zwei Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der Stadt aus. Mit den dortigen Verbesserungen alleine werden Aaraus Energieziele also mitnichten erreicht werden können. Der Stadtrat schätzt sie dennoch nicht gering: «Auch die Vorbildfunktion der Stadt ist wichtig», heisst es im Fazit.

Generell grosse Zustimmung

Die Interessierten

Von Mitte November bis Mitte Dezember 2014 konnten die Aarauer die geplanten Energiesparmassnahmen beurteilen und Stellung dazu nehmen. Teilgenommen haben an der Vernehmlassung 34 Einzelpersonen, 8 Parteien und 6 Organisationen: Die IBAarau, AAR Bus+Bahn, der Quartierverein Scheibenschachen, der Verein ESAK, Pro Velo Region Aarau und die Bürgerinitiative Alte Badi.

Der Paragraf 10b3

In der Gemeindeordnung der Stadt Aarau ist seit 2012 festgehalten: «Die Stadt setzt sich (...) ein für die Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft, insbesondere für a) die Förderung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energiequellen, b) eine Reduktion des Energieverbrauchs auf durchschnittlich 2000 Watt Dauerleistung pro Einwohner, c) eine Reduktion des primärenergie-bedingten Treibhausgasausstosses auf eine Tonne CO2-Äquivalente pro Einwohner und Jahr.»

Repräsentativ ist die Auswertung der 48 Stellungnahmen nicht. Auch haben wohl eher jene daran teilgenommen, denen Energieeffizienz am Herzen liegt. «Wir haben nicht erhoben, wie die Teilnehmer der Energiepolitik gegenüberstehen», sagt Schib. Kritiker seien aber auch darunter gewesen. Dies zeige sich daran, dass die Beurteilung der Einzelpersonen zurückhaltender ausgefallen sei als jene der – mehrheitlich umweltfreundlich eingestellten – Gruppierungen.

Vorschläge wurden umgesetzt

Trotz der grossen Zustimmung hat der Stadtrat aufgrund von Vorschlägen in den Rückmeldungen einige Massnamen geändert.

Vom Förderprogramm für energieeffiziente Gebäude sollen nur jene profitieren, die eine energetische Analyse haben machen lassen, also im Besitz eines Gebäudeausweises der Kantone, GEAK Plus, sind.

Die Forderung, dass Gebäudebesitzer verpflichtet werden sollen, sich ans Fernwärmenetz anzuschliessen, ist derzeit laut Stadtrat nicht umsetzbar, da der Aufwand nicht für alle verhältnismässig sei. Doch die Anschlusspflicht soll verbindlich werden, falls die Ziele der angestrebten 2000-Watt-Gesellschaft nicht erreicht werden können.

Stadtrat Werner Schib: «Wir haben nicht erhoben, wie die Teilnehmer der Energiepolitik gegenüberstehen»

Stadtrat Werner Schib: «Wir haben nicht erhoben, wie die Teilnehmer der Energiepolitik gegenüberstehen»

Ammon Karin

Das Energiesparen soll nicht nur bei Gebäuden, Geräten und der Beleuchtung gefördert werden, sondern auch im Bereich Mobilität. Wie genau, ist eine Arbeitsgruppe bis Ende Jahr am Erarbeiten. Die Möglichkeiten sind allerdings beschränkt und werden nur indirekt den Benzinverbrauch betreffen: Ausbau der Hybridbus-Flotte, Tankmöglichkeiten für Elektroautos und Förderung von E-Bikes.

Gestrichen wird die Vorgabe, wie hoch der Solarstrom-Verbrauch bis 2035 sein soll. Ursprünglich sollte er bis dahin 10 Prozent des Gesamtverbrauches betragen. Doch nun, da der Bundesrat ab 2018 den Strommarkt liberalisieren will, kann die Stadt ihren Bürgern den Anteil erneuerbarer Energie nicht mehr vorschreiben. Denn die Bevölkerung ist künftig frei, nicht bei der städtischen Energiefirma IBAarau einzukaufen. Die IBAarau ist weiterhin verpflichtet, bis 2035 zu 90 Prozent erneuerbaren Strom zu produzieren.

Keine Abgabe für Erdgasbezüger

Nicht umgesetzt wird die Forderung, dass auch Erdgasbezüger eine Energie-Abgabe bezahlen sollen. «Dies würde zu einer Bevorteilung der Besitzer einer Ölheizung führen», sagt Werner Schib, «das wollen wir unbedingt vermeiden.» Die Abgabe wird es ausschliesslich beim Strom geben, da alle Strom beziehen. Wenn auch manche mehr als andere, wenn sie zum Beispiel mit Strom statt Gas kochen oder ihre umweltfreundlichen Fernwärmepumpe mit Strom antreiben müssen. «Der Zuschlag wird immer eine gewisse Ungerechtigkeit in sich haben», sagt Schib dazu, «es wird nie genau passen.»

Die Umsetzung aller Massnahmen wird eine Energiekommission überprüfen, welche noch zu gründen ist. Der Start ist im nächsten Jahr, die Ergebnisse, bzw. hoffentlich die Zwischenerfolge, sollen ab dann jährlich kommuniziert werden.

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