Momentaufnahme
Mehr Verzeigungen, neue Hotspots: Spurensuche im Drogen-Aarau

Dieses Jahr verzeigte die Stadtpolizei deutlich mehr Personen wegen Dorgenkonsums. Im Sommer 2015 und bis im Frühjahr 2016 war die Situation am Balänenweg unerträglich. Mittlerweile hat sich der Hotspot verschoben.

Ann-Kathrin Amstutz und Urs Helbling
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Spurensuche im Drogen-Aarau
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In der Kantonshauptstadt hat es keine offene Drogenszene.
2015 verzeigte die Stadtpolizei 45 Personen wegen Drogendelikten.

Spurensuche im Drogen-Aarau

Ann-Kathrin Amstutz

In der Kantonshauptstadt hat es keine offene Drogenszene. Aber es wird gehandelt und konsumiert. Oft verdeckt, meistens in der Nähe des Bahnhofes sowie der Kantons- und Berufsschulen. Die az wurde von Lesern darauf aufmerksam gemacht, am Balänenweg und östliche des Zickzack-Weges seien immer wieder Süchtige zu sehen. Die Redaktion hat in den letzten Wochen mehrfach einen Augenschein genommen – und eindeutige Spuren gefunden, wie die obenstehenden Fotos belegen.

Material aus Zürich

Nachfrage bei einer Frau, die besonders oft am Balänenweg unterwegs ist. Helen Loss (69) engagiert sich bei der Güselwehr, entfernt Abfall, säubert Wege und Plätze. Sie berichtet: «Im Sommer 2015 und bis im Frühjahr 2016 war die Situation am Balänenweg unerträglich. Immer wieder drückten sich auffällige Gestalten herum. Fast täglich lagen gebrauchte Spritzen, Drogenutensilien von der Abgabestelle Kanonengasse Zürich und selten sogar ungebrauchte Spritzen offen auf dem Weg.» Allein an einem Samstagmorgen habe sie vier gebrauchte Spritzen im Gras bei der Turnhalle Balänenweg gefunden.

Helen Loss hat die Spritzen mehrmals auf den Polizeiposten gebracht. Das nützte. «Nachdem die Polizei öfters Kontrollen machte, hat sich die Situation stark gebessert», erklärt Helen Loss. «Obwohl noch ab und zu Verpackungspapier von Spritzen herumliegt, kann man nicht mehr von einer ‹Drogenszene Balänenweg› sprechen. Dafür sind die Anwohner und Benützer des Weges der Polizei dankbar.»

Funde unter der Aare-Brücke

Die Szene hat sich verlagert. Das zeigt die Beobachtung eines weiteren Mitglieds der Güselwehr. Andreas Brändli war vor zehn Tagen unterwegs: «Ich habe am Donnerstagmorgen im Bereich des Zurlindenstegs geputzt. Sowohl auf der Seite der ehemaligen Stadtgärtnerei als auch auf der Seite des Inselis fand ich unter der Brücke viel Abfall, der von Drogensüchtigen stammen muss. So eine ganze Schachtel mit ungebrauchten Spritzen. Aber auch gebrauchte Spritzen. Und etwa 20 ungeöffnete Briefchen mit Ascorbin-Säure. Es hatte zudem Flaschen mit Wasser, wie es die Süchtigen brauchen.»

2016 bereits 76 Verzeigungen

Wie besorgniserregend ist die Situation wirklich? Nachfrage bei Daniel Ringier, dem Chef der Stadtpolizei Aarau. Er weist als Erstes darauf hin, dass die Stadtpolizei nur berechtigt und verpflichtet ist, den geringfügigen Besitz und Konsum von Betäubungsmitteln zu ahnden. Für alle andern Drogendelikte, insbesondere das Dealen, ist die Kantonspolizei zuständig.

2015 verzeigte die Stadtpolizei 45 Personen wegen Drogendelikten. Davon konnten 25 Fälle mittels Ordnungsbussen erledigt werden. Dieses Jahr stieg die Zahl der Verzeigungen massiv an: Bis Ende September waren es bereits 76 (davon 51 Ordnungsbussen).

Die Stadtpolizei macht in der Regel keine Jagd auf Drogenkonsumenten, sondern kontrolliert im Rahmen des täglichen Patrouillendienstes. Aber: «Schwerpunktkontrollen finden dann statt, wenn die Stadtpolizei eine erhöhte Tätigkeit selber feststellt oder eine Massierung von Meldungen eingeht und dadurch die Lage zu eskalieren droht», erklärt Ringier. Die Drogenszene passe sich dem Polizeidruck rasch an. Darum müsse die Polizei immer wieder umdisponieren. «Die Hotspots im Bereich Drogenkonsum sind primär der Grossraum um den Bahnhof und die Innenstadt und sekundär die angrenzenden Quartiere sowie die Verbindungswege zur Telli», so Ringier.

Die Situation im Drogenbereich habe sich, was den Zuständigkeitsbereich der Stadtpolizei anbelangt, seit Jahren eingependelt. «Es gibt Jahre mit mehr Aktivität und solche mit weniger», sagt Ringier. Und: «Die Delikte finden permanent statt. In der warmen Jahreszeit vermehrt sichtbar im öffentlichen Raum. In der kalten Jahreszeit weniger.»