Die Volkshochschule – eine Institution, der etwas Verstaubtes anhängt, der Ruf eines Seniorenklubs. Zu Unrecht, wie die aktuellen Kursangebote der elf Aargauer Sektionen zeigen. Doch so, wie die Art der Angebote je nach Region variieren, so gross sind auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Sektionen. Während beispielsweise die Sektion Wynental einen Publikumserfolg nach dem anderen landet, ringt die Sektion Aarau mit dem Überangebot der Kantonshauptstadt.

Das war früher ganz anders: Wer etwas auf sich hielt, besuchte die Volkshochschule, kurz VHS. Bildung, lebenslanges Lernen, das waren die Zauberworte, es war das, was diese Generation von jener ihrer Eltern abhob. Es ging um Wissenschaft und Kunst im allgemeinen, humanistischen Sinn, um die Bildung des Bürgertums. Selbstverständlich gab es auch in Aarau eine Volkshochschule, neu gegründet im Oktober 1964 von einer Gruppe von Mittelschullehrern (erste VHS-Veranstaltungen fanden bereits in den Fünfzigerjahren statt). Angeboten wurden Vorträge zu Themen wie «Elementare Begriffe der modernen Mathematik» oder «Die Religionen im Römerreich».

Konkurrenz an jeder Ecke

Doch die Zeiten haben sich geändert. Zwar bietet die Volkshochschule Aarau noch immer ein breites Programm an Veranstaltungen aus den Themengebieten Kultur/Literatur, Natur, Gestalten/Musik und Spiel sowie Sprachen an, aber die Konkurrenz macht ihr zu schaffen. «Kurse für Bewegung oder Sprachen beispielsweise findet man hier an jeder Ecke», sagt Vorstandsmitglied Bettina Mayer Saurer. Dazu kommt die Überalterung der treuen VHS-Besucherschaft. Die Folgen: Die Teilnehmerzahlen befinden sich im Sinkflug – ein neues Phänomen, wie Bettina Mayer Saurer sagt, so richtig erklären kann sich der Vorstand dieses nicht. Doch die Situation ist kritisch: «Verschärft wird sie durch den Umstand, dass die Stadt die Unterstützungsbeiträge empfindlich gekürzt hat.» Im Klartext heisst das? «Es sieht nicht gut aus für die Volkshochschule Aarau», sagt Bettina Mayer Saurer.

Die Köpfe in den Sand stecken wollen die Vorstandsmitglieder trotz allem noch nicht. Statt auf Kurse in den Bereichen Sprache und Bewegung setzt der Vorstand weiterhin auf den humanistischen Bildungsgedanken. «Wir erachten es als unser Ziel, den Bürgern das Werkzeug mitzugeben, um zu handeln und ihre Persönlichkeit zu entwickeln – ohne uns als akademisch herauszuheben und ohne Wirtschaftlichkeit und Profit», sagt Bettina Mayer Saurer. So sind die Themen nicht nur nahrhaft, sondern auch unterhaltsam – und viele brandaktuell: «Adoleszenz – die Zeit des Aufruhrs» beispielsweise, «Rumänien & Katalonien – zwei verkannte Regionen Europas», «Nonverbale Kommunikation» oder «Frauen in der Naturwissenschaft».

Kehrtwende schaffen

Bei allem Altbewährtem gibt es auch Neuerungen: So werden beispielsweise seit wenigen Wochen sämtliche Angebote aller elf Aargauer VHS-Sektionen auf einer gemeinsamen, einheitlichen Website geführt. Hier ist es auch möglich, online Kurse zu buchen (weiterhin auch telefonisch oder per Post möglich). Neu werden auch Kurse in Kleingruppen mit fünf Teilnehmern durchgeführt. Und der Vorstand will mit der Auswahl der Kursthemen nebst dem langjährigen, älteren Publikum zunehmend auch ein neues, junges Publikum ansprechen: «Wir möchten uns mit dem Angebot künftig auch speziell an junge Eltern richten, beispielsweise mit Vorträgen zu Erziehung oder Ernährung», sagt Bettina Mayer Saurer. «Wir hoffen, so die Kehrtwende zu schaffen.»

Volkshochschule Aarau: Das Winter-Semester ist bereits gestartet. Online gibt es das aktuelle Kursangebot auf www.vhsag.ch/aarau/. Das Sekretariat ist unter der Nummer 079 377 15 73 erreichbar.