Aarau

Mehr Aarauer Szenen im zweiten «Bestatter» – auch eine rechtsradikale

In der zweiten Folge des Fernsehkrimis «Der Bestatter» ist Aarau Kulisse für die Ermordung eines Schwarzen. Sie warens zwar nicht, aber als Feindbild wird eine lokale Neonazi-Szene dargestellt.

Von der Hühnerfarm ins Putzinstitut: Die gestern Abend auf SRF1 ausgestrahlte Folge «Treibgut» des Schweizer Krimis «Der Bestatter» spielte wieder in einem KMU – und wie schon im Pilot «Schweres Erbe» war das Firmenoberhaupt der Mörder. Selbstverständlich wird das Publikum wieder auf die falsche Fährte geführt. Ein drittes Mal wird einen solchen Plot auch der ahnungsloseste Fernsehzuschauer sofort durchschauen. Vom «Bestatter» mit dem Oltner Komiker Mike Müller sind vorerst vier Folgen gedreht worden.

Das Bestattungsinstitut Conrad ist in Aarau domiziliert, und diesmal wird die Kulisse viel auffälliger in Szene gesetzt. Es beginnt mit der Kettenbrücke, geht weiter zum Amtshaus an der Laurenzenvorstadt, zum Kantonsspital und Bahnhof bis zum Spieleladen «Spielstatt» an der Vorderen Vorstadt. Im Geschäft ist übrigens der echte Chef, Flavio Köpfli, zu sehen.

Rechtsextreme aus Öffentlichkeit verschwunden

Erfunden hingegen ist der «Wilde Mann», die Bierbeiz von Rechtsextremen. Hier verkehrt der vermeintliche Mörder eines Kongolesen, der ertrunken und mit einem blutigen Hakenkreuz auf der Stirn aus der Aare geborgen wird. In einer Szene spricht der «beinharte Neonazi» (O-Ton Sendungsporträt SRF) von 30 Kameraden.

Öffentlich in Erscheinung tretende Rechtsextreme, das entspricht laut dem als «Neonazi-Jäger» bekannten Heinz Kaiser nicht mehr der Realität im Aargau. Seit einiger Zeit sei es dank polizeilicher Repression ruhig geworden in der Szene. Die letzten beiden Vorfälle, an die er sich erinnert, waren eine unbewilligte Demonstration in Aarau im Juni 2009 und der versuchte Sturm auf Schloss Lenzburg am 1. August 2006, wo der damalige Bundesrat Samuel Schmid sprach. Die Website der Aargauer Pnos-Sektion (Partei National-Orientierter Schweizer) sei heute nur noch eine «Luftblase», so Kaiser.

«Es könnte überall sein»

Kleinstadtgroove versprüht folgende Szene: Polizistin auf Bärndüütsch: «Mer kennt sech.» Polizist auf Züridütsch: «Logisch, mir sind in Aarau.»

Die Leiterin des Informationsbüros Aarau Info, Esther Schmid, freut sich jedesmal, wenn ihr Aarau im «Bestatter» zu sehen ist. Dabei ist sie sich bewusst: «Für Auswärtige könnte es überall sein.» Sie weiss auch, dass nicht alle Szenen in Aarau abgedreht wurden, doch das spiele keine Rolle. Die Idee hingegen, Aarau mit dem Krimi noch besser zu bewerben, werde im Verein Standortmarketing nicht verfolgt, so Schmid – jedenfalls vorläufig nicht.

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