Zukunftsraum Aarau

Megafusion zur Grossstadt Aarau? Nein, aber mit Densbüren und Entfelden

So rasch wohl keine Grossstadt Blick über die Aarelandschaft in die Agglomeration von Aarau.

So rasch wohl keine Grossstadt Blick über die Aarelandschaft in die Agglomeration von Aarau.

Elf Gemeinden in der Region Aarau wollen den funktionalen Raum langfristig stärken und arbeiten am Projekt «Zukunftsraum Aarau». Gutachter schlagen nun statt einer Megafusion eine Mischstrategie mit starker Zusammenarbeit und einzelnen Fusionen vor.

Elf Gemeinden in der Region Aarau wollen den funktionalen Raum langfristig stärken. Seit dreieinhalb Jahren arbeiten sie am Projekt «Zukunftsraum Aarau». Beteiligt sind Aarau, Biberstein, Buchs, Densbüren, Erlinsbach AG, Küttigen, Muhen, Oberentfelden, Schönenwerd SO, Suhr und Unterentfelden.

Zukunftsraum Aarau

Aarau – Oberentfelden – Unterentfelden Finanzielle Situation der beiden Entfelden kritisch. Die drei Gemeinden sind erprobt in der gemeinsamen Erfüllung von Aufgaben. Stadt würde grösser. Politische Machbarkeit intakt. Fusion nur der beiden Entfelden löst Probleme nicht.

Von Juni 2014 bis Juli 2015 hat das Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern im Auftrag der Gemeinden untersucht, wie die Zusammenarbeit verbessert werden kann. Geprüft wurden die Optionen «verstärkte interkommunale Zusammenarbeit» und «Fusion» sowie deren möglichen Auswirkungen auf die Organisation, die Finanzen, die Demokratie und die Identifikation der Bevölkerung sowie die Regionalentwicklung. Nun liegt der Bericht vor. Er ist 200 Seiten dick. Gestern wurde er im Kultur- und Kongresshaus in Aarau der Bevölkerung der elf Gemeinden vorgestellt. 

Die Wissenschafter aus Bern empfehlen, eine Mischstrategie weiterzuverfolgen. Das heisst: Die interkommunale Zusammenarbeit soll in einem verbindlichen und einheitlichen Perimeter ausgebaut werden, gekoppelt mit einzelnen Fusionsprojekten (siehe Boxen).

Konkret empfehlen sie, die Fusion von Aarau mit Unter- und Oberentfelden sowie von Aarau mit Densbüren anzustreben. Diese Fusionen machten, so die Gutachter, zum heutigen Zeitpunkt aus finanziellen Gründen und im Hinblick auf die regionale Entwicklung und die Standortattraktivität am meisten Sinn. Zudem sei bei diesen Fusionen die politische Machbarkeit am ehesten gegeben.

Fusion von Buchs und Suhr?

Es gibt auch andere Optionen für Fusionen. So könnten zum Beispiel Buchs und Suhr eine Fusion prüfen. Die Gutachter ermutigen sogar, die Fusion der beiden Erlinsbach, Aargau und Solothurn, im Sinne eines Denkmodells zu diskutieren. Durch die Kantonsgrenze liegen die Hürden bei einem solchen Projekt allerdings so hoch, dass es unrealistisch erscheint.

Bei einer Fusion der Stadt Aarau mit Buchs und Suhr sehen die Experten Hindernisse vor allem bei der politischen Machbarkeit: Die beiden Agglomerationsgemeinden hätten den Eindruck, dass die Stadt Aarau ihnen teilweise nicht «auf gleicher Augenhöhe» begegne. Damit einher gehe die Befürchtung, nach einer Fusion an Einfluss zu verlieren. Zudem hat Buchs vor dem Eintritt in das Projekt «Zukunftsraum Aarau» eine Bevölkerungsbefragung durchgeführt mit dem Ergebnis, dass man eigenständig bleiben möchte.

Eine Fusion von Aarau, Buchs und Suhr könnte allerdings für die Entwicklung der Gemeinden und der Region deutliche Impulse geben. Die Wettbewerbsfähigkeit und Standortattraktivität der 37 500 Einwohner zählenden Stadt würde gestärkt. Zitat aus dem Bericht: «Dies wäre ein logischer Verbund mit wirkungsvollen Synergiepotenzialen.»

Entfelden würde profitieren

Die finanzielle Lage der beiden Entfelden ist, so die Diagnose der Gutachter, kritisch. Die beiden Gemeinden würden von einer Fusion mit Aarau finanziell und strukturell stark profitieren. Geprüft werden müsste bei diesem Vorschlag die finanzielle Tragbarkeit für die Stadt Aarau, deren Finanzsituation insgesamt solide ist. Eine Fusion nur der beiden Entfelden, die ja praktisch schon zusammengewachsen sind, würde zu deren finanzieller Gesundung nichts beitragen. Die Gutachter sind aber der Meinung, dass eine Fusion von Aarau mit den beiden Entfelden die Positionierung und die Attraktivität der Stadt erhöhen würde.

Aarau mit Densbüren, das ist wohl die überraschendste Fusionsvariante, welche das Kompetenzzentrum für Public Management vorschlägt. Aufgrund der geografischen Lage könnte auch Küttigen beteiligt sein. Die finanzielle Situation von Densbüren ist kritisch. Für die Stadt wäre es, so die Experten, aufgrund ihrer Grösse finanziell tragbar, mit Densbüren zu fusionieren. Für die regionale Entwicklung brächte die Fusion von Aarau und Densbüren nur geringe neue Impulse, allerdings wäre es – nach der Fusion 2010 mit Rohr – ein weiterer Schritt zur Schaffung einer neuen Stadt Aarau.

Fusion total?

Und die Fusion im ganzen Zukunftsraum Aarau, mit allen beteiligten Aargauer Gemeinden? Es ist dies die radikalste Variante, doch auch die unwahrscheinlichste. Es wäre, so die Gutachter, allerdings eine proaktive Strategie. Die Gemeinden würden aus einer Position der Stärke agieren, anstatt abzuwarten, bis es nicht mehr anders geht. Die Region würde an Attraktivität stark zulegen.

So rasch wohl keine Grossstadt Blick über die Aarelandschaft in die Agglomeration von Aarau mit Buchs, Suhr und den beiden Entfelden hinter dem Distelberg. Ueli Wild

So rasch wohl keine Grossstadt Blick über die Aarelandschaft in die Agglomeration von Aarau mit Buchs, Suhr und den beiden Entfelden hinter dem Distelberg. Foto: Ueli Wild

Schönenwerd ist an der Untersuchung ebenfalls beteiligt, kann durchaus auch weiterhin Partner sein in der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit. Eine Fusion war für die Solothurner Gemeinde aber von Anfang an ausgeschlossen.

Die Gutachter raten von der Weiterführung der interkommunalen Zusammenarbeit im bisherigen Rahmen (siehe unten) ab. Es wären nur geringe Veränderungen zu erwarten, schreiben sie. Für die finanzstrukturellen Probleme und kommenden Herausforderungen wäre das nicht günstig. Und sie sehen auch für die Fusion aller Aargauer Gemeinden im Zukunftsraum zu geringe politische Chancen und zu hohe Risiken.

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