Dem Kanton ist es ernst. Ernst damit, der Gemeinde Suhr Luft zu verschaffen. Täglich wälzen sich 24 000 Fahrzeuge durchs Dorf, verteilen sich in Richtung Aarau und die beiden Autobahnanschlüsse. Nicht nur, dass der Kanton seit einem guten Jahr das Nadelöhr im Dorfzentrum erweitert (Abschluss der Arbeiten im Sommer 2019), auch mit der Umfahrung macht er nun voran. Endlich, 15 Jahre nach der generellen Genehmigung einer Ostumfahrung durch den Grossen Rat.

Von der Ost- oder Südumfahrung spricht heute keiner mehr, denn die eine funktioniert ohne die andere nicht. Die beiden Umfahrungsprojekte werden gemeinsam unter dem Kürzel Veras für «Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr» geführt. Die Pläne für die Streckenführung hat der Kanton eben vorgestellt («Schweiz am Wochenende» vom 16. 2.).

Veras sieht eine Umfahrung mit Tunnel in Richtung Hunzenschwil vor (mit Kreisel kurz vor dem Möbelhaus Pfister), in Richtung Entfelden würde die Strecke der Autobahn entlangführen. Die Erschliessung der Umfahrungen käme auf dem heutigen Gewerbegebiet Helgenfeld zu liegen. Das Stau-Ärgernis SBB-Barriere soll eine 265m lange Brücke lösen, die den Verkehr über die SBB-Geleise ins Suhrer Dorfzentrum führt. Die Kosten für das Gesamtprojekt dürften sich zwischen 150 und 200 Millionen Franken bewegen – damit wäre die Umfahrung Suhr die teuerste (und längste) je gebaute Umfahrung im Kanton. Zu tragen hätten diese ungeheuren Kosten allen voran der Kanton, gefolgt von Gemeinden – und wohl SBB und Bund.

Doch kein Todesurteil

Befürchteten Skeptiker, allein schon diese Zahl wäre das Todesurteil für das Projekt, wurden sie nun eines Besseren belehrt. Gab man sich seitens des Kantons vor zwei Wochen noch zurückhaltend, nannte Gemeindepräsident Marco Genoni am Montagabend am Infoforum den Betrag, den die Gemeinden gemeinsam an das Mega-Projekt bezahlen müssten: 13 bis 14 Millionen Franken. Ein unbestrittenermassen grosser Batzen, aber doch deutlich weniger als erwartet.

Was die Suhrer am Montagabend aber viel mehr umtrieb als die Kostenbeteiligung, war der Zeitplan. Bereits nächstes Jahr soll das Geschäft in den Grossen Rat kommen und das Projekt öffentlich aufgelegt werden, der Baubeginn ist für 2024 angedacht und die Eröffnung 2027. Das sei viel zu optimistisch, hiess es, man schaue sich doch nur das Beispiel der Umfahrung Mellingen an, die nach jahrelanger Blockade nun endlich in Gang kommen soll.

In diesem Zusammenhang fragte ein Votant, ob es nicht möglich sei, das Brücken-Projekt separat und damit zeitnaher zu realisieren. Genoni verneinte: «Würden wir die Brücke nächstes Jahr bauen, würde der Verkehr durchs Dorf nur noch mehr zunehmen.»

«Ich bin tatsächlich positiv überrascht»

Der Suhr Gemeindepräsident Marco Genoni will, dass sich weitere Wynentaler Gemeinden an den 14 Millionen beteiligen.

Der Suhr Gemeindepräsident Marco Genoni will, dass sich weitere Wynentaler Gemeinden an den 14 Millionen beteiligen.