Der Rektor der Alten Kantonsschule Aarau Martin Burkard sagt, die Maturarbeit sei das «Gesellenstück» der angehenden Akademiker. Tatsächlich ist die Liste der diesjährigen Maturarbeiten, die im Januar abgegeben werden mussten, eindrücklich: Da wird über alte Gemüsesorten und kulturhistorische Vielfalt geschrieben, über den Effekt der parasozialen Interaktion am Beispiel von Spiderman und Barbie oder über Strafe und Hinrichtung im mittelalterlichen Christentum verglichen mit dem heutigen Islam. Über hundert geistes-, natur- und anderweitig wissenschaftliche Arbeiten wurden diese Woche den Eltern und der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

Neben dem betreuenden Lehrer sass ein Co-Referent, der den Maturandinnen und Maturanden auf den Zahn fühlte. So mussten sich am Mittwoch etwa die drei Autorinnen, die darüber forschten, «was wirklich im ‹Knigge› steht», noch einmal richtig Mühe geben, als sie gefragt wurden, ob die Ratschläge aus dem 18. Jahrhundert heute noch zeitgemäss seien. Sie machten es bravourös, das Publikum applaudierte.

Lehrer sollen Plagiaten vorbeugen

«Eine gute Betreuung ist ein wesentlicher Garant dafür, dass eine eigenständige Leistung zustande kommt», antwortet Burkard auf die Frage nach dem Risiko, dass Schüler abschreiben, ohne die Quelle zu nennen. Die Lehrer seien angehalten, Plagiaten vorzubeugen,und die Schüler würden diesbezüglich aufgeklärt.

Die az Aargauer Zeitung wollte angesichts des Guttenberg-Skandals in Deutschland wissen, ob in Aarau auch schon Betrügereien vorkamen. «Ja, es gab bisher drei Fälle», sagt Prorektor Peter Hänsli, in der Schulleitung unter anderem für die Abschlussklassen des Gymnasiums zuständig.

Grössere Teile nicht deklariert

Im ersten Fall vor rund sieben Jahren seien «grössere Teile» einer Gruppenarbeit «nicht deklariert» gewesen, erzählt Hänsli. Die Arbeit wurde zurückgewiesen, eine neue mit einem anderen Thema musste verfasst werden. Vor drei Jahren flog ein Schüler auf; er hatte verschiedene Passagen kopiert – und verliess darauf die Kanti. Lediglich «einzelne Stellen», so Hänsli, seien im jüngsten Fall 2010 ein Plagiat gewesen.

Die Antiplagiatssoftware Docoloc habe den Verdacht, den Betreuer und Co-Referent hegten, bestätigt. Weil es sich um eine Bagatelle handelte, beliess es die Schule bei einem Notenabzug. In der kantonalen Wegleitung für Maturarbeiten steht, Plagiate ergäben «in jedem Fall eine ungenügende Note».

Kürzlich wurde der nachrückende Jahrgang über die bevorstehende Maturarbeit informiert. Peter Hänsli erläuterte an der Veranstaltung nicht nur, was auf die Schüler zukommt, sondern auch, welches Nachspiel die Schummelei jetzt für den deutschen Ex-Verteidigungsminister hat.