Bezirksgericht Aarau

Massenschlägerei ohne Schläger: Keiner der Eritreer wills gewesen sein

Keiner der zwölf Angeklagten will mit der Schlägerei etwas zu tun haben. (Symbolbild)

Keiner der zwölf Angeklagten will mit der Schlägerei etwas zu tun haben. (Symbolbild)

2013 kam es in Rombach vor einem Club zu einer Schlägerei. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Auseinandersetzung zwischen regierungstreuen und oppositionellen Eritreern aus. Die Beschuldigen beteuern allesamt ihre Unschuld.

Phillipos (Namen geändert) war wütend. Der oppositionelle Eritreer war von regierungstreuen Landsleuten aus einer Bar in Schönenwerd nach Rombach entführt und dort geschlagen worden. Nun wollte er Vergeltung. Er rief per Facebook dazu auf, seinen Kontrahenten «die Köpfe abzuschneiden» und «die Konsequenzen» zu übernehmen.

Daraufhin machten sich er und sechs seiner Anhänger am 24. Juni 2013 auf den Weg nach Rombach, um dort die Besucher eines Eritreer-Clubs zu attackieren. Das Resultat war eine blutige Schlägerei, bei der beide Parteien Steine warfen und mit Holz- und Metallstangen aufeinander einschlugen.

Soweit die Interpretation der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau. Glaubt man den Beteiligten, hat es sich ganz anders zugetragen. Letzte Woche kam es deshalb am Bezirksgericht Aarau zu zwölf Verhandlungen. Mit der Auseinandersetzung will keiner der Beschuldigten wirklich etwas zu Tun gehabt haben.

«Ich wollte im Club nur einen Tee trinken gehen», sagte Kiros, der zu der oppositionellen Gruppe gehören soll. Dass er einem Anhänger der Gegenpartei mit einem Stock auf den Kopf geschlagen und ihn so niedergestreckt habe, stritt er ab.

Er habe nie einen Stock in der Hand gehabt. «Wir waren noch nicht im Club, als wir mit Steinen beworfen wurden», so der Eritreer. Er habe zwar Steine zurückgeworfen, sei dann aber weggerannt. Auf die Frage, wieso es zum Zwischenfall gekommen sei, zuckte er mit den Schultern. «Das müssen die beantworten, die uns attackiert haben.»

Auch der zweite Befragte, Illen, behauptete, nicht zu wissen, weshalb es zur Schlägerei kam. «Ich habe Phillipos an diesem Abend zufällig am Bahnhof Aarau getroffen.» Dieser habe ihm angeboten, ihn ein Stück in seinem Auto mitzunehmen. «Er sagte, er müsse nur noch schnell bei seinem Bruder in Rombach vorbeischauen.» Als sie dann in der Nähe des Clubs ausstiegen, seien sie aus heiterem Himmel mit handgrossen Steinen beworfen worden. Vom besagten Facebook-Post oder der Entführung habe er nichts gewusst. «Ich höre davon heute zum ersten Mal.» Dass er, wie ihm vorgeworfen, einen Stein durch das Lokalfenster geschmissen habe, stimme nicht.

Gegenseite sagt noch weniger

Die Gegenseite zeigte sich noch schweigsamer. «Gar nichts», antwortete der Beschuldigte Feben auf die Frage, was er im Club gemacht habe. Er habe Tee getrunken. Dann hätten sie versucht, ihn zu schlagen. «Wer war das?», fragte Gerichtspräsidentin Karin von der Weid. «Die Eritreer, die gegen uns sind», lautete die Antwort. Wer das sei, wisse er nicht. Er gehöre keiner Gruppe an. Während der Schlägerei sei er mit den anderen nach draussen gegangen, habe sich in eine Ecke gestellt und gewartet, bis es vorbei war.

Zum Tee trinken sei auch Kidus in den Club gekommen. Damit konfrontiert, dass er von einem Mitglied der Gegengruppe als «Stürmer, der sein Leben für die Regierung geben würde» bezeichnet wurde, antwortete er: «Die wollen mich einfach schlecht machen.» Er habe sich an der Schlägerei nicht beteiligt. Die Situation sei für ihn so stressig gewesen, dass er noch nicht einmal die Polizei rufen konnte.

«Es ist wirklich interessant. Es sind heute alle unschuldig», entfuhr es der Gerichtspräsidentin nach dem ersten Verhandlungstag. Ob die Beschuldigten auch offiziell unschuldig sind, entscheidet das Gericht Ende Woche. Phillipos wird sich im Februar vor dem Gesamtgericht verantworten müssen.

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