Es dürfte der grösste regelmässig stattfindende Anlass in Buchs sein. Mit Abstand. Der Floh- und Antikmarkt, der neunmal pro Jahr das sonntags leerstehende Parkhaus beim Wynecenter nutzt. Zwischen 5000 und 10 000 Besucher zieht er jedes Mal an – sogar aus dem nahen Ausland. Und das nun im zehnten Jahr.

Dahinter steckt ein Gränicher Ehepaar. Ursula und Philip Moser – er 66, sie 64 Jahre alt – führen schon seit 30 Jahren gemeinsam die «marc-jean Werbeagentur», erst in der Aarauer Telli, dann in Gränichen, wo Ursula Moser aufgewachsen ist. Den Floh- und Antikmarkt haben sie nebenbei aufgebaut. Dabei war es ganz anders geplant: Als 2006 der Durchgangsverkehr aus der Aarauer Altstadt verbannt wurde, erarbeiteten die beiden ein Konzept für einen Weihnachtsmarkt.

«Advents-Bazar» nannten sie ihn. Er führte von der Metzgergasse durch die Kronengasse, durch die Kirchgasse und bis auf den Kirchplatz. «Mit dem mehrheitlich aus Holzhäuschen bestehenden Markt war uns ein wahres Bijou gelungen», erinnern sie sich. Nach zwei erfolgreichen Jahren «mischten plötzlich zu viele Stimmen mit und unser als Aufwertung des Altstadtlebens gedachter Anlass wurde von Eigeninteressen massiv gestört».

Dann halt ein Flohmarkt

Also zogen sich Mosers zurück – und reichten stattdessen beim Wynecenter ein Konzept zur Durchführung eines Flohmarkts im leeren Parkhaus ein. Der damalige Center-Leiter war «nicht abgeneigt», wie Philip Moser erzählt. Ein Parkfeld, 2,5 mal 5 Meter, ist Verkaufsfläche für die Ware, das nebenanliegende fürs Auto. «Die Leute schätzen, dass sie ihr Fahrzeug nicht ‹ist Gjätt use› stellen müssen, das ist weniger stressig», so Ursula Moser.

70 Verkäufer meldeten sich für den ersten Markt. «Wir hatten schon ein bisschen Schiss, dass wir zwar Aussteller haben, aber keine Besucher», erinnert sich Philip Moser. Deshalb organisierten sie noch eine Hüpfburg, um «ein bisschen Chilbi zu bieten». Nötig gewesen wäre es wohl nicht: «Es kamen so viele Autos, dass der Stau bis fast zum Autobahnzubringer reichte», erinnert sich Ursula Moser lachend. Heute sind die 300 Verkaufsplätze des Markts monatelang im Voraus ausgebucht. «Kurzfristig ist fast nichts machbar», sagt Philip Moser.

Aus der ganzen Schweiz

Die Verkäufer kommen aus Graubünden, aus dem Tessin, der Westschweiz, dem hintersten Jura. Von den 300 Ausstellern sind etwa ein Drittel Profis, die ihren Lebensunterhalt an solchen Märkten verdienen. Die anderen machen es nebenbei. «Sie freuen sich am meisten, weil sie keine Erwartungen haben und am Schluss mit Geld und fast ohne Ware wieder nach Hause gehen», so Mosers. Die Stände müssen bis 16 Uhr betrieben werden. Damit nicht einer auf die Idee kommt, er könnte die nichtverkaufte Ware bequem dalassen, gibt es ein Depot-System «mit happigem Tarif»: «Jeder Zigarettenstummel wird von den Ausstellerinnen und Ausstellern vor der Wegfahrt aufgelesen.»

Wie viel Umsatz macht so ein Händler? Philip Moser wiegelt ab. Schliesslich sagt er: «Die professionellen Händler kommen seit Jahren aus der ganzen Schweiz. Würden sie kein gutes Geschäft machen, täten sie das wohl nicht.» Und für das Ehepaar Moser? «Die ersten zwei, drei Jahre haben wir Geld hineingesteckt. Mittlerweile können wir für uns etwas abschöpfen – es ist ja auch viel Arbeit.» Unter den 20 Helfern, die jedes Mal im Einsatz sind, hat es auch Bewacher und Sicherheitspersonal. Auch Mosers Tochter und ihr Mann sowie die zwei Enkelinnen packen regelmässig mit an.

Schlange stehen in der Frühe

Man merkt: Das Ehepaar betreibt seinen Markt mit Freude. Dabei hatten sie zu Beginn kaum Erfahrung damit. «Wir gingen einfach selber gerne an Flohmärkte», sagt Philip Moser. «Noch heute ist das das Erste, was wir tun, wenn wir in eine fremde Stadt kommen. Das Markttreiben hat uns immer gefallen.»

Ärgernisse gab es in den letzten zehn Jahren wenige. Und die besonderen Erlebnisse, die Erinnerungen, sind zahlreich. Da war der Mann, der uralte Dampfmaschinen verkaufte. Der Pizzaiolo, der vor dem Auswandern seinen gesamten Hausrat verscherbelte. Einer, der mit einem Huhn statt Schosshündchen kam. Und der 85-jährige Stammgast, der an seinem Geburtstag kam, obwohl es ihm die Familie verboten hatte. Er reiste jeweils in aller Herrgottsfrühe an – wie übrigens viele der Aussteller: «Wenn ich um 5.30 Uhr komme, steht schon eine lange Kolonne vor dem Tor», erzählt Philip Moser.

Wie lange es den Markt noch geben wird? Das Ehepaar schaut sich an. Sie haben darüber nachgedacht. «Wir können das im Rollstuhl noch machen», scherzt Ursula Moser.